Mittwoch, 3. März 2010

Asi mit Niwoh

Ich habe gestern mal wieder nach langer Zeit mit einer Freundin von mir telefoniert. Die findet meine Fußballleidenschaft ein wenig suspekt. Wobei „suspekt“ vielleicht nicht der ganz richtige Ausdruck ist. „Ungewöhnlich“ trifft es vielleicht ein wenig besser, aber auch nicht ganz ins Schwarze. Wenn wir aber noch einen Schuss „amüsant“ hinzu nehmen, dann passt es wohl. Auf jeden Fall hat sie festgestellt, dass sie mehr fürs Feingeistig-intellektuelle zuständig ist, während ich mich mehr dem Proletarischen hingeben. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Ich bin in ihren Augen ein Proll.

Auch wenn das natürlich eine unfassbar unzulässige Verkürzung ist gegen die ich aufs Schärfste protestiere, komme ich nicht umhin ihr zumindest teilweise recht zu geben. Durch die Republik reisen, sich besaufen, in der Kurve zu schreien und sein Wohl und Wehe vom Abschneiden des Vereins abhängig zu machen, ist vielleicht weniger Bildungsbürgertum als private Rilke-Leseabende zu machen und sich in Verona eine Oper anzuschauen.

Bestimmt sind Rilkes Werke auch unfassbar wertvoll. Ungefähr so wertvoll wie Mats Hummels für uns, der wegen seines Kieferbruchs für mehrere Wochen ausfällt. Und da sind wir wiedefr bei meinem Problem: Ich kann mit Literatur jenseits von Kicker, 11 Freunde und Ballesterer wenig anfangen. Okay, ich habe nichts gegen Bücher. Wenn sie Fußball-Stadien behandeln kann mich das auch erbauen. Aber mit Weltliteratur habe ich es einfach nichts so. Ich freu mich für Leute, die sich an schön geschwungenen Versen ergötzen können. Mich lässt das aber kalt. Um es mit Zeltinger zu sagen: Ich bin ein Asi mit Niwoh.

Dabei habe ich sogar die intellektuellen Fähigkeiten mit Literatur auseinanderzusetzen - ich bin ja ein recht schlaues Kerlchen – aber es langweilt mich einfach. Dass Drama wenn 5000 Menschen eingehakt miteinander singen und um den Sieg zittern, erscheint mir 1000 mal mehr dramatisch als "Wilhelm Tell". Ich finde das echter, wahrhafter und bewegender. Dafür werde ich wohl nie Zugang zur intellektuellen Elite bekommen.

Womit ich mehr als gut leben kann, wenn wir mal wieder deutscher Meister werden.

Kommentare:

  1. Jedem Seins. ;)
    Das ist halt dein Hobby/Leben und es ist klar das es immer wieder Leute gibt die dich darüber beschweren oder meinen "sowas geht ja mal gar nicht", aber im Umkehrschluss denkst du das selbe über andere Leute usw.
    Und wer denkt du hast kein "Niwoh" (mein neues Lieblingswort :D), nur weil du nicht in die Oper gehst und Bücher liest, der weiß auch nicht was abgeht.
    Man wird es nie jedem recht machen können und wenn du mit deinem Leben zufrieden bist, dann ist alles in Ordnung!
    Und mal ehrlich: Lieber dein Leben führen, Spaß haben, viel rumkommen und sein Leben auch wirklich leben, also sich den ganzen Tag hinter Bücher zu verstecken!
    Ich lese auch viel und gerne, aber solch ein einsames Hobby sollte das Leben nicht bestimmen.
    LG
    Steffi

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  2. Lieber Proll als Lutscher!

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