Montag, 30. November 2009

Reinhold Beckmann und sein chinesischer Journalismus

Ich würde ja gerne über was anderes schreiben als Dietmar Hopp. Aber mir fällt nichts ein. Bzw. einfallen würde mir eine Menge, aber nichts bewegt mich im Moment so, wie der hoppelnde Dieter und sein Adlatus Reinhold Beckmann. Ich habe nämlich gestern den Sportschau Bericht über das Spiel gegen Hoppelhausen bei Youtube gesehen. Ich war ja durch die Forenberichterstattung auf vieles vorbereitet, aber was da zu sehen war, hat mich dann doch überrascht und in höchstem Maße verärgert. Und zwar nicht nur als BVB-Fan, sondern fast noch mehr als Medienschaffender.

Natürlich muss man es als neutraler Berichterstatter nicht gut finde, wenn Dietmar Hopp von Fans persönlich beleidigt wird. Man darf das offen sagen, dass man das schlimm findet. Das muss man als neutraler Berichterstatter sogar. Meine Sichtweise als Fußballfans erlaubt mir da viel mehr subjektive Ausrutscher als die Sichtweise eines Sportjournalisten. Man muss unter journalischen Gesichtspunkten auch nicht einmal das unterlaufen des 50+1 Prinzips durch Hoffenheim im Zusammenhang mit der Berichterstattung thematisieren. Es ist völlig legitim die Beschimpfungen als singuläres Phänomen zu behandeln und anzuprangern.

Was aber nicht geht ist sich Aki Watzke als Schuldigen für diese Vorfälle rauszusuchen und dann alles was dieser in den letzten Jahren gesagt hat in Bausch und Bogen zu verdammen, ihm die Schuld an diesen Vorfällen zu geben und die BVB-Fans auf einen Haufen Neider zu reduzieren. Wenn man sich mit Aki Watzke befasst meine Damen und Herren von der Sportschau, dann muss man auch die Gegenseite beleuchten. Und damit meine ich nicht deren Opferrolle. Das was da am Samstag über die Bildschirme flimmerte war miese, tendenziöse Meinungsmache, die die Grundlagen des Journalismus komplett hinter sich gelassen hat. Denn es ging nicht drum Sachen kritisch zu hinterfragen, sondern einen Schuldigen zu suchen und alles so zu drehen, dass es zur Aussage passt. Ich habe nichts gegen kritischen Journalismus. Im Gegenteil. Es gibt den leider viel zu wenig. Nur dass, was die Sportschau da am Samstag geleistet hat, hatte mir Journalismus nicht mehr zu tun, sondern war Propaganda. Damit kann man sich 1:1 beim chinesischen Staatsfernsehen bewerben.

Natürlich ist es schlimmer wenn die Chinesen Folter wegleugnen, als wenn die ARD sich weigert anständig über das Thema "Hopp" zu berichten. Aber darum geht es nicht. Es geht um Journalismus. Und es geht mir – ich will das noch mal betonen – nicht darum, dass man mit den Ausdrucksform der Proteste nicht kritisch umgehen darf. Ganz und gar nicht. Man muss dann nur beide Seiten hören und die Ursachen des Protestes analysieren und nicht sinngemäß sagen die BVB Fans wären neidisch auf die gute Spielweise der Hoffenheimer. Ich verstehe nicht wie wenig Anspruch die Leute in der Sportschau-Redaktion an sich selbst haben. Ich möchte in dem Zusammenhang noch mal auf den guten Post des Blogs „5 Freunde im Abseits“ verweisen.

Trotz allem Geheule der Hopp-Freunde darf der Kampf gegen das „Hoffenheimer-Modell“ und die VW-isierung des Fußballs nicht aufhören. Auch wenn wir aktuell nicht die Meinungshoheit in den Medien haben, so haben wir doch die meisten Fußball-Fans auf unsere Seite. Auch wenn Wolfsburg und Hoppelhausen im Moment in Mode sind, werden wir auf lange Sicht gewinnen. Denn diese Plastikclubs funktionieren nur parasitär. Wenn es zu viele davon gibt, werden die wieder verschwinden.

Tradition schlägt jeden Trend!

Sonntag, 29. November 2009

"Ihr habt bezahlt, ihr könnt jetzt gehen"

Der wahre Fußball hat gegen den Eventfußball gewonnen. Drei Punkte im "Klassenkampf". Das mag pathetisch klingen, aber ich empfinde es wirklich so. Es gab lange kein Spiel mehr, bei dem mich ein Sieg so glücklich gemacht hat. Das war gestern fast so schön wie ein Derbysieg. Aber natürlich wirklich nur fast. Denn während man das blaue Pack wenigstens noch ernst nehmen kann, empfinde ich gegenüber den Hoppelhausenern nur Verachtung. Nichts, aber auch gar nichts, berechtigt das Spielzeug von Dietmar Hopp in der Bundesliga zu sein.

Das ganze Drumherum gestern war so schlimm wie ich es befürchtet hatte. Alleine, dass man auf der Fahrt zu einem Fußball Bundesligisten zweimal umsteigen muss ist echt der Hohn. Lustigerweise waren sowohl Passagiere als auch Fahrpersonal der Regionalbahn nach Sinsheim komplett mit der Situation überfordert Fußball-Fans im Wagon zu haben. Das Stadion steht wie in Gladbach mitten auf der Wiese und ist fast genauso hässlich. Und die Stimmung ist da noch schlechter als in Wolfsburg. Genauso bezeichnend wie amüsant war eine Situation vor dem Spiel als wir laut durch das Stadion schallten und die Hoppenheimer Stadionregie das auf ihre Weise löste: Sie drehten die Musik – DJ Ötzi – lauter. Manchmal fragt man sich, ob die eigentlich merken wie tief sie sinken?

Mein persönliches Highlight waren die Sprechchöre zu den das Stadion verlassenden Hoppelheimer Kunden kurz vor Schluss „Ihr habt bezahlt, ihr könnt jetzt gehen“. Die machen zwar auswärts wenn man es genau nimmt eigentlich keinen Sinn, aber die passten gestern trotzdem richtig gut. Die Kunden waren unzufrieden und verließen das Stadion. Eigentlich könnte man ja lachen über das ganze Drumherum. Wenn es nur einen Club wie Hoffenheim geben würde. Aber da ist ja noch Wolfsburg. Und Leverkusen. Wenn das so weiter geht ist der Fußball in Deutschland bald mausetot. Apropos mausetot: Auf dem Rückweg vom Stadion wurde ein Gruppe BVB Fans übrigens von Hoppelhausenern mit Steinen beworfen. Das ist ein glatter Mordversuch.

Aber in den Medien steht was von den bösen BVB Fans.

Samstag, 28. November 2009

Raus aus dem Sessel

Hier liest heute keiner. Denn es ist Spieltag. Okay, so ganz stimmt das nicht, natürlich wird mein Blog auch an Spieltagen gelesen, aber die Zahlen sind deutlich niedriger. Um ca. ein Drittel, um genau zu sein. Was einen zu der These veranlassen könnte, dass ein Drittel meiner Blog-Leser Stadiongänger sind, die keine Zeit haben sich am Spieltag so den Quatsch hier durchzulesen.

Wenn Sie hier heute sind, dann heißt dass aber ja wohl, dass Sie kein Stadiongänger sind. Zumindest heute. Und dabei sind wir bei der Frage: Warum nicht? Eine Möglichkeit wäre, dass sie einfach Sky-Gucker sind und lieber bequem im Sessel sitzen, statt sich Ende November den Arsch abzufrieren. Es ist nicht so, dass ich das nicht verstehen könnte, gerade wenn ich an die heutige Fahrt denke, und wann ich da aufgestanden bin, wir schreiben jetzt 05:00 Uhr, dann kann ich das sogar gut nachvollziehen. Während Sie sich bequem aus dem Bett schälen steige ich gerade in Frankfurt um oder so. Und bin schweinemüde und vielleicht schon ein wenig angetrunken. Und sehr wahrscheinlich werde ich neidisch sein auf Sie.

Aber auf der anderen Seite: Riskieren Sie doch auch mal was. Bewegen Sie sich ins Stadion. Seien Sie nicht so faul. Man muss sich auch mal für was einsetzen. Immer nur bequem ist doch scheiße. Ganz im Ernst. Das ganze Leben ist bequem.

Raus aus dem Sessel. Rein ins Stadion.

Freitag, 27. November 2009

Keine Lust auf Hoppenheim

Es passiert mir wirklich selten, dass ich keine Lust auf Fußball habe, aber
ich habe so gar keinen Bock auf Hoppenheim. Auf nichts an der Fahrt. Auf nichts an dem Spiel. Auf nichts an dem Stadion. Und auf keinen von den Sinsheimer „Fans“´, die bis vor 2 Jahren noch gar keine Fans waren. Oder noch schlimmer: Die bis vor zwei Jahren Bayern-Fans waren. Es fängt schon mit der Fahrt an. Ich muss zweimal umsteigen und fahre aus dem Grund schon um 6 Uhr los. Denn als erfahrenen ICE-Fahrer weiß man ja: Umsteigen klappt bei der Bahn nie. Laut Plan bin ich um 11:58 da, aber da ich mindestens eine der Umsteigemöglichkeiten verpassen werde, wird es dann doch wohl eher 13:00 Uhr. Dann ist man so gegen 13:30 am und dann auch direkt im Stadion. Fahrten in die Provinz gehen einfach mal gar nicht. Vor allem macht mein Magen gerade komische Dinge. Wenn das nicht bis morgen besser wird, verbringe ich die Fahrt kotzend auf dem Klo. Bombige Aussichten. Wobei die Wort „Hoppenheim“ und „Kotzen“ im Duden auch direkt aufeinander folgen.

Ohne, dass ich bisher in dem Stadion war weiß ich wie das aussieht. Eine dieser typischen neuen „Arenen“. Komfortabel aber langweilig. Und das ganze dann gefüllt mit Leuten, die aussehen wie Bankangestellte, die sich akkurat einen Schal umgebunden haben. Diese Sorte gibt es in Wolfsburg auch und die widert mich an. Die feinen Herren wollen eigentlich nichts mit Fans zu tun haben. Sie wollen einfach nur ins Stadion gehen „um guten Fußball zu sehen“. Und irgendwer hat ihnen gesagt, dass da ein Schal zugehört. Und den hat Mami ihnen dann eben so hübsch umgelegt „Werner, binde den doch ordentlich. Sonst sieht das doch nicht aus“ Diese Menschen wollen mit Fußball wie wir ihn lieben nichts zu tun haben und selbst wenn die sich 10 Schals umbinden würde man es immer noch sehen. Sie rufen ab und zu und klatschen höflich, aber ansonsten ist da nicht viel los mit denen. Ach ja und Papa Hopp sind sie natürlich sehr dankbar. Weil der „soviel macht für die Region“.

Die andere Fraktion die letztes Jahr in Mannheim zu sehen war, waren Schülerinnen. Ebenfalls eine Sorte die man beim Fußball nicht braucht. Um auch hier mal wieder Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe nichts gegen Frauen beim Fußball. Auch nicht gegen Schülerinnen. Aber ich habe was gegen Schülerinnengruppen, die zum Fußball gehen weil es gerade „in“ ist. Obwohl sie der Sport nicht interessiert. Ich sage nur „Poldi“ und „Schweini“. Ich könnte noch stundenlang schreiben wie scheiße ich die da alle finde, aber das würde dann talibanöse Züge bekommen und falls es morgen zu Ausfällen gegenüber dem Weichein Hopp kommt schreibt noch einer „MauriciusQ hat die Leute aufgehetzt“.

Donnerstag, 26. November 2009

„Dietmar Hopp, Du Sohn einer Hure“

Aki Watzke hat gestern in einem offenen Brief dazu aufgerufen, dass man doch bitte in Hoppenheim die Ruhe bewahrt und sich nicht in persönlichen Angriffen gegen Dietmar Hopp ergeht. Grund zu dem Hinweis war das Hinspiel der letzten Saison wo sich die BVB-Fans über längeren Zeitraum in den Sprechchören „Dietmar Hopp, Du Sohn einer Hure“ ergingen, sowie ein Fan diesen Doppelhalter zeigte. Und auch in Köln letzte Woche musste sich Hopp einiges anhören, worauf er sich dann bei der BILD ausheulen durfte.

Und da sind wir schon bei meinem Problem. Aus taktischen Gründen geben ich Watzke nämlich total recht. Dietmar Hopp auf primitive Art und Weise zu beschimpfen ist natürlich eher kontraproduktiv, weil es ihm die Chance gibt sich als armes Opfer von Sozialneid hinzustellen und das bei neutralen Zuschauern eher eine Solidarität mit dem „Modell Hoffenheim“ auslöst. Daher ist es wirklich nicht schlau Dietmer Hopp persönlich zu beleidigen. Mein Problem ist aber: Ich hasse den Typen abgrundtief und würde das gerne irgendwie auch äußern.

Dietmar Hopp ist mir persönlich zuwider.Wenn ich den Typen sehe möchte ich mich übergeben. Dieser selbstherrliche Multimilliardärsausdruck in seinem Gesicht macht mich aggressiv. In der Schule hat doch keiner mit dem gespielt. Weswegen er auch reich werden musste. Da kommen wenigstens die Leute die sein Geld wollen. Wenn ich den in Interviews sehe habe ich regelmäßig Angst mich auf den Bildschirm zu erbrechen. Das ist einfach ein spontaner Reflex. Ich kann da auch nichts für. Vor allem weil dieser Mensch sich auch noch so unfassbar anstellt und rumheult, wenn er sich mal was anhören muss. Das ist so ein unfassbares Weichei. Hat man jemals von Uli Hoeness gehört, dass er sich beschwert, wenn er sich in Deutschlands Stadien Sprüche anhören muss? Nein, weil der Typ nämlich cool ist, während sich Dietmar Hopp benimmt wie jemand, der Profi-Boxer werden will und sich dann beschwert, wenn der Gegner zuhaut. Und auch ich muss mir Woche für Woche "BVB - Hurensöhne" anhören. Geh ich deshalb weinend nach Hause? „If you cant stand the heat, get out of the kitchen, Mr. Hopp”. Ich verstehe, dass es Ihnen in der Bundesliga zu rauh zugeht. Das ist nichts für zart besaitete Schöngeister wie sie, die lieber Rotwein statt Bier trinken. Verschwinden Sie doch am besten einfach aus der Bundesliga und fördern junge Bildhauer. Und nehmen Sie Ihr Kunstprojekt gleich wieder mit in die Bezirksliga. Da gehört es nämlich auch hin. Ich denke dann sind alle Seiten glücklich.

Alles an diesem Hoppenheimer Verein ist künstlich. Inklusive des Umstellens des Vereinsnahmens auf „1899 Hoffenheim“. Der Club heißt nämlich eigentlich nur „TSG Hoffenheim“. Aber man will ja gerne zeigen wie viel Tradition man hat. Dass davon 100 Jahre in völliger Bedeutungslosigkeit stattfanden interessiert dann ja nicht weiter. Hauptsache alt. Dieser Club sorgt dafür, dass es Traditionsclubs wie Eintracht Braunschweig und Rot Weiß Essen immer schwere haben werden wieder nach oben zu kommen. Und bevor mir irgendein Schlaumeier jetzt wieder sagt, dass die ja selbst verschuldet abgestiegen sind: Das stimmt. Aber der Weg nach oben wird jetzt von solchen Clubs wie Hoppenlhausen oder Wolfsburg versperrt.

Dietmar Hopp und sein Hobbyverein sind ein Geschwür, das die Bundesliga langsam zersetzen wird. Wenn sich Hopp und seinesgleichen durchsetzt, werden bald nur noch solche Vereine in der Bundesliga spielen. In 30.000er Stadien, die aber auch nicht mehr voll werden, weil es keine Traditionsmannschaften gibt, die Stimmung machen. Der Kampf gegen Dietmar Hopp ist der Kampf für den Erhalt des Fußballs als Volkssport. Und da nützt es auch nichts, dass die Hopp Freunde immer wieder anführen, was der Typ so alles für die Region tut. Gute Tat hier, gute Tat da. Dadurch wird ja der Umstand nicht besser, dass Hopp den Fußball zerstört. Nur weil ich einer Oma über die Straße helfe verzeiht man mir ja auch nicht, dass ich an der nächsten Ecke eine ausraube.

Herr Hopp, ich mag Sie einfach nicht. Ich hasse Sie sogar. Abgrundtief. Aber eines werde ich Ihnen versprechen. Ich werde sie am Samstag nicht als „Sohn einer Hure“ beschimpfen.

Vor Huren habe ich nämlich Respekt

Mittwoch, 25. November 2009

MTV GAME AWARDS 2009 oder: Das Leben danach

Mein Leben ist sinnlos seit gestern. Na gut. Nicht sinnlos. Aber ziellos. Denn gestern ist das Tape mit den MTV GAME AWARDS an den Sender gegangen. „Wie? Jetzt schon?“ wird sich der eine oder andere vielleicht fragen? Ja, jetzt schon. Denn dieses Jahr ist einiges anders. Und hoffentlich auch besser. Aber davon kann sich jeder selbst überzeugen. Am Freitag 22:00 Uhr auf MTV.

So glücklich ich darüber bin, dass das Teil endlich fertig ist und so stolz ich auf das bin, was wir da abgeliefert haben, so komisch fühlt sich das aber an. Denn mein Leben war in den letzten Monaten geprägt von dem Motto „Wie schaffe ich es trotz der Game Awards noch alle BVB Spiele zu sehen und es zu schaffen, dass die tollste Frau von Welt wo gibt nicht die Polizei ruft, wenn ich in die Wohnung komme, weil sie mich nicht mehr erkennt und für einen Einbrecher hält?“ Die GAME AWARDS haben in 2009 schon von Anfang an eine wichtige Rolle eingenommen, in den letzten vier Monaten haben sie meinen Lebensrhythmus komplett bestimmt.

Die MTV GAME AWARDS waren mehr „mein“ Projekt als jedes andere zuvor. Ich bin auf dieses Projekt stolzer als auf alles andere in meiner Karriere. Nicht, weil die meisten inhaltlichen Ideen eingebracht habe – das habe ich nämlich nicht und so eine Sendung ist ja immer das Ergebnis eines Teams -, sondern weil ich von Anfang an dabei war und der einzige war, der von Anfang bis Ende über das Gesamtbild einen Überblick hatte. Ich hatte zu Beginn des Jahres an die Idee, dass es doch super wäre die bei uns im Hause zu produzieren und habe immer mal wieder mit dem Sender gesprochen. Als dann klar war, dass wir das wirklich tun, stand ich – im übertragenen Sinne - vor dem weißesten Blatt Papier meiner beruflichen Karriere. Ein leeres weißes Blatt Papier auf dem Nichts stand außer der Überschrift „MTV GAME AWARDS“. Es war nichts definiert. Weder die Moderatoren, noch die Inhalte noch irgendwas. Für das was wir später produziert haben gab es keinerlei Referenz. Zum Glück haben mit Simon und Budi dann die besten Moderatoren die man für dieses Projekt haben kann zugesagt und unfassbar viele gute inhaltliche Ideen eingebracht und wir haben sehr schnell ein wirklich schlagkräftiges Team geformt, die alle das Maximale aus sich herausgeholt haben. Ich bin immer noch tiefenbeeindruckt wie gut jeder Einzelne an diesem Projekt gearbeitet hat. Fall Sie sich fragen, was da mein Job ist: Ich muss den Überblick über alles behalten, schauen das sich das alles zusammenfügt und wenn es komplett schief geht ist es mein Kopf der ab ist. Das frisst bei einem Projekt dieser Größe das komplette Leben auf. Ich liebe das. Genau meine Welt.

Nur jetzt wo es vorbei ist fühle ich mich irgendwie leer. Mein Ziel ist weg. Denn das lautetet die GAME AWARDS auf den Schirm zu bringen. Und das ist erreicht. Wenn jetzt nicht noch einer bei MTV einbricht und die Sendung klaut oder so. Und nun ist da die große Leere. Es ist nicht so, dass ich jetzt nichts mehr zu tun habe. Im Gegenteil. Ich habe genug Baustellen, die ich in den letzten Monaten vernachlässigen musste. Aber dieser existenzielle Druck ist weg. Bei so einem Projekt gehst Du als Verantwortlicher eben durch ein emotionales Wechselbad. Ich habe von völliger Verzweiflung bis zu euphorischen Ausbrüchen wirklich alles dabei gehabt. Du wachst jeden Tag mit wirklich schwierigen Problemen auf und gehst damit ins Bett. Jeden Tag. Für jede gelöste Baustelle tut sich eine neue auf und mindestens 10 Mal siehst Du Dich schon als Hartz IV Empfänger, der nie wieder einen Job bekommt. Selbst meinen so geliebten BVB-Fanclub www.borussen-sailors.de musste ich in der Zeit deutlich vernachlässigen bzw. die wichtigen Dinge tief in der Nacht machen. Ich werde mir ums Wochenende zwei Tage frei nehmen und mir die Birne durchpusten. Und dann neue Ziele ins Visier nehmen. Da ist schon so einiges am Horizont, was sich nähert.

Aber vorher müssen drei Punkte in Hoppenheim her. Wenn wir da verlieren schreie ich.

Dienstag, 24. November 2009

Jahreshauptversammlung, oder: Im Derby gibt´s kein Abseits

Sonntag war ich, wie bereits erwähnt, auf der Mitgliederversammlung des BVB e.V., die ungefähr so spannend war wie ein Mittagessen mit einer Gruppe Steuerberater. Wobei ich damit wahrscheinlich den Steuerberatern unrecht tue, weil die im Vergleich dazu Rock´n Roll sind. So eine Veranstaltung wie die sonntägliche ist aber auch wirklich nicht leicht zu ertragen. Nicht mal, wenn BVB drauf steht. Und es wird auch nicht leichter, wenn man einen Schädel wie ein Rathaus hat wie ich am Sonntag. Dass ich mir so einen unfassbaren Quatsch antue zeigt wirklich, dass ich behämmert bin. Also jetzt mal ehrlich. Sonntagmorgen. Man kann auspennen. Und hört sich stattdessen an wie Dr. Rauball die Namen von Mitgliedern vorliest die seit 25 Jahren im Verein sind. Das knistert an allen Ecken vor Spannung.

Versammlungen dieser Art ziehen zwei Leute Menschen an. Entweder Überzeugungstäter oder querulantische Selbstdarsteller. Was natürlich dann doch erklärt warum ich da bin. Leider haben die meisten Leute, die sich da zu Wort melden im Gegensatz zu mir keinen Unterhaltungswert. Was jetzt wieder unfassbar arrogant klingt, aber dadurch auch nicht weniger wahr wird. Wobei ich sagen muss, dass der eine Kollege, der Watzke zweimal frontal anging höchst unterhaltsam war, was meine Aussage auch wieder ad absurdum führt und nur noch von der Aussage getoppt wird, dass Watzke einem der Teilnehmer Populismus vorwarf, was dann ja schon groteske Züge hat, wenn man bedenkt, dass Aki vorher noch mal das Abseitstor der Hamburger zeigte und darauf hinwies, dass wir im Eurpoacup wäre, wenn das Tor gegeben worden wäre. Das Abseitstor von Alex Frei im Derby hat er nicht gezeigt.

Was aber auch wieder okay ist, weil es im Derby – zumindest für uns – kein Abseits gibt.

Montag, 23. November 2009

Ich bin der personifizierte Rock´n Roll - oder so ähnlich

Das ganze Wochenende stand unter einem Fußballstern. Als wollte es mit mir feiern, dass ich die beruflich anstrengendste Zeit des Jahres überstanden habe. Und es fühlte sich genau richtig an. So und nicht anders sollte ein Wochenende sein. Von Suff bis Arbeit war alles dabei. Außer Schlaf. Aber da komme ich später zu.

Der Freitag begann relativ unspektakulär. Ich bin bei meinen Eltern aufgeschlagen, habe mit meinem Vater ein Bier getrunken und Ende. Meine Eltern wohnen direkt auf der Wittener Stadtgrenze zu Dortmund. Ein Meter des Gartens liegt sogar in Dortmund. Was mir als gebürtigem Dortmunder das Gefühl gibt in Dortmund zu nächtigen. Auch wenn´n erschummelt ist, ist das ein gutes Gefühl.

Das Gefühl vor Ort war – wie erwartet - wirklich anders. Denn es gab diesmal eben kein Vorglühbier im Schwimmbad, sondern ich war ab 16:00 Uhr mit Marcel von der Treuen 13 , Schummi von den Kamener Jungs und Dennis von uns in einem Kabuff unter Block 11 und habe Tickets für die Fanparty verkauft. Zum Glück war der Ansturm beherrschbar und die 1000 Tickets verkauften sich relativ gleichmäßig bis kurz vor Spielbeginn. Danach hätten wir aber noch locker mehr verkaufen können. Ich habe jetzt die relativ exklusive Einsicht in die Besucherstruktur der Fanparty und muss sagen: Ich freu mich da sehr drauf. Da waren wirklich keine Leute dabei, die ich als unangenehm empfand. Der 19.12. wird ein bunter Abend werden. Da bin ich mir ziemlich sicher. Zumindest für Westfalenhalle 3. Bei Halle 1 würde ich da meine Hand nicht für ins Feuer legen. Wobei Udo Jürgens es schon richten wird. Naja, die Generation 80+ hat auch ein Recht auf Party.

Ebenfalls neu für mich war das Gefühl, die ersten 15 Minuten des Spiels zu verpassen. Denn während auf der Süd schon der Mob tobte habe ich Geld gezählt. Was tut man nicht alles für seinen Verein. Das gibt einem lustigerweise das Gefühl was Besonderes zu sein. „Schreit ihr nur, ich arbeite hier“ Aber allzu oft möchte ich dann bitte auch nicht besonders sein. Manchmal ist normal sein selbst für mich ein angenehmer Zustand.

Nach dem Spiel bin ich dann mit Lieblings-Ultra Woddy und ein paar seiner auf den Weihnachtsmarkt, bevor ich die Jungs da sitzen ließ und mich in die „Lenz Stube“ aufmachte. Wenn Sie der lange nicht mehr zitierte Marschmensch sind: Die „Stube“ ist eine von Dortmunds größter Ultra-Gruppierung „The Unity“ selbstbetriebene Kneipe in Dortmund. Ich war bisher noch nie da gewesen, weil ich ja meistens direkt nach Hamburg zurückfahre und hatte dementsprechend auch keine Erwartungen. Neben Schummi traf ich noch ein SG-Redaktionsmitglied, dass mir bisher auch nur virtuell vertraut war. Was soll ich sagen: Es wurde ein exzessiver Abend. Schummi ist nicht unbedingt jemand, bei dem das Bier Gefahr läuft zu verdunsten. Und der andere Kollege ist auch ein Großer an der Tasse. Wenn ich am Sonntag Abend immer noch verkatert bin – nur von Bier – dann lässt das tief blicken. Ich bin der personifizierte Rock´n Roll. Oder sowas in der Art.

Während des Feierns hatte ich nicht auf die Uhr geschaut. Ich wollte am Sonntag um 8 Uhr aufstehen, weil um 11 Uhr die Mitgliederversammlung des BVB e.V. war. Und ich glaube ich habe wirklich dumm aus der Wäsche geschaut, als ich vor einschlafen auf die Uhr gesehen habe und es 5 Uhr war. Und das lag nicht nur an meinem zerstörten Zustand. Wenn man noch einen Indikator braucht braucht WIE bescheuert ich bin, dann kann man das wohl an dem Umstand erkennen, dass ich mich unfassbar verkatert an einem Sonntag früh aus dem Bett bewege, um mir eine schnarchlangweilige Jahreshauptversammlung anzuschauen. Was ja nicht jeder schafft, der bis fünf Uhr saufen war.

Fragen Sie nach beim Lieblingsultra.

Samstag, 21. November 2009

Fußball kann auch Arbeit sein

Heute gibt es Fußball mal wieder anders. Denn nach langem hin und her steht endlich die Fanparty zum 100. Geburtstag unseres Ballspielvereins in der Westfalenhalle 3. Das heißt für die BVB Fans, dass es neben der offiziellen Gala auch noch eine bezahlbare Alternative gibt. Die wahrscheinlich sogar deutlich lustiger werden wird. Und das heißt für mich heute, dass die Stunden vor dem Spiel unentspannter werden, denn ich bin in den Verkauf der Tickets involviert. Dass bedeutet vermutlich jede Menge Hektik, Stress und den Umstand, dass ich erst im letzten Moment auf meinen Platz komme.

Das macht einem natürlich auf der einen Seite viel vom Freizeiterlebnis Fußball kaputt, denn der klassische Smalltalk im Schwimmbad und das langsame Reinkommen in den Spieltag fällt weg. Auf der anderen Seite ist es mir extrem wichtig, mich für den Verein bzw. für die Fanszene zu engagieren. Denn der BVB ist für mich eben mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Und ich finde es extrem wichtig, dass die Fanszene eine mündige ist. Dass sie vom Verein ernst genommen wird, dass sie sich einbringt und dass sie Rechte hat und mitdiskutieren kann. Das man aber nur, wenn mann sich auch aktiv engagiert und arbeitet. Wer Rechte will kann Pflichten nicht ablehnen. Und deswegen habe ich überhaupt kein Problem damit mal einen Spieltag mit mehr Hektik zu verbringen. Im Gegenteil. Allerdings bin ich wirklich froh, dass ich die Hardcore-Stress mit den Game Awards hinter mir habe. Denn so habe ich das erste Wochenende seit 3 Monaten ohne Kopfkino. Wobei man mich auch als Workoholic outen könnte uns sagen: Kaum ist der Jobstress durch, such mir Fußballstress.

Das heißt für mich natürlich auch, dass Alkohol für mich heute vor dem Spiel tabu ist, denn ich habe ja Verantwortung. Man kann ja nicht mit Geld hantieren und Bier trinken. Ich weiß, was Sie jetzt denken: „Na, ob der das ohne Bier schafft?“ Machen Sie sich keine Sorgen. Ich weiß, dass ich an meinem Klischee des Alkoholikers arbeite, aber ich komme wunderbar ohne Alkohol aus. Ich muss nicht zwanghaft trinken.

Aber ich tu es echt gerne.

Freitag, 20. November 2009

Die fertigste Maus von Mexiko

Ich bin die fertigstes Maus von ganz Mexiko. Der Haupt-Harcore-Stress für die MTV GAME AWARDS ist vorbei und mein Körper fällt in sich zusammen. Jetzt wird zwar noch mal bis zur Austrahlung gearbeitet werden, aber im Großen und Ganzen sind alle potenziellen Neckbreaker umschifft. Ich habe wirklich alle psychischen Ups and Down durch. Von völliger Verzweifelung bis extremen Freundgefühlen.

Egal. Ich habe die schwerste Phase dieses Jahres überstanden ohne auch nur einmal ein Spiel zu verpassen. Es werden noch Beschwernisse wie Krankheit oder sonstiges kommen, aber ich habe eine wirklich große Klippe umschifft. Heute fahre ich zu meinen Eltern und bleibe da bis Montagmorgen. Anders als sonst freu ich mich da sogar richtig drauf da zu sein und einfach mal nichts zu machen. Wobei „Nichts machen“ auch relativ ist. Ich komme spät an, werde ins Bett gehen und am Samstag dann ab 15:00 Uhr am Stadion sein.

Auf Alkohol wird dabei verzichtet, weil noch einiges Organisatorisches ansteht. Ich bitte das für Protokoll zu verzeichnen: MQ ist nüchtern beim Fußball. Am Sonntag steht dann die Mitgliederversammlung des BVB an. Also ist das Wochenende doch vollgepackt. Aber eben mit BVB. Was ja auch mal echt gut ist. Wegen mir könnten in der nächsten Woche drei Spiele sein.

Wobei ich merke, dass ich aus dem Rhythmus bin. Diese Scheiß-Länderspielpausen bringen einen immer völlig raus. Dieser typische Takt von Montags bis Sonntags stimmt einfach nicht mehr, weil es keine Trauer oder Freunde am Sonntag gab, keine Pressenachschau am Montag und so weiter uns so weiter.

Aber scheiß drauf. Ab morgen hat das Leben wieder einen Sinn.

Donnerstag, 19. November 2009

Das schlechtes Gewissen

Hier meldet sich das schlechte Gewissen. Denn ich werde heute wieder nichts schreiben können. Ich war gestern wieder bis 1 Uhr in der Firma und dann noch bis 3 Uhr zu Hause wach. Um 6 Uhr habe ich die tollste Frau der Welt wo gibt zu schwimmen gefahren. Und dann habe ich mich wieder hingelegt. Eigentlich hatte ich mir einen Wecker gestellt, aber ich habe bis eben geratzt und nun muss ich duschen und in die Firma. Natürlich würde ich Euch gerne einen nette Blog-Post schreiben, aber ich muss dringend ins Büro und Texte für die MTV GAME AWARDS schreiben. Keine Chance das zu verschieben. Mir fällt auch absolut nichts zum Thema Fußball ein. Aber zu Videospielen wüsste ich gerade eine Menge. Was aber auch nicht zu dem Blog passt. Ich hasse Tage an denen ich nichts im Blog schreibe. Deswegen habbe ich jetzt noch fix den Laptop aufgeklappt und schreibe Euch hier im Bett ein paar Zeilen. Aber es geht leider wirklich nicht mehr heute. Nehmt es mir nicht übel.

Morgen Kinder wird´s was geben.

Mittwoch, 18. November 2009

Es bloggt keiner - hier in Kenntucky

Hier wird heute nicht gebloggt. Ich bin gestern um 10 Uhr in den Schnitt und Nachts um ein Uhr raus. Dann bis 4 Uhr noch ein wenig im Netzt gesurft und gebloggt. Heute ab 10:30 bis 23:00 Uhr im Schnitt. Morgen ab 09:15 Uhr bis wahrscheinliuch tief in die Nacht. Fußball ist weit weg. Ganz weit. So weit wie Kenntucky. Da bloggt dann auch einfach mal keiner. Also in Kenntucky meine ich. Aber hier auch nicht. Es sein denn jemand aus Kenntucky würde hierher kommen um zu bloggen. Was aber doof wäre, weil ich ja gar nicht hier bin. Sondern weg. Aber nicht in Kenntucky. Was soll ich auch in Kenntucky? Der der da bloggt ist ja hier. Aber ich nicht. Denn ich bin ja weg. Aber nicht in Kenntucky. Sondern im Schnitt. Und schneide einen Film. Über Kenntucky? Fast. Eher über Games. Von denen keines in Kenntucky entstanden ist.

Hirn setzt aus! Übersprungsreaktion. So ein Unsinn! Mir egal!

Dienstag, 17. November 2009

Borussia Dortmund bis in den Tod - Fans, Fanatiker, Faschisten

Wenn man ehrlich ist, dann hat Fußball-Fantum durchaus ein faschistoides Element. Natürlich im großen und ganzen ohne das real diskriminierende Element diese widerlichen politischen Richtung zu haben. Denn schließlich werden keine Fußball-Fans anderer Vereine systematisch verfolgt und damit hat es natürlich nicht diese Menschen verachtende Element, aber gänzlich falsch ist der das eben meiner Meinung nach auch nicht.

Als Fußballfan geht man z.B. gerne in der Masse unter und ist Teil eines großen Ganzen. Man hat einen Hang zu Masseninszenierungen mit Fahnen und Choreos, so dass Leni Riefenstahl auch nicht mehr so weit weg ist. Der Gegner wird – je nachdem wie ernst man ihn nimmt – gerne mal zum Feind und der Fan der es ernst meint ist bereit dem Erfolg des Clubs jede Menge unter zuordnen und alles für die große Sache zu geben. Gerade einige Verhaltensweisen der Ultra-Szene passen da natürlich 1A ins Bild. Ich bitte das jetzt nicht als Kritik an den Ultras zu verstehen. Ich habe an der Szene zwar einiges auszusetzen – und damit meine ich keine Bauchtäschchen- aber nur weil man sich Codes bedient, die auch das braune Pack gerne benutzt, ist man noch lange kein Nazi. Und ich bin der Ultra-Szene an sich durchaus freundlich eingestellt. Ich finde aber man sollte sich gewissen Parallelen durchaus bewusst sein. Das hilft dabei ein Eindringen von politischen Wirrköpfen bewusster wahrzunehmen, bzw. sensibler für ein Abdriften von Freunden oder Bekannten in die rechte Ecke zu sein. Und abgesehen davon sollte man sein Handeln und Tun eh permanent reflektieren, wenn man Subjekt und nicht Objekt sein will. Trotzdem will ich auch mir dieses faschistoide Element nicht absprechen. Im Gegenteil. Ich bin mir dessen sehr bewusst.

Es ist von Außen betrachtet schon interessant wie viel Lieder davon handeln, dass man alles für den Verein tun wird. Und es ist vielleicht noch interessanter dass ein alter Sack wie ich mit dem Motto „Alles für den BVB“ durchaus mehr als sympathisiere. Denn natürlich kann man sich fragen, wo da der Zweck ist? Denn während der Nazismus noch ein Ziel verfolgt – wenn auch ein absolut verabscheuungswürdiges - ist der Kampf für den Verein reiner Selbstzweck. Nicht mal scheinbar wird die Welt besser, wenn der BVB Deutscher Meister wird. Außer für mich und für 3.4 Millionen andere BVB-Fans. So gesehen ist es doch ein lohnenswertes Ziel sich für den Verein einzusetzen. Und vielleicht als kleines Rädchen doch einen Teil dafür beizutragen, dass der Verein diesen Erfolg schafft.

Und natürlich ordne ich dem Ziel dem BVB dabei zu helfen Titel und Pokale zu gewinnen wenn auch nicht alles so doch sehr viel unter. Und das ist auch gut so. Denn letztlich ist der Ballspielverein Borussia 09 Dortmund doch größer als ich. Mein Großvater ist zum BVB gegangen, mein Vater hat die Europacup-Spiele in der „Roten Erde“ gesehen und ich bin geboren worden als der BVB in der Bundesliga war und von drei Jahren abgesehen war er es seitdem immer. Wenn ich sterben werde, wird dieser große Verein immer noch über Dortmund strahlen und sollte ich doch noch mal Kinder haben, so wünsche ich mir, dass der Verein auch deren Leben überdauert.

Ich könnte mir 24 Stunden am Tag das BVB Logo anschauen und Infos über den BVB lesen. Kurzum: Ich bin ein Fanatiker und damit sind wir wieder bei der Faschismus-Parallele. Dass ich mit meinen fast 40 Jahren – frei von pubertären Hormonschüben – diesen Verein immer noch über alles stelle, zeigt dass ich es scheinbar wirklich ernst meine. Obwohl erwachsen und mitten im Leben stehend, gebe ich viel für den Club. Ich tue das ohne Gefühl der Reue und ohne schlechtes Gewissen, doch wenn ich das reflektiert betrachte finde ich mich natürlich komisch deswegen. Aber man hat eben nicht immer eine Wahl. Wie heißt es so schön: „Schwarz und gelb selbst in der größten Not, Borussia Dortmund bis in den Tod“

Oder anders formuliert: Was mut dat mut.

Montag, 16. November 2009

35 Jahre Allesfahrer

Stuart Astill ist mir sehr sympathisch. Auch wenn ich ihn nicht persönlich kenne. Aber ich bin gestern mal wieder auf einen 11Freunde-Bericht , den ich zwar schon kannte, aber immer wieder gerne lese. Besagter Mr. Astill ist nämlich Fan von Nottingham Forest und hat seit 35 Jahren kein Spiel seiner Mannschaft verpasst. Ich bewundere den Typen, denn wenn man selber alles fährt weiß man wie schwierig es ist wirklich jedes Spiel zu fahren. Sei es beruflich oder krankheitsbedingt, es ist wirklich extrem schwer kein Spiel zu verpassen. Ich bin wirklich heilfroh, wenn ich das eine Saison lang schaffe. Aber 35 Jahre? Mit Europapokal? Ich ziehe wirklich den Hut vor dem Mann. Wobei Forest eh eine bekloppte Anhängerschaft zu haben scheint. Denn auch der Deutsche Eberhard Kleinrensing ist ein spezieller Fall. der jedes mal aus Duisburg zu Forest fliegt.

Dabei stellt sich mir die Frage, ob das wirklich erstrebenswert ist? Wenn Sie ein Mensch mit einigermaßen normalen Einstellungen sind, dann denken Sie wahrscheinlich, dass es das nicht ist. Aber normal stinkt ja auch wie wir wissen. Trotzdem – und da braucht man nicht drum rumreden – wird Stuart in seinem Leben auf extrem viel verzichtet haben. Z.B. ein geregeltes Wochenende, intensive Freundschaften außerhalb der Fußball-Szene und viele kostenintensive Dinge des Alltags. Denn glauben Sie mir, die Fahrerei geht ins Geld. Da kann ich Ihnen ein Lied bzw. eine ganze Arie von trällern.

Trotzdem würde ich gerne mit Stuart tauschen. Denn der Mann kann auf Höhen und Tiefen im Fußballgeschäft zurückblicken und hat jede Woche ein emotionales Drama allererster Güte. Ich finde es ein wenig schade, dass ich fast 40 werden musste, um die Umstände und das Umfeld vorzufinden wieder regelmäßig zum Fußball fahren zu können. Denn 35 Jahre werde ich wohl nicht mehr schaffen. Schon rein biologisch ist da eine Grenze eingezogen. Ich glaube nicht, dass ich bei meinem Lebenswandel 75 werde. Zumindest nicht gesund.

Aber 25 Jahre kann ich noch schaffen.

Sonntag, 15. November 2009

Robert Enke und die Pharisäer

Anlässlich der Beerdigung von Robert Enke überbieten sich gerade wieder alle im Thema „Menschlichkeit“. Es menschelt links, es menschelt recht und natürlich ist es ganz wichtig, darauf zu achten, dass es Fußballern gut geht. Mich nervt dieses Gequatsche. Fußball ist ein gnadenloser Ausleseprozess und der wird nicht menschlicher werden in nächste Zeit. Im Gegenteil. Wie alles in der Gesellschaft wird sich der Prozess wohl noch verstärken. Daran wird auch der tragischer Tod Robert Enkes nichts dran ändern. Ein paar ganz Verstrahlte fordern ja schon, dass man das Auspfeifen der gegnerischen Mannschaft unterlassen solle und zeigen dadurch nur, dass sich wahrscheinlich mal wieder nichts ändern wird.

Dieser Prozess nervt mich vor allem deswegen so, weil mal wieder scheinbare Betroffenheit vor wirklichen Lösungsansätzen geht. Es kann nicht das Ziel sein die Fußball-Bundesliga menschlicher zu gestalten. Es muss darum gehen Menschen, die mit der Kälte des Prozessen nicht klar kommen vor der Bundesliga zu schützen. Alles andere ist unrealistisch. In jedem Job hast du Menschen, die Deine Position wollen; das ist bei mir nicht anders als in der Bundesliga. Berufsituationen sind nicht gerade kuschelig. Natürlich sollte man ein Arbeitsumfeld schaffen in dem Du auch mal Fehler machen kannst ohne in der Luft zerrissen zu werden, aber wenn Du Deinen Job auf Dauer nicht gut machst, machst Du ihn nicht lange.

Ich kenne genug Leute, die aus dem Medienberuf irgendwann ausgestiegen sind, weil sie mit dem permanenten Druck, Stress und Arbeitspensum nicht mehr klar kamen. Und im Vergleich zu einem Bundesliga-Profi habe ich einen kuschelugen Job. Ich denke es muss das Ziel auch bei Fußballprofis sein Ausstiegsoptionen zu schaffen. Wer menschlich mit dem Druck nicht umgehen kann, dem müssen Hilfen geschaffen werden mit dem Stress klar zu kommen oder wenn das nicht klappt, dann dem muss aufgezeigt werden, dass es auch jenseits der Bundesliga ein Leben gibt.

Und jeder Mensch muss in seinem Umfeld schauen, dass er sich gegenüber Menschen die Probleme haben korrekt verhält und diesen ggf. Hilfen aufzeigen. Aber es ist ja einfacher zu fordern, dass die Welt aufhört sich zu drehen. Dann kann man sich nämlich beschweren, dass sie das einfach weiter tut, statt selbst aktiv zu werden.

Das ist nichts anderes als Pharisäertum.

Samstag, 14. November 2009

Der Fan, ein bescheuertes Wesen.

Ich war gestern zum Wrestling - zur „Rest in Peace“-Show der WWE eingeladen. Es ist ja einer der unschätzbaren Vorteile meines Jobs, dass ich ab und zu für umsonst bei irgendwelchem Quatsch vorbeischaue, den ich sonst nicht sehen würde. Ich weiß das wirklich zu schätzen , den das erlaubt mir immer wieder den Einblick in fremde Welten. Und so habe ich gestern mal einen Abend mit dem Undertaker verbracht und daraus zwei Erkenntnisse mitgenommen. Erstens: Im Vergleich zu Wrestlings-Fans bin ich normal und zweitens: Fans sind von Außen betrachtet immer bescheuert.

Ich habe ja eigentlich immer das Gefühl, dass ich zu alt bin, um mich Woche für Woche auf der Tribüne eines Fußballstadions zu schreien und zu singen. Und dafür auch noch durch die ganze Republik zu gurken. Aber als ich mich gestern so in der Halle umgeschaut habe, gab es deutlich mehr noch ältere Menschen, die einen 45jährigen anfeuern, der Sport simuliert und ein von vorne bis hinten abgesprochenes Match bejubeln. Das soll jetzt bitte nicht abwertend verstanden werden, ich habe für Fans jeglicher Art vollstes Verständnis. Ich habe mich danach nur einfach besser gefühlt, weil es eben auch andere Bekloppte gibt.

Und damit kommen wir zur zweiten Erkenntnis, dass Fans irgendwie von Au0en betrachtet immer total behämmert sind. Ich habe nach der Veranstaltung kurz mal laut gedacht und meinte, dass ich das total seltsam finde, dass Leute für so was 90€ und mehr bezahlen. Die tollste Frau von Welt wo gibt, wäre aber nicht die tollste Frau von Welt wo gibt, wenn sie mir da nicht fix den Spielel vorgehalten hätte. Sie meinte nur trocken: „Und die gibt mehrere Tausend Euro im Jahr für Fußball aus“. Erwischt.

Es stimmt einfach. Wir Fans sind bescheuert. Wir geben viel zu viel Geld aus, um wirklich dummes Zeug zu machen, sei es Fußball, Wrestling, Tokyo Hotel oder irgendwas anderes, was die meisten Menschen total bescheuert finden, für uns aber ein wichtiger Teil des Lebens ist. Wir opfern neben dem Geld noch jede Menge Zeit und lassen uns dafür dumm anschauen. Wenn Leute sagen würden, dass wir dumm und unvernünftig sind, kann man dem nichts entgegensetzen.

Außer dass wir diese Dummheit niemals gegen die Leidenschaftslosigkeit der Nicht-Fans eintauschen würden.

Freitag, 13. November 2009

Fußballfrei und Spaß dabei

Fußballfreies Wochenende. Dadurch, dass bei mir das aktuell größte Projekt in die Schlussphase geht, wird es bei leider nichts mit entspannen werden. Ich muss zwar so wie es aussieht nicht in die Firma, aber doch von zu Hause einiges im Hintergrund betreuen. Wenn alles gut läuft habe ich am Wochenende drauf die Birne wieder deutlich freier. Aber so gut läuft es ja erfahrungsgemäß nie. Mit einer neuen Sendung hast Du eigentlich immer bis zur Ausstrahlung zu tun. Und wenn alles richtig Scheiße läuft wird es eng mit dem Mainz Spiel. Wobei ich jetzt mal von positiven Fall ausgehe. Wo ist das verdammte Holz?

Aber machen Sie meine Sorgen nicht zu Ihren, denn das Wochenende bietet Ihnen eine einmalige Chance. Zwei Tage frei am Stück ohne hinter einem Ball herschauen zu müssen. Nutzen Sie die Zeit die Sie haben doch einfach mal wieder um schöne Dinge mit Menschen zu machen die Ihnen etwas wert sind. Schaffen Sie sich eine Insel mit ihrem Partner oder der Familie und machen etwas zusammen. Und damit meine ich nicht gemeinsam Fernsehen. Nehmen Sie sich einfach mal eines dieser „Müssten wir mal machen“-Themen und setzten es um. Einfach so. Tut gar nicht weh. Wir leben alle viel zu sehr nebeneinander her im Alltag. Finden Sie das Besondere wieder. Ihr Leben dreht sich eh viel zu sehr um Fußball und das ihrer Partner – freiwillig oder gezwungenermaßen – auch

Lasst uns mal so tun als wären wir ganz normale Menschen. Fußballfrei und Spaß dabei

Donnerstag, 12. November 2009

Robert Enke: Die unendlich laute stille Trauer und ich

Okay, ich mach mich jetzt mal unbeliebt. Aber ich bin scheinbar der einzige Fußballinteressiert, der bei Robert Enke nicht am Rad dreht. Die Fußball-Fans benehmen sich so, dass einem Michael Jackson Anhänger rational vorkommen. Die Welt ergießt sich in Mitleid und überbietet sich in immer lauteren Forderungen nach „stiller Trauer“. Wo sind wir hir eigentlich gelandet und was soll der Scheiß? Dieses öffentlich scheinbar anstandvolle, aber in Wirklichkeit widerlich voyeuristische Trauergeplärre ist in meinem Augen absolut unwürdig. Es hat sich inzwischen durchgesetzt Trauern als Event zu gestalten. Los ging das meiner Meinung nach in der jetzigen Form bei Papst Johannes Paul II, dessen Tod – auch von ihm selbst – zelebriert wurde. Die Trauer hat dadurch in meinen Augen ihre Würde verloren.

Um mal wieder irgendwelche Missverständnisse auszuräumen: Der Fall Enke ist ein dramatischer. Vor allem aber für ihn und seine Familie. Jeder Mensch der einigermaßen bei Verstand ist wird da natürlich Mitgefühl empfinden. Und auch, dass die Fans von Hannover 96 geschockt sind kann ich verstehen. Die hatten natürlich einen direkten Bezug zu Enke. Zum Torwart, nicht zum Menschen dahinter. Und jeder, der in stiller Einkehr mal über Leute in seinem Umfeld nachdenkt oder an Robert Enke als einen mahnendem Beispiel gedenkt hat mein Verständnis. Warum aber muss stille Trauer so verdammt laut sein? Ellenlange Foreneinträge die zeigen, dass man noch betroffene ist als der andere. Geht es einem da nicht mehr um einen selbst als um Enke? Kann man beim trauern nicht einfach mal die Fresse halten, wenn es einem so ernst ist, ohne am „Ich bin am tiefsten getroffen“-Contest teilzunehmen. Komischerweise scheine ich der einzige Mensch zu sein, der nicht der beste Freund von Enke war und noch nicht gramgebeugt durch die Welt schleicht. Wie gesagt, natürlich empfinde ich Mitgefühl; aber nicht mehr oder weniger als mit allen anderen Menschen, die auf tragische Weise ihr Leben verlieren.

Es spricht nichts gegen eine Debatte über den Umgang mit depressiven Menschen. Diese ist sogar extrem notwendig. Psychische Krankheiten werden immer noch gerne als persönliche Schwäche abgetan und eben nicht als Erkrankung. Wenn der Fall Enke also zu mehr Akzeptanz in Bezug auf diese Art der Erkrankungen führen würde, dann wäre das super. Ich glaube es nur nicht. Es wird jetzt um die Wette getrauert und in 10 Tagen gelten Leute, die in der Firma nicht funktionieren wieder als Problem. Oder Sebastian Desler als Abzocker.

Mir geht dieses alles in die Öffentlichkeit tragen auf die Nerven. Ein Prozess an dem ich leider aktiv mitwirke.

Mittwoch, 11. November 2009

Dienstag, 10. November 2009

Ein Phänomen namens Plette

Einer der wirklich unschätzbaren Vorteile eines Blogs ist, dass man immer wieder neue Leute kennen lernt. Z.B. Plette. Plette ist so was wie mein virtuelles Korrektiv. „Kennen gelernt“ habe ich Plette in der Sommerpause. Genauer gesagt vor dem A-Jugend-Finale in Mainz . Und wie!

Die Sommerpause war für meine Psychostruktur eher kontraproduktiv. Kein Fußball und auf dem Job zwar viel zu tun, aber nichts was mich über meine Grenzen fordert. Und wenn mich der Job nicht existenziell belastet bin ich unausgeglichen. So eine Situation kann man bei mir immer gut daran erkennen, dass ich eine Menge wirklich sinnlose Forenpostings bei Schwatzgelb loslasse. Das ist Art Übersprungshandlung; mein Hirn sucht sich scheinbar irgendwelche Möglichkeiten sich zu entfalten. Und so kam am Abend kurz vor der Abreise nach Mainz ein wirklich überflüssiger Post zustande, dass Plette in mein Leben holte. Und wie. In dem Posting tat ich ich meine Vorfreude auf die Reise kund. Völlig sinnfei. Und dann meldete sich eben Plette. Er schrieb irgendwas von „ob ich mich für den neuen Szenepapst halten würde oder wie oder was“. Ich habe den genau Wortlaut nicht mehr, aber meine Reaktion ging schwer in Richtung „Ui Ui Ui, der ist aber sauer“. Irgendwie war auch klar, dass keiner dieser typischen Internetnutzer ist, die mich nicht mögen Wir haben uns dann per PM noch für Mainz auf ein Bier verabredet, was aber nicht geklappt hat.

Trotzdem ist er seitdem so was wie mein persönlicher Szene- und Wahnsinns-Seismograph. Wenn Plette sich – wie gestern – meldet, dann weiß ich, dass ich mal wieder aufpassen muss, dass ich nicht zu sehr am Rad drehe. Denn ich springe bei Themen die mir wichtig sind immer wild rum und kennen nur selten Grenzen. Deswegen schaffe ich zwar eine Menge, mache mich aber auch nicht zwingend beliebt, weil ich einfach oft nicht weiß, wann es gut ist. Daher sind Menschen die mich ab und zu auf den Boden holen extrem wichtig. Bei den Sailors ist das Uwe und im Blog ist Plette ein wichtiger Indikator. Letzterer nimmt nämlich nicht zwingend ein Blatt vor den Mund und schafft es immer wieder, dass ich mich frage „Was habe ich denn jetzt schon wieder verbrochen?“

Ich habe Plette beim Auswärtsspiel in Frankfurt dann endlich mal kennen gelernt. Er ist das, was man wohl ein „beeindruckendes Phänomen“ nennen würde und ein Szene-Urgestein. Wenn Sie jemals denken, dass ich bescheuert bin mit meiner Fußball-Fahrerei, dann stelle ich Ihnen Plette vor. Danach wirke ich auf sie so normal wie Ihre Mutter. Der fährt mehr als ich und das schon deutlich länger. Gepaart ist das Ganze dann mit einem beeindruckenden Auftreten. Stellen Sie sich jemanden, der mindestens ein Ego meiner Größe hat in einem wirklich massigen Körper vor. Und ich glaube für den Fall, dass Sie von ihm die Aussage hören: „Verpiss Dich oder ich hau Dir was auf´s Maul“ sollten Sie relativ schnell den langen Schuh machen. Ich weiß das natürlich nicht, ob das so ist, aber ich weiß, dass ich es nicht ausprobieren werde.

Die Wahrscheinlichkeit das Plette und ich nächtelang bei Tee über Religionswissenschaften diskutieren, ist relativ gering. Und dass nicht nur, weil uns das Thema wohl beide langweilen würde. Plette ist eine coole Sau, aber wir wohnen doch auf zwei unterschiedlichen Planeten. Seiner ist schön, meiner auch und wir beobachten den jeweils anderen interessiert. Und ohne Plette würde mir eben auch was fehlen.

Zum Beispiel das schlechte Gewissen, wenn ich mal wieder Unsinn geschrieben habe.

Montag, 9. November 2009

Der Rex Gildo des BVB




Dass ich ein extrovertierter Mensch mit Hang zur Selbstdarstellung bin, dürfte nun wirklich niemanden überraschen, der mich entweder persönlich kennt oder diesen Blog liest. Ich hab ein großes Ego und einen unfassbaren Hang im Mittelpunkt zu stehen. Das einzige was mich davor bewahrt, dass ich ein komplett peinlicher Mensch bin, ist mein Talent und mein Willen mich in Sachen komplett reinzuhängen. Und natürlich steckt hinter dem ganzen aufgeblasenen Verhalten noch ein kompletter Mensch. Einer, der nachdenklich sein kann, selbst reflektiert ist, Zweifel hat, weich ist, aber eben auch sehr merkwürdig und irre. Allerdings lässt sich die weiche und selbst reflektierte Seite so schlecht bloggen, weswegen die gerne unter den Tisch fällt. Die Kombination aus Selbstdarstellung und freiwillige Reduzierung auf einen Teil meiner Persönlichkeit führt in der Praxis inzwischen allerdings zu merkwürdigen Auswirkungen, die anfangen mir auf den Sack zu gehen.

Ich muss voraus schicken, dass ich generell ein extrem schlechtes Gedächtnis für Gesichter habe. Es sei denn ich habe das Gesicht auf einem Bildschirm gesehen. Berufskrankheit. Da ich aber mit jeder Menge Menschen oberflächlichen Kontakt habe führt das dazu, dass ich bei einigen Menschen echt nicht den Hauch einer Ahnung habe, wer das sein könnte. Da man ja aber nicht unhöflich sein will, wenn die einen ansprechen, habe ich die Kunst Smalltalk mit Leuten zu machen, die mir nicht bekannt zu sein scheinen, zur Perfektion gebracht. Und in letzter Zeit passiert mir das öfter auch im Stadion. Als Anrede hat sich „Hallo Herr Quambusch“ durchgesetzt, so dass der klassische Verlauf so einer Konversation so ist, dass mich wer mit „Hallo Herr Quambusch“ anredet, ich mit dem smalltalke und mir krampfhaft überlege, wer das sein könnte, um nach Ende des Gespräche zu schauen, ob irgendwer in der Nähe ist, den ich frage könnte, wer das denn nun wieder war. Glauben Sie mir, dass ich nicht schön, weil man sich nämlich echt dumm vorkommt. Sollte Ihnen das mit mir im Stadion mal passieren, nehmen sie es mir nicht übel, das ist keine Arroganz, sondern ein Hirnfehler. Das passiert mir beruflich noch viel öfter.

Ein weiteres Phänomen ist der Umstand, dass es viele Menschen gibt, die glauben mich zu kennen, weil sie diesen Blog lesen. Mit teilweise lustigen Folgen. Ich hatte von wem gehört, dass es jemand gibt, der mich mal kennen lernen wollte, weil er mich auf Grund des Blogs merkwürdig findet, aber gehört hat, dass ich ganz nett sein sollte. Soweit verstanden? Ich habe den dann mal angemailt und wir haben ein Treffen vor dem Spiel gegen Mainz ins Auge gefasst. Durch Zufall sagte mir gestern jemand, dass dieser jemand in Bremen an der Straßenbahn 10 Meter weiter stand. Ich dachte ich könnte die Gelegenheit nutzen mich mal kurz vorzustellen. Ich ging hin und sagte „Ich bin Marc“, um nach einer kurzen Pause „MauriciusQ“ zu ergänzen. Was er mit einem „weiß ich“ und einem angewiderten Blick quittierte. Dann ergänzte er irgendwas in Richtung, dass man das bei jemandem mit meiner Extrovertiertheit ja wisse, weil man die Fotos kenne. Und mich ab dann ignorierte. Der fand mich offensichtlich abgrundtief scheiße und gab sich keine Mühe das zu verbergen. Was mich gestern tatsächlich kurzfristig getroffen hat, heute aber köstlich amüsiert.

Mir ist natürlich klar, dass das Ganze nun mal der Preis, wenn man seinen Kopf so gerne und so weit aus dem Fenster lehnt wie ich. Es gibt eine Menge Leute, die mich toll finden und einen Menge Leute, die mich wirklich nicht mögen. Und beide Seiten glauben mich zu kennen. Was mir langsam anfängt auf den Sack zu gehen. Denn irgendwie gehen alle Menschen davon aus, dass ich ihnen im Fußballstadion sturzbesoffen entgegen trete. Ist mir gestern wieder passiert. Ich traf im Block jemanden (und wusste sogar wer das ist), der mich als ersten fragte, wie viel Bier ich schon getrunken habe. Langsam muss ich aufpassen, dass ich nicht der Rex Gildo der BVB-Szene werde. Da habe ich nämlich ehrlich gesagt keine Lust drauf. Jau, ich saufe gerne und viel, aber das ist nur ein kleiner Teil meines Lebens. Und wenn das in der Außendarstellung zu groß wird, dann nervt das.

Ein ebenfalls latent nerviges Phänomen ist der Umstand, dass immer wenn in meiner Nähe was passiert jeder meint mir sagen zu müssen, dass ich das bloggen müsse. Ich bin mehr als mein Blog.

Ich bin Rex Gildo.

Sonntag, 8. November 2009

Sex zu dritt bei den Sailors

Die These, dass spontane Partys die besten sind hat gestern mal wieder eine Bestätigung gefunden. Wahrscheinlich ist das der Tatsache geschuldet, dass bei spontanen Partys einfach Leute zusammenkommen, die gerade Lust auf feiern haben, während bei geplanten Feten Leute völlig unabhängig von ihre Feierlaune zusammen kommen.

Eigentlich war ich ja nur mit der tollesten Frau von Welt wo gibt und Lieblingskollege Flo zum Restesaufen von der Sailors-Party verabredet. Allerdings gesellten sich im Laufe des Abends dann noch Lieblings-Ultra Woddy, Lieblingslesbe Sabrina und ihre Frau sowie Sebseb zu uns. Letzterer ist lustigerweise ein Ex-Nachbarn von Budi aus Kindertagen, der inzwischen Mitglied bei den Sailors ist. Die Welt ist echt klein. Und Bad Oynhausen noch kleiner.

Ich würde den Verlauf des Abends gerne beschreiben, aber das auch nur ansatzweise darzustellen übersteigt meine schreiberischen Fähigkeiten deutlich. Es war einer der Abende, die ihre ganz eigene Dynamik entwickeln und für Außenstehende schwer nachvollziehbar sind. Richtig los ging es als ein weiteres junges Mitglied von uns sein Kommen ankündigte. Obwohl er sich „gleich auf den Weg machen“ wollte dauerte es aber fast zwei Stunden bis er endlich auftauchte. Als der dann endlich da war, sah man auch warum: Der Kollege war voll wie die Sau und konnte kaum noch sinnvoll reden. Er gab dann an vor einem Dreier mit einem Kumpel und dessen neuer, gut aussehender Freundin geflohen zu sein. Warum auch immer. Der Rest des Abends drehte sich eigentlich dann nur um den nicht wahrgenommenen Dreier und es zeigte sich, dass eine gute Party ein Opfer braucht. Die komplette Besatzung hat den jungen Kollegen den ganzen Abend drauf geschoben. Es war herrlich, aber lässt sich leider nicht mehr darstellen. Was wirklich schade ist.

Wie dem auch sei, gleich muss ich das geliebte Sonntagsritual Doppelpass abbrechen und zum Bahnhof fahren, was heute auch echt schade ist, wenn der ist endlich mal ohne den unerträglichen Jörg Wontorra. Es wird zwar wie jedes Wochenende fast nur über die Bayern geredet. Allerdings mit dem Unterschied, dass das wegen der Vorgänge um Lahm zur Abwechslung auch mal gerechtfertigt ist. Fast schade die Runde zu verlassen. Ich bin eigentlich eh zu verkatert für Fußball, werde krank und das Wetter törnt mich auch ab.

Aber was soll´s: Nicht rumheulen, weitersaufen!

Samstag, 7. November 2009

Mein Arsch gehört mir

Ich kenne Sie. Jawohl. Sie genau Sie! Denn ich habe mich gestern Nacht mal wieder so ein gutes Stündchen mit dem Statistik-Tool meines Blogs befasst. Und das sagt mir so ziemlich alles über Sie. Wo Sie wohnen, wie oft Sie schon meine Seite besucht haben und teilweise, dass Sie Sex wollen. Und bereit sind dafür zu zahlen! Das Internet ist doch erschreckend wenig anonym. Auch wenn ich natürlich nur einige meiner Leser persönlich kenne. Ich weiß, dass einige von denen bei mir in der Firma arbeiten oder in meinem Fanclub sind. Was dazu führt, dass beide Seiten viel zu gut über die jeweils andere informiert sind. Aber ich treffe immer wieder Leute die ich so gar nicht kenne, aber viel über mich wissen. Oder Leute, die bei Schwatzgelb auf Posts von mir mit Details antworten, die so offensichtlich als Leser identifizieren. Das freut mich natürlich. Denn auch wenn ich immer behaupte, dass ich nur für mich bloggen würde, ich will natürlich schon, dass das gelesen wird. Aber sagen Sie es nicht weiter. Man könnte mich für eitel halten.

Aber mit ein paar von Ihnen muss ich mal wirklich ein ernstes Wort reden. Z.B. mit Ihnen aus Brunswick. 255 returning visits. Hallo geht es noch? Das sind mehr Besuche als ich Posts habe. Sie sind doch offensichtlich „Hamburg schwarz-gelb“ süchtig. Und hängen viel zu viel im Netz. Okay, das verbindet uns. Sie sind mir sympathisch. Zwei Menschen mit zu wenig Realität treffen aufeinander. Vielleicht lernen wir uns ja mal kennen. marc@borussen-sailors.de

Und Sie da aus Borken mit Ihren 192 Visits bekommen den Hals wohl auch nicht voll was? Immer mal wieder schauen, ob der MauriciusQ sich nicht mal wieder voll besoffen zum Horst macht, was? Ich fühle mich von Ihnen verfolgt. Jawohl. Genau von Ihnen.

Aber wenn Sie einer derjenigen Menschen sind, die durch die Googlesuche nach „hure für zu hause“ oder “Prostituierte gesucht“ zu mir kommen, so lassen Sie mich versichern:

Hier finden Sie nichts zum ficken! Mein Arsch gehört mir!

Freitag, 6. November 2009

Ich bin zwei Öltanks

Wer die Strecke Hamburg-Berlin mal mit dem Auto gefahren ist, der wird sich vielleicht daran erinnern, dass irgendwo – ich glaube auf Höhe Ludwigslust – ein Öltank mit der Aufschrift „Ich bin zwei Öltanks“ steht. Ich habe nie verstanden was das heißen soll. Und verstehe es immer noch nicht, aber ich fühle mich heute so. Alternativ könnte man es auch so beschreiben, dass ich mich fühle als wäre ein ICE über mich gerollt. Und zwar der Sprinter. Mit Tempo 300. Zur Erklärung: Ich war gestern auf den European Music Awards und habe so einen verschissenen Hangover. Der geht glaube ich nicht mehr weg. Nie wieder.

Ich bin ja alkoholtechnisch einiges gewöhnt, wie sie als regelmäßiger Blogleser wissen. Allerdings saufe ich normalerweise nur Bier. Und selbst wenn das ein paar mehr werden, schüttel ich mir das Morgens gut aus den Klamotten. Dummerweise waren die Biere die auf den EMAs gereicht wurden zu klein.0.33 Becher. Kinderportionen! Und weil es an den Ständen immer so voll ist, will man ja auch nicht so oft da hin gehen. Also bin ich auf Wodka-Mischgetränke jeglicher Art umgestiegen. Schwerer Fehler. Denn der Kram kostet ja für sogenanntes VIPs nichts. „Ich würde in keinem Club Mitglied werden wollen, der mich aufnimmt“ hat einer der Marx Brothers mal gesagt. Das denke ich mir auch immer wieder. Hingehen tu ich dann trotzdem.

Das Problem an solchen Veranstaltungen ist, dass die sich immer besser lesen als sie sind. Wenn ich z.B. schreibe, dass links von mir Handball-Legende Stefan Kretschmar stand und rechts von mir Markus Kavka, während vor mit irgendein No-Angel flanierte, dann gibt es bestimmt Leute die das cool finden. In Wirklichkeit ist man da halt auch einer von denen, die an dem Abend so tun, als wären sie wichtig und eigentlich ist das alles normaler als man denkt. Außerdem sollte man nie vergessen, dass „wichtig“ von „Wicht“ kommt. Wobei es objektiv auch deutlich schlechtere Abendgestaltungen gibt, als sich die angesagtes Acts Europas anzuschauen und sich dabei vollaufen zu lassen. Und wahrscheinlich ist es auch undankbar so zu tun als wäre mir das alles wurscht. Ich hatte nämlich schon echt Spaß gestern und natürlich geh ich da gerne hin. Die MTV Jungs und Mädels können schon feiern. Partytechnisch macht denen keiner aus der Branche was vor. Es ist halt nur nicht so cool wie man es in der Zeitung liest.

Der größte Vorteil von solchen Veranstaltungen ist allerdings eindeutig, dass man nichts für die Drinks zahlt. Und hier liegt die Gefahr, wenn man anfängt Mischgetränke zu trinken. In einer Bar zahlst Du 8 oder 10€ für irgendwas mit Wodka drin. Was dazu führt, dass du das Zeug langsam trinkst, wenn Du nicht gerade der Rockefeller oder Abramovic mit Nachnamen heißt. Wenn Dich der Kram aber nichts kostet säufst Du das Zeug in atemberaubendem Tempo. Ich zumindest. Und die ganzen Leute um mich rum auch. Und bist am Ende voll wie ein Eimer. Oder auch zwei. Was auch kein echter Nachteil an dem Abend ist. Allerdings am Tag danach. Der größte Nachteil gestern war allerdings, dass ich mir U2 anhören musste. Denn ich hasse Bono. Bono ist die größte Plage der Menschheit. Der macht wie Dieter Bohlen seit Jahren dieselbe Musik, hat aber leider nicht Bohlens Fähigkeit zur Selbstironie.Okay, der Bohlenvergleich stinkt, aber der Typ glaubt wirklich er sei dazu auserkoren die Menschheit zu retten. Ohne mal die Frage zu stellen, wer ihn dazu legitimiert hat mit den Mächtigen der Welt über die Ohnmächtigen zu reden? Irgendein afrikanischer Aktivist hat mal gesagt, dass er sich wünschen würde, dass die Schlagersänger – er hat wirklich Schlagersänger gesagt – das machen was sie können: Schlager singen. Ich würde ihm da inhaltlich zustimmen, so lange Bono seine Schlager nicht in meiner Nähe singt.

Wie dem auch sei: Ich bin völlig zerschossen und muss noch tierisch viel tun. Das schlimme ist, dass das Wochenende so weitergeht. Samstag mach ich mit einem Kumpel Restetrinken von der Sailors-Party und am Sonntag geht es nach Bremen, um letztmalig den Metronom besoffen zu erkunden.

Hoffentlich ist bald Montag. Ich bin zu alt für diese Exzesse. Prost!

Donnerstag, 5. November 2009

Ein Ode an die Nachbarn

Ich bin echt alt. Ich werde in zwei Monaten und zwei Tagen 40. 40 ist zwar das neue 30, weil die Gesellschaft generell „jünger“ geworden ist. Aber das ändert auch nichts an der Tatsache, dass ich wohl mehr als die Hälfte meines Lebens hinter mir habe. Es sein denn ich werde über 80. Rechnen wir mal aus wie wahrscheinlich das ist bei einem der permanent unter Strom steht, sich nicht bewegt und schwer säuft. Oder lassen wir das mit dem rechnen lieber, weil ich Angst habe, dass ich meine Lebensuhr schon schwer überzogen habe. Gestern habe ich wieder von einem aus der Medienbranche gehört den sie mit 40 mausetot im Bett gefunden habe. Ich kenne einige Leute in der altersklasse, die der Sendemann geholt hat. Aber ich ignoriere das Thema mal. Sonst kriege ich Angst.

Jetzt wo die 40 so langsam konkret wird sollte ich das aber vielleicht zum Anlass nehmen mein Leben zu überdenken und zu ändern. Endlich erwachsen werden. Das wäre doch mal ein Ziel. Keine Fahrten in Zügen voller besoffener BVB-Fans, keine 30 Stunden Touren in Asibussen zu Pokalspielen. Kein Stehen im Gästeblock eines Fußballstadions zusammen mit Leuten, die locker meine Kinder sein könnten. Kein Ausrichten der Woche und des Wochenendes nach dem Spielplan. Kein Alkohol in rauhen Mengen. Keine Gespräche über Ultras, Kutten und Fanrechte. Und keine Stadionbesuche. Man kann ja auch Sky schauen. Oder wenn Stadion, dann nur Hauptribüne. Da sieht man eh besser.

Das alles oben Beschriebene ist logisch, nachvollziehbar und sinnvoll. Das einzige Problem daran: Es ist nicht mein Leben. Es ist mir egal wie alt die Leute sind, die neben mir im Block stehen, es ist mir egal, ob ich zuviel trinke auf Fußballfahrten und es ist mir auch wurscht, ob man auf der Haupttribüne besser sieht. Ich will da nicht hin zu den ganzen Hirntoten, die alle einen fetten Audi, BMW oder Mercedes fahren dafür aber immer so ganz angestrengd schauen und höflichen Applaus für Ekstase halten. Ich will die Bierdusche im Block, das Ausrasten beim Tor, die Verzweiflung bei der Niederlage und den ganzen Stress bei der Anreise. Ich will leben!

Und mir ist es wurscht, ob irgendwer meinte, ich wäre dafür zu alt. Ich bin mit dem Spruch „Was sollen denn die Nachbarn denken?“ aufgewachsen. Für meine Mutter war es das Schlimmste, dass die Nachbarschaft denken könnte ihr Sprössling wäre missraten. Was er auch ist.

Aber damals wie heute gilt: „Die Nachbarn können mich am Arsch lecken“.

Mittwoch, 4. November 2009

Das letzte Bier im Metronom

Am Samstag geht es zum Fußball nach Bremen. Von Hamburg aus sind das 1.5 Stunden mit dem Metronom. Ein fast schon rekordverdächtig kurze Anreisezeit. Für meinen Geschmack fast schon ZU Kurz. Auf jeden Fall bietet sich die Strecke natürlich an, um mal fröhlich ein bis 20 Bier zu bechern und zu feiern, denn der Nahverkehr ist ja mit Fußball-Fans überfüllt. Das sollte man auch noch mal tun, denn es ist die letzte Fahrt bevor das Alkoholverbot im Metronom greift. Das letzte Bier im Nahverkehr quasi.

Was diese Maßnahme angeht bin ich zwiegespalten. Eigentlich betrifft mich das Thema nicht so richtig, weil ich nur nach Hannover und Bremen mit dem Nahverkehr fahre. Sonst bin ich ja eher ICE – Fahrer. Aber natürlich finde ich es schade, weil so Reisen nach Hannover oder Bremen deutlich lustiger sind, wenn man Bier dabei hat. Trotzdem habe ich durchaus Verständnis für die Maßnahme der Bahnbetreiber, denn teilweise benehmen sich die mitreisenden Fußball-Fans wirklich daneben. Ich habe schon alles mitbekommen, von Verschmutzung über Vandalismus und – natürlich – lautem Gegröhle. Das mit dem Gegröhle ist zwar an sich wirklich nicht dramatisch und wird sich wohl auch durch Alkoholverbot nicht ändern, aber wenn man mal ehrlich ist: Will man als Normalreisender in einem Zug reisen in dem Fußball-Fans unterwegs sind, wenn man nicht dazu gehört? Also ich persönlich könnte drauf verzichten. Und die Bahnbetreiber wohl auch. Wenn Fußball-Fans im Zug sind werden sie immer die Vorherrschaft im Waggon haben. Und als Teil Teil des Mobs ist das auch verdammt lustig und kann auch für die Mitreisenden sehr lustig sein, wenn man ein wenig Humor hat, sich drauf einlässt und das ganze in einem menschlichen Rahmen abläuft. Vielleicht nicht als Musik. und Religionslehrerin, aber wenn man einen leichten Hang zum prolligen hat sollte man das positiv besetzen können. Und wenn die Fußball-Fans ein bisschen Verantwortungsgefühl haben.

Und genau da hapert es leider bei einigen Mitmenschen. Von bewusstem Vandalismus will ich gar nicht reden - ich hoffe da sind wir uns einig, dass das daneben ist - aber es gibt auch genug Pappnasen, die im Suff aus Versehen Sitze mit Alkoholmischen überschütten oder ähnliche Dinge. Das kann zwar mal passieren, passiert aber komischerweise gewissen Menschen häufiger als anderen. Alkohol macht einen halt selten besonders geschickt. Und es ist wie immer im Leben: Wenn man sich nicht selbst diszipliniert wird man eben gelenkt. So gesehen habe ich vollstes Verständnis für das Alkoholverbot, auch wenn ich es natürlich persönlich bedauere und es schade finde, dass es soweit gekommen ist. Und ich weiß, dass das eine gewissen Sorte von Fans wieder nutzen wird um sich selber in die Opferrolle zu begeben.

Wenn Sie sich nach dem heutigen und gestrigem Blogpost fragen, ob gerade Spießerwochen bei McMauricius sind: Nein, mir ist das Thema „Verantwortung“ nur extrem wichtig. So gesehen sind es vielleicht eher die Peter-Schüngel-Wochen. Ich will als Fußball-Fan nicht als rechtfreies Objekt oder kriminelles Subjekt wahrgenommen werden und meine Rechte als Fußball-Fan gewahrt wissen. Z.B. im Falle von ungerechtfertigeten Stadionverboten bzw. Stadionverbote auf Verdacht. Rechte hast du aber nur, wenn Du auch Pflichten hast. Und dazu gehört meiner Meinung nach auch sich verantwortungsvoll zu benehmen. Wenn sich mich nicht persönlich kennen noch mal zur Klarstellung: Ich bin kein Kind von Traurigkeit. Alles andere als das. Aber Fehlverhalten sollte die Ausnahme bleiben. Und vor allem als solches erkannt werden und nicht durch dumme Rechtfertigungen verbrämt.

Und das sagt einer, der am Sonntag sternhagelvoll nach Hause kommen wird.

Dienstag, 3. November 2009

Pyro, Böller, Arschgesichter

Ich habe gestern ganz entspannt Rostock gegen St. Pauli geschaut. St. Pauli ist der einzige Club neben dem BVB für den ich gewissen Sympathien habe und so habe ich mich gefreut, als Lehmann in der 76. Minute das 0:1 erzielte. Nur um mich kurz danach schrecklich aufzuregen, weil irgendwelche Vollnasen meinten im St. Pauli Blog einen Pyro zünden zu müssen. Und wohl anschließend noch Böller flogen. In welche Richtung weiß ich nicht, aber das ist mir auch egal. Denn wenn die jemanden treffen, dann mit ziemlicher Sicherheit einen der nichts damit zu tun hat. Egal was für einen Schal der trägt.

Mir gehen diese Idioten auf den Sack, die meinen ein Fußballstadion mit einer Kampfzone verwechseln zu müssen. Am besten skandieren die im Anschluss noch „Fußballfans sind keine Verbrecher“ und „Gegen Stadionverbot“ und fühlen sich ganz groß. Um mal wieder Missverständnissen vorzubeugen: Ich habe kein Problem mit Leuten, die sich nach oder vor dem Fußball gegenseitig die Schnauze einhauen. Wer sich mit Gleichgesinnten auf dem Feld – oder meinetwegen auch am Bahnhof – trifft, um sich zu prügeln soll das bitte tun. Ich kann den Thrill durchaus nachvollziehen und auch wenn das nicht mein Hobby ist, kann ich das tolerieren. Und auch für Leute, die nach einem Fußballspiel mit anderen an einandergeraten habe ich Verständnis. Das ist nicht gutzuheißen und muss natürlich polizeilich unterbunden werden, aber mit Alkohol und schlechter Laune kann man nach einem Spiel schon mal durchticken.

Jegliches Verständnis fehlt mir aber für Leute, die sich offensichtlich vornehmen andere zu gefährden und eben Böller mit ins Stadion nehmen. Oder Leute, die – wie beim letzten Derby geschehen – normale Fußballfans in Zugabteilen dazu zwingen ihre Klamotten auszuziehen und diese entwenden. Das ist nicht anderes als ein krimineller Akt und solche Typen haben sich eine Stadionverbot – und bitte noch eine Verurteilung – mehr als redlich verdient. Denn seinen es Böller oder Raub: Hier werden Leute involviert, die offensichtlich nicht mitspielen wollen, sondern einfach ein Fußballspiel besuchen ohne in einem „Bandenkrieg“ verwickelt zu werden. Und im Gegensatz zu Leuten die die körperliche Auseinandersetzung mit Gleichgesinnten suchen sind die nicht mal mutig. Denn die suchen Opfer und keine Gegner.

Und jetzt komme mir bitte niemand damit, dass Pyro ja was anderes sind, weil die gut aussehen würden. Ja, wenn in Griechenland oder der Türkei eine ganze Kurve brennt, dann sieht das cool aus. Aber wenn in Deutschland ein paar Pappnasen zündeln und sich verkleiden wie John Wayne , dann ist das optisch nicht besonders beeindruckend. Zündeln können die türkischen Fans besser. Sogar in Deutschland. Da sieht das wenigstens nach was aus und man kann argumentiere es ginge um die Optik. In Deutschland ist das meist reiner Selbstzweck.

Auch wenn ich ein alter Sack bin: Ich trete nicht in die "Früher war alles besser"-Fall. Arschgesichter gab es schon immer. Ich kann mich noch gut an die Wunderkerzenzeit im Westfalenstadion in den 80ern erinnen, wo dann die nicht abgebrannten Wunderkerzen nach unten geworfen wurden. Dummheit gab es schon immer und wird es immer geben, aber das ist kein Grund sich damit abzufindne. Wahrscheinlich gibt es jetzt den einen oder anderen Leser, der mir vorwirft ich wäre spießig.

Ich bin es in dem Fall so unfassbar gerne.

Montag, 2. November 2009

Ein Zentimeter zum Glück

Manchmal liegt zwischen Glück und Unglück nicht viel. Zum Beispiel nur ein nicht geahndetes Abseits. Doch auch in der Wahnnehmung einer Saison – oder ihres bisherigen Verlaufs – kann ein Zentimeter entscheidend sein. Beispiel gefällig? Osnabrück gegen unseren Ballspielverein. Zweite Halbzeit. Lucas Barrios bekommt den Ball, dreht sich um den Gegenspieler und schießt. Der Ball tickt vom Innenpfosten wieder raus. Wäre der einen Zentimeter weiter nach rechts gegangen springt der vom Innenpfosten ins Tor.

Die Beurteilung der Saison würde sich dann bei den BVB-Fans anders darstellen. Die Lesart wäre: Nach schwierigem Saisonbeginn konnte sich die Borussia fangen und von fünf Spielen vier gewinnen. Wir würden deutlich positiver in die Zukunft blicken. Doch im Moment überwiegt ein Gemaule und Gejammer, das den Blauen würdig wäre. Alles nur wegen dieses einen entscheidenden Zentimeters.

Fußball ist kein Konjunktiv, doch trotzdem sollte man solche Details nicht vergessen.

Sonntag, 1. November 2009

Lecken Sie mich am Arsch!

Ich bin so faul, schaue den Doppelpass an und das ist so langweilig, dass ich mich nicht mal drüber aufregen mag. Ich liege hier wie ein Schluck Wasser in der Kurve und bin einfach bocklos. Ja, ich habe eine Verpflichtung Ihnen gegenüber, geneigter Leser. Sie schauen schließlich jeden Tag hier vorbei. Aber ich will heute einfach nicht. Sie gehen mir mit Ihrem Anspruchsdenken auf die Nerven. Oder anders formuliert: Lecken Sie mich doch einfach heute mal. Ich fühle mich von Ihnen unter Druck gesetzt. Sie mit Ihrer elenden Clickerei auf diese Seite.

Die tollste Frau der Welt kann Ansprüche haben, aber Sie nicht. Werden Sie doch einfach mal selber aktiv anstatt sich einfach nur von mir mehr oder weniger gut unterhalten zu lassen. Immer nur konsumieren geht nicht. Gehen Sie auf www.blogger.com und eröffnen Sie halt selber einen Blog. Und dann schauen wir doch mal, wie Sie das durchhalten. Oder malen Sie einen Doppelhalter oder machen sonst was für den BVB. Oder Sie fangen mal an mir was zurück zugeben. Geld würde ich z.B. nehmen. Oder Nacktfotos, falls Sie weiblich sind. Oder Sie geben mir einfach positives Feedback. Ich liege nämlich wegen Ihnen sei einer Stunde hier und überlege mir was ich schreiben soll und habe ein schlechtes Gewissen, weil mir nichts einfällt. Also können Sie mir mal ruhig sagen, dass ich ein toller Typ bin. Das habe ich nämlich verdient. Sie sind mir heute einfach mal egal. Verbringen Sie ihren Sonntag halt mal ohne meine geistigen Ergüsse. Wird sie schon nicht umbringen.

Ab morgen habe ich Sie dann auch wieder lieb.