Samstag, 26. Mai 2012

"Verrückt nach Fußball - Groundhopping in Polen und der Ukraine" - Ein paar Hintergründe

Es ist endlich soweit. Meine Doku "Verrückt nach Fußball - Groundhopping in Polen und der Ukraine" läuft im Fernsehen. Die Sendetermine findet ihr weiter unten und ab sofort gibt es das auch hier in der Mediathek. Vielleicht interessiert ja den einen oder anderen der Hintergrund der ganzen Geschichte, die ich dann hiermit erläutere. Bevor falsche Befürchtungen oder Hoffnungen entstehen: Der Blog bleibt nach wie vor geschlossen, aber es bot sich einfach an was zu schreiben, weil ich das Ding für mich auch verarbeiten muss. Entstanden ist die Idee irgendwann nach dem Sommer 2010. Ich war damals Senior Producer für "Kavkas WM Camp", einer Sendung mit - wer hätte es bei dem Thema gedacht? - Markus Kavka, die auf MTV lief. Wir hatten logischerweise keine Bildrechte und mussten uns so allen möglichen Quatsch ausdenken. Eine der Sendungen lief im Vorfeld des Spiels gegen Argentinien. Ich rief bei BVB Fanbetreuer Jens Volke an und fragte ihn, ob er irgendwen kennen würde, der sich mit Argentinen auskennt. Es war eines dieser Gespräche von denen sich im Nachhinein rausstellt, dass zwar nicht den Lauf der Welt, aber doch den Lauf meines Schicksals verändern, die währenddessen aber eben absolut unspektakulär sind. Jens empfahl mir Janni mit dem Hinweis es handele sich dabei um einem ehemaligen BVB-Allesfahrer, der nun in Argentinien weile. Ich schrieb Janni an, der sich auch meldete, aber zur Zeit der Sendung in Paraguay unterwegs war, o dass der Plan ihn per Messenger in die Sendung zu schalten scheiterte. Trotzdem blieben wir in Kontakt. Janni war auch Hörer des Podcasts, so dass es irgendwie auf folgerichtig war, dass er selbst als Gast an einer Sendung teilnahm. Kurzes Off-Topic an der Stelle: Ja, es gibt den Podcast offiziell noch. Allerdings bin ich als festes Teammitglied ausgestiegen. Der Rest vom Team will die Sendung weiter machen. Ob das aber wirklich geschieht oder sich das Projekt verläuft wage ich nicht zu beurteilen. Ich fände es schade, wenn der Podcast stirbt. Aber ich bin definitiv raus. Mir fehlt die Zeit und die Lust mich da noch wirklich drin zu verbeißen. Und ich mache Sachen einfach nicht mit halber Kraft. Aber zurück zu Janni. Ich hatte schon vor Janni irgendwann die Idee aus der Geschichte ein TV-Format zu machen. Das älteste Dokument, das ich zu dem Thema finde, ist vom 30.06.2009. In einem späteren Konzept für einen ARD Sender ist das Ding als "Alternative Travel- und Culture-Doku" bezeichnet. Die Kamera ist dabei immer sehr nah an seinem Protagonisten und baut eine fast intime Nähe zu ihm auf. Der Stil ist direkt und ungefiltert. Wenn es hektisch wird kann die Kamera auch mal wackeln. Und hektisch wird es oft. Manchmal müssen ja drei Spiele am Tag besucht werden. Hier ist nichts inszeniert. Der Zuschauer ist ganz nah dran. Auf Off-Text wird verzichtet, zu hören ist lediglich der O-Ton des Groundhoppers und seine Interaktion mit den Einheimischen. Sei es in Hagen oder Warschau. Dadurch wird der Eindruck verstärkt selbst dabei und nah dran zu sein. Der Zuschauer kann über die Schulter sehen und sich einen Eindruck bilden. Er spürt die Hektik förmlich am eigenen Leibe. Das ist jetzt gar nicht mal so weit weg vom realisierten Format und mit Warschau schon fast prophetisch. Nicht ganz ein Jahr später, im Juli 2011 wenn ich mich Recht erinnere, fiel das Projekt bei ZDFinfo auf fruchtbaren Boden. Anfang Januar 2012 fiel dann der Startschuss für das Projekt. Janni war es, der Jan Krapf ins Rennen brachte. Dieser war wegen seiner Top-Kontakte zunächst nur als Koordinator vor Ort geplant. Ich traf mich mit ihm in Berlin und mir war klar, dass der unbedingt auch als Protagonist in der Doku teilnehmen musste. Der hatte zu viel gute Sachen zu erzählen, die man dem Publikum nicht vorenthalten durfte. Zum Glück sagte er dann auch zu, vor der Kamera zu agieren. So sehr Groundhopping auch mein persönliches Baby ist: Ohne Jan Krapf wäre das so wie es heute ist, niemals geworden. Der Mann ist ein Arbeitstier und so gut vernetzt, wie ich es nie hätte werden können. Ich werde Jan für seine Kontakte und sein unfassbares Feuer ewig dankbar sein. Jan war es dann auch, der Bea ins Rennen brachte, so dass die die Riege der Protagonisten schließlich stand. In der Vorbereitung bin ich nicht nur aufgegangen, weil ich Lust auf das Projekt hatte, sondern weil sie mich einfach ausgefressen hat. Es war extrem viel. Auch hier wäre ich ohne Jan niemals so weit gekommen. Als es dann endlich los ging, wusste ich zwar, dass es anstrengend werden würde, aber WIE anstrengend es wirklich wurde, konte ich nur erahnen. Gerade die ersten Tage in Polen waren die Hölle. Es war eine unfassbare Anzahl von Stunden und Kilometern, die wir runtergespult haben. Hinzu kam eine enorme emotionale Belastung für alle Beteiligten. Erschwerend für mich kam hinzu, dass ich als Leiter des Projektes natürlich für jeden Fehler verantwortlich war. Und davon gab es reichlich. Ich war mehr als einmal verzweifelt und habe mich selbst dafür gehasst, dieses Projekt angeboten zu haben. Ich fühle mich wie Nuri Sahin und war mir sicher, dass es Träume gibt, die man sich hätte nicht erfüllen sollen. Ich schrieb mehr als eine verzweifelte SMS an den Cutter, dass ich nicht wisse, wie daraus je ein Film werden solle und irgendwann rief ich völlig verzweifelt eine Freundin an und heulte mich hemmungslos aus. Doch was nichts weh tut ist auch nichts wert. Es wurde ein Film draus. Und wie ich finde sogar ein guter. Aber das soll jede und jeder selbst beurteilen. Natürlich wäre es gelogen, wenn ich sagen würde, dass mir die Reaktionen egal sind, aber in der Tat ist es mir wichtig, dass ICH zufrieden bin. Der Film ist ganz anders geworden als ich ihn mir am Anfang vorgestellt habe, aber das Gefühl das er vermittelt ist so, wie ich es wollte. Deswegen bin ich auch zufrieden. Mir war es wichtig, nicht zu werten, sondern das, was wir erlebt haben möglichst authentisch darzustellen und dem Zuschauer die Bewertung zu überlassen. Das klingt leicht ist, aber sauschwer. Alleine der Part über Staruch, den Vorsänger von Legia Warschau habe ich mehrmals umgearbeitet. In der ersten Version war das viel zu unkritisch, in der zweiten Version wiederum viel zu negativ. Beides wird der Person Staruch nicht gerecht. Es war unfassbar schwer da einen Mittelweg zu finden, der mir das Gefühl vermittel die Widersprüchlichkeit von Staruch richtig vermittelt zu haben und dabei auf eine persönliche Wertung - die ich habe - im Film zu verzichten. Ich würde mich freuen, wenn sich jeder Zuschauer selbst Gedanken zu den angesprochenen Themen macht. Denn auch wenn es vordergründig nur um Polen und die Ukraine geht - wobei der Fokus klar auf Polen liegt - sind die Themen letztlich doch global: Pyro, Polizei, Repression, Gewalt, Engagement und Hingabe. Mir war es letztlich wichtig die Fans in den Mittelpunkt zu stellen und sie nicht nur als Staffage zu sehen. Und unabhängig davon, wie man den Film findet: Das kann man dem Stück nicht absprechen. Ob zu mehr gereicht hat soll jeder für sich selbst entscheiden. "Football without fans is nothing" Die Sendetermine -27.05. um 12:00 Uhr ZDFinfo (Pfingstsonntag) -28.05. um 01:15 Uhr ZDF Hauptprogramm (Nacht von -Pfingstsonntag auf Pfingstmontag) -02.06. um 17:15 Uhr ZDFinfo (Samstag) -02.06. um 23:45 ZDFinfo (Samstag) -03.06. um 08:15 ZDFinfo (Sonntag) -18.06. um 19:45 ZDFinfo (Montag)

Samstag, 25. Februar 2012

Stadion- und Fußballliste

Bevor hier einer einen Herzinfarkt bekommt, weil er einen neuen Post sieht: "Hamburg schwarz-gelb" wird nicht wieder betrieben und ich werde werde nicht wieder bloggen. Es bleibt beim letzten Post.

Ich habe mir nur vorgenommen mir noch ein paar Stadien im In- und Ausland anzusehen. Zum Beispiel will ich alle Stadien der zweiten und dritten Liga sehen. Und ich würde gerne nachvollziehen, wann ich wo Fußball gesehen habe. Deswegen werde ich die Spiele die ich gesehen habe, ab diesem Wochenende hier einstellen. Das ganze wird kein Groundhopping-Blog, weil ich kein Groundhopper bin. Da können andere Leute deutlich mehr bieten. Ich will das einfach nur für mich dokumentieren. Ohne was dazu zu schreiben.Einfach nur welches Spiel. Hier ist einfach die beste Möglichkeit das nicht zu verlieren. Also für Euch gibt es hier nichts. Haut ab.

-Freitag, 24.02.2012, Hamm United - TuS Dassendorf, Landesliga Hamburg - Hansa Staffel, Sportplatz an der Snitgerreihe (3:1)
-Samstag, 25.02.2012, Chemitzer FC - FC Carl-Zeiss Jena, 3. Liga Deutschland, Stadion an der Gellertstraße (1:1)
-Sonntag, 26.02.2012 BVB - Hannover 96, 1. Bundesliga, Westfalenstadion (3:1)
-Freitag, 02.03.2012 Oststeinbeker SV - SC Victoria Hamburg, Oberliga Hamburg, Sportplatz Meesen, (1:2)
-Samstag, 03.02.2012 BVB II - FC Schalke 04 II, Regionalliga West, Stadion Rote Erde (2:1)
-Samstag, 03.02.2012 BVB - Mainz 05, 1. Bundesliga, Westfalenstadion, (2:1)
-Samstag, 04.02.2012 HSV Barmbek-Uhlenhorst - Hamm United, Landesliga Hansa, Rupprechtplatz (3:1)
-Freitag, 09.03.2012 Hamm United - GSK Bergedorf, Landesliga Hansa, Sportplatz an der Snitgerreihe (0:0)
-Samstag, 10.03. FC Augsburg - BVB, 1. Bundesliga, SGL Arena, (0:0)
-Sonntag, 11.03. Teutonia 05 - SC Sperber, Landesliga Hammonia (2:3)
-Dienstag, 13.03. Hamm United - Niendorfer TSV, Achtelfinale Oddset-Pokal, Stadion Hammer Park (0:1)
-Freitag, 17.03. TSV Wandsetal - Hamm United, Landesliga Hansa, Sportpark Hinschenfelde (1:2)
-Samstag, 18.03. BVB - SV Werder Bremen, 1. Bundesliga, Westfalenstadion(1:0
-Sonntag, 19.03. Altona 93 - Victoria Hamburg, Oberliga Hamburg, Adolf-Jäger-Kampfbahn (0:2)

Dienstag, 21. Juni 2011

Dies ist der letzte Blogpost von „Hamburg schwarz-gelb“

Liebe Leute, das war es. Mit dem 802. Blogpost sagt „Hamburg schwarz-gelb“
„Tschüss“ und „Danke“. Als ich vor über zwei Jahren mit dem ersten Eintrag diesen Blog startete konnte ich nicht mal in Ansatz erahnen, was ich damit auslösen würde. Wie sehr der mich verändern würde und wie sehr er auf manchen BVB-Fan ausstrahlen würde. Ich hatte nur eine spontane Idee und affektiv wie ich nun mal bin, setzte ich die um. Und genauso spontan, wie der Blog entstanden ist, habe ich mich auch entschlossen ihn wieder zu beenden. Wobei das nur bedingt stimmt. Die letzte Entscheidung zu sagen „Das war es“ kam gestern spontan, aber über diese Schritt nachgedacht habe ich schon länger intensiv. Denn ich war seit Wochen, wenn nicht gar Monaten nicht mehr glücklich mit dem Blog. Aber dazu später mehr.

„Hamburg schwarz-gelb“ war für mich immer ein Freiraum, den ich mir zwischen Aufstehen und Arbeit gegönnt habe. 30 Minuten für mich. Wenn ich gut aus dem Bett gekommen bin auch mal eine Stunde. Manchmal nur in Hektik 10 Minuten.Aber immer Zeit, die ich nutzen konnte, um über den Ballspielverein, mein Verhältnis zu ihm, über die Szene oder einzelne Spieler zu schreiben. Oder meinen Wut über einzelne Dinge rauszulassen. Oder meine Freude. Die Emotionspalette hoch und runter. Ich saß manchmal vor einem leeren Word-Dokument und wusste nicht was ich schreiben sollte und manchmal konnte ich nicht schnell genug tippen, weil die Worte in meinem Kopf sprudelten. Der Blog war Teil von mir. Ich habe dabei immer versucht auszublenden, dass da viele Leute aus der Firma mitlesen, ob ich damit Leuten auf die Füße trete, was andere Leute dazu sagen und ob ich das irgendwann mal bereuen werde, was ich an diesem Tag geschrieben habe. Es ging darum das alles hinter sich zu lassen und radikal einfach das zu schreiben, was einem im Kopf rumgeisterte. Es war eine Möglichkeit mich zu reflektieren und mich weiterzuentwickeln. Es war in dieser hoch komplexen Welt mit ihren ganzen Beziehungsgeflechten etwas, was nur mir gehört.
Doch aus dem anfänglichen Freiraum wurde mehr und mehr eine Fußfessel. Ich wurde immer mehr „öffentliches Eigentum“ und von Leuten mehr und mehr auf den Blog angesprochen und jedes zweite Gespräch mit BVB-Fans drehte sich um mein virtuelles Alter Ego. Ich war halt nie einfach nur Marc, ich war immer auch MauriciusQ. Das klingt jetzt pathetischer als es soll. Aber irgendwann fing es mir an unfassbar auf den Keks zu gehen, dass ich Leuten etwas erzähle und die „habe ich gelesen“ antworten. Oder das irgendwas passiert und die Leute „Jetzt weiß ich, was Du morgen im Blog schreibst“ sagen. Irgendwann bist Du nicht mehr der Mensch, sondern überwiegend der Blogger. Selbst Musikdiskussionen werden mit Hinweis auf die Bloggerei geführt. Es wurde auch nicht dadurch leichter, dass ich inzwischen auch deutlich mehr in der Szene bekannt bin. Am Anfang war ich halt der unbekannte Typ, den man scheiße oder gut finden konnte. Irgendwann wurde ich für mein Geschriebenes immer mehr auch als Marc haftbar gemacht. Ich bekam mehr und mehr Probleme damit, dass Leute die litererarische Figur MauriciusQ 1:1 mit Marc Quambusch gleichsetzten.

Natürlich steckt in MauriciusQ unfassbar viel von Marc, aber es ist halt eine dramaturgisch verdichtete Ausgabe davon. Wo Marc differenziert, vereinfacht MauriciusQ. Wo Marc auch mal schlichtet, haut MauriciusQ drauf. Hinzu kam, dass ich immer wieder redundant wurde. Man hat irgendwann seine Vergangenheit und seine Einstellung zu gewissen Dingen erzählt und Fußball ist auch oft einfach dasselbe, wenn man es beschreiben will. Es fiel mir deutlich schwerer was Neues zu finden. Irgendwann wird man zu seinem eigenen Abziehbild, zur Karikatur seiner selbst, zu demjenigen, der die Ansprüche der anderen erfüllen soll und das immer schlechter kann. Sei es, dass er ihre Abneigung bestätigt oder sie unterhält. Irgendwann ist man nur noch der Clown für die Leute, dessen Programm man schon kennt. Nun ist mir der Erwartungshaltung von Leuten aber noch einigermaßen egal, aber was viel schlimmer wog, war dass ICH immer weniger zufrieden mit mir war. Es war schon immer so, dass ich selten zur Arbeit ging und das Gefühl hatte „Heute hast Du was schönes geschrieben“. Aber es kam ab und zu vor und das war der Moment für den ich den ganzen Kram gemacht habe. Diese Momente wurden irgendwann seltener und kamen zu Schluss fast nicht mehr vor.

Ich lebe seit jeher mit der Überzeugung, dass alles was wir haben und machen nur temporär ist. Wir können den tollsten Job der Welt haben, eine wunderbare Frau, unendlich viel Reichtum oder die Meisterschaft. Irgendwann müssen wir alles wieder abgeben und deswegen ist es falsch sich an Dinge zu klammern. Man muss loslassen können und nun ist der Moment gekommen diesen Blog loszulassen. Ironischerweise waren es die Bichs, die mir dabei halfen den letzten Schritt zu gehen, wofür ich Ihnen ganz ironiefrei danken möchte. Denn es war ein Bich der am Samstag auf mein Aussage, dass ich einen Film machen will das eine „Habe ich gelesen“ zu viel antwortete und es war ein recht gelungener Post über mich im Bichblog , der mir klar machte, dass in diesem Blog schon lange nichts überraschendes mehr passiert und hier nur noch die gepflegte Langeweile verwaltet wird . Darüber hinaus habe ich mit dem gestrigen Montagmorgen Rant noch mal einen Post rausgehauen, den ich so gut finde, dass ich finde der kann als vorletzter stehen bleiben. Ich wollte mich nicht mit einen Post verabschieden, der mir nicht gefällt. Das hätte Hamburg schwarz-gelb nicht verdient. Dazu war es dann doch zu gut hier. Ich bereue nichts, auch wenn ich den Blog schon Ende 2010 hätte schließen sollen. Es hätte mir nichts gefehlt.

Es fühlt sich komisch an das hier zu schreiben. Es ist ein bisschen als wenn man sich von einer Frau trennt mit der man lange zusammen war. Die heiße Liebe ist weg, aber man hat sich immer noch sehr lieb und der Abschied tut weh. Aber trotzdem muss man sich gehen lassen. Tränenreich und voller Erinnerungen. Dieser Blog war mir über zwei Jahre ein steter Begleiter. Es fällt mir noch schwer vorzustellen, dass ich morgen keinen Blog schreiben werde. Und übermorgen auch nicht. Natürlich wird es Momente geben, wo es mir in den Fingern juckt. Oder wo ich meine Entscheidung bereue. Ich habe diesen Blog gestern Abend zum großen Teil schon geschrieben und bin heute Morgen mit Ideen für den Blog aufgewacht, bis mir eingefallen ist, dass ich keine Ideen mehr brauche.Das fühlte sich in der Tat komisch an. Aber die Entscheidung ist nichtsdestotrotz richtig. Ich freue mich drauf, wenn „Hamburg schwarz-gelb“ irgendwann nur noch eine Erinnerung in weiter Ferne ist.
Nicht wenige von Euch werde ich ja weitere sehen und es wird sich nichts ändern. Diejenigen, die nicht so oft in den Stadien dieser Republik unterwegs sind oder eher Szenefern werden in Zukunft auf mich verzichten müssen. Ich danke Euch dafür, dass ihr mich zwei Jahre in Eurer Leben gelassen habt. Es war schon immer wieder Rückmeldungen zu bekommen, dass ich oft das schreibe, was ihr denkt. Ich danke ebenso den anonymen Pöblern, denn ihr habt mir sehr geholfen mich zu reflektieren. Und ein ganz spezieller Gruß geht natürlich an Arno Nühm. Ich danke Euch allen dafür, dass ihr es so lange mit mir ausgehalten habt. Ich werde das hier alles sehr vermissen und ich hoffe ich konnte bei allem Schwachsnn, den ich hier auch geschrieben habe, den einen oder anderen auch zum Nachdenken anregen. DAS soll jetzt so pathetisch klingen wie es sich liest.

Natürlich bin ich nicht aus der Welt. Der Podcast ist immer noch da, „Kein Zwanni“ wartet mit Aufgaben, der Film wird hoffentlich gemacht und auch ansonsten wird mir nicht langweilig werden. Ich habe noch ein weiteres Projekt, dass im November starten soll und meine To Do-Liste ist voll mit Plänen. Sogar für einenanderen Blog habe ich eine Idee. Aber der wird wenn er denn kommt komplett anders. Nicht persönlich und auch nicht täglich. Der öffentliche Einblick in mein Privatleben ist hier und heute beendet. Wobei man soll niemals nie sagen. Vielleicht vermisse ich das ganze Ding dann irgendwann so sehr, dass ich wieder schreibe. Oder ich habe neue Ideen. Aber Stand jetzt ist dieses Projekt beendet.

Man stelle sich bitte hier schmalzige Geigenmusik vor zu der ich langsam am Horizont verschwinde, während der Abspann läuft. Alternativ nehmen wir den Vorschlaghammer und hauen alles kurz und klein.

Montag, 20. Juni 2011

Angst essen Seele auf - Der Montagmorgen Rant

Ich warne Euch vor. Heute gibt es einen Rant. Wer sich nicht aufregen will, klicke diesen Blogpost hier weg. Aber es gibt eine Sache, die mal raus muss. Was mir immer wieder bei der aktiven Fußball-Szene auffällt, dass der Anteil der Menschen die ihren Job scheiße finden extrem hoch ist. Vielleicht liegt das aber auch gar nicht daran, dass die Fans sind, sondern vielleicht ist das bei den meisten Menschen einfach so. Ich weiß es nicht, weil ich außerhalb des Fußballs nicht mit normalen Menschen in Kontakt komme. Ich habe dann doch eher mit Leuten aus Medienjob zu tun und die keulen zwar alle wie die Schweine, haben aber auch Spaß an ihrem Job und sind auch alle auf irre Art irre. Zwangsgestörte, Neurotiker, Egomanen. Alle krank, aber irgendwie auch auf ihre Art unterhaltsam. Beim Fußball hat man dagegen – wie in jeder anderen Szene auch – mit Leuten quer durch alle Gesellschaftsschichten zu tun. Und das ist gut so, denn ich habe dadurch jede Menge nette Leute kennengelernt.

Aber da das glaube ich wirklich ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist verlassen wir heute dne Fußball-Kontext. Ich bin immer wieder fasziniert, warum Leute die ich echt für talentiert halte immer wieder über ihren Job meckern und trotzdem nichts ändern. Wenn man mit denen redet, hört man oft, dass die Lust haben was anderes zu machen, aber bitte nicht weniger Geld und auch auf jeden Fall eine Festanstellung und 28 Tage Urlaub und bitte am besten ohne Probezeit und auch sonst ohne Risiko. „Ach, das gibt es nicht? Na, dann bleibe ich besser Mal in meinem beschissenen Job“. Ich verstehe das nicht, wie man sehenden Auges in seine eigene emotionale Verödung laufen kann und daran nichts ändert. Und es macht mich auch wütend, weil da soviele bei sind, die echt was bewegen könnten.

Es ist wie immer im Leben „Angst essen Seele auf“. Dabei möchte man eigentlich mal fragen: Angst vor was? Das schlimmste was uns in Deutschland passieren kann ist, dass wir Hartz IV Bezieher werden. Und das ist im Vergleich zu dem was Menschen in anderen Teilen der Welt blüht ein Witz. Ich hör schon das Gejaule „Quambusch, leb Du mal von Hartz IV, dann schwingste nicht so große Sprüche“. Nein, ich möchte nicht von Hartz IV leben. Das ist nämlich scheiße. Es ist aber im Vergleich zu jemand, der in einem Minenfeld arbeiten muss ein deutlich angenehmeres Los. Vor allem ist die Wahrscheinlichkeit Hartz IV Empfänger zu werden deutlich größer, wenn man mit 49 seinen ersten Job verliert. Ich sage es mal mit Ton, Steine, Scherben: „Wir haben nichts zu verlieren, außer unser Angst“.

Ich verstehe die Ängstlichkeit vieler Menschen nicht und ich verachte sie auch. Die Angst, nicht die Menschen. Menschen finde ich auch scheiße, aber das eher aus grundsätzlichen Gründen. Menschen und ich werden keine Freunde mehr. Aber vor jemand, der sein ganzes Leben in einem Scheißjob verbringt, fehlt mir zusätzlich der Respekt. Wie armseelig muss man sein, wenn man das nicht mal schafft sich was neues zu suchen? Ich weiß, dass das unfassbar arrogant ist, aber es hat einen Grund, warum die Leute in Helden-Epen selten als Buchprüfer arbeiten. Weil´s scheiße ist. Wirklich großen Respekt habe ich vor Leuten, die ihren Beamtenstatus – sagen wir beim Finanzamt - aufgeben, weil ihnen ihr Job auf den Sack geht und noch mal was ganz neues machen. Ja, die geben ihre unfassbar gute Altersversorgung auf, aber in der Tat beginnt das Leben nicht erst mit 66 Jahren. Wer diesen Weg geht, dem kann ich nur von ganzen Herzen gratulieren. Und wenn jemand beim Finanzamt arbeitet und daran richtig Spaß hat, dann gratuliere ich auch. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns mögen eher gering ist. Aber wer mag mich schon?

Und nun komme mir keiner bitte mit „Quambusch, Du hast gut reden, Du hast einen schönen Job.“ Der ist nämlich nicht vom Himmel gefallen. Anfang der 90er bin ich nach Hamburg gezogen und habe eine Krankenpflegeausbildung angefangen. Ich habe diesen Job gehasst. Nach anderthalb Jahren ging es nicht mehr. Ich bin mitten im Dienst zu meinen Kollegen gegangen und habe gesagt: „Ich kündige jetzt. Sofort“ und bin von Station verschwunden. Dummerweise habe ich zu der Zeit auch noch im Wohnheim gewohnt, so dass ich nicht nur keinen Job mehr hatte, sondern zeitnah ein Dach über dem Kopf brauchte. Selbstzerstörerisch wie ich damals veranlagt war habe ich den Abend auf dem Kiez noch alles an Kohle auf den Kopf gehauen, was ich noch hatte. Kein Job, bald keine Wohnung, kein Geld. Gratulation. Es konnte nur berg aufgehen. Ich habe mir dann erst mal irgendwas zum arbeiten gesucht und noch ein Jahr auf der Sozialstation gejobbt, bis es zu diesem Interview für Bravo-TV kam. Ja genau. Jenem Interview. 1, 2,3 und so. Ich fragte die Producerin, was ich machen müsste, um zum Fernsehen zu kommen und sie fragte, ob ich ein Praktikum machen würde. Eine Woche später fing ich an. Die beste Entscheidung meines Lebens.

Ich habe zu der Zeit dann 500 Mark als Prakti bekommen und wusste dass ich nicht viel Zeit hatte. Zwar hatte ich damals – ein Wunder, das ist mir später nie passiert – noch Geld auf der Bank, aber bei dem Verdienst reichte das auch nicht lange. Ich hatte also von einem Tag auf den anderen Geldsorgen, aber dafür auch ein schönes Leben. Plötzlich standen zwar regelmäßig 16 Stunden Tage auf dem Programm, aber ich habe es geliebt. Ich kann mir bis heute nicht vorstellen, wie ich das auch nur einen Tag als Krankenpfleger ausgehalten habe. Um das noch mal klarzustellen: Ich habe nichts gegen Krankenpfleger. Genauso wie gegen Finanzbeamte. Ich kenne Menschen, die machen diesen Beruf total gerne - also Krankenpflege - und der ist richtig wichtig und kann auch viel Spaß machen. Es war halt nur nicht meiner. Ich habe ihn gehasst. Mein erstes Praktikum hatte übrigens kein Happy-End. Ich wollte ein Volontariat machen, wurde aber nicht übernommen. Vor allem konnte mir mein damaliger Redaktionsleiter nicht sagen, was ich falsch gemacht hatte. Ich bin einfach heulend nach Hause gegangen und habe mir fest vorgenommen, dass ich irgendwann sein Chef bin. Das hat mich fürs Leben geprägt. Ich habe später jedes Mal, wenn ich einen Mitarbeiter kündigen musste drauf geachtet, dass man dem vorab klar kommuniziert, was nicht rundläuft und bei dem Kündigungsgespräch ebenfalls klar die Gründe ausführt. Jemanden aus dem Job zu entlassen ist ein schlimmer Eingriff ins Leben und derjenige hat verdammt noch mal das Recht die Gründe zu erfahren.

Lustiger Weise war ich fünf Jahre nach meinem ersten Praktikum Redaktionsleiter, habe eine Abteilung von 30 Leuten geleitet, einen BMW als Dienstwagen gehabt und unfassbar viel Kohle verdient. Soviel werde ich nie wieder auch nur im Ansatz verdienen. Und wir beschäftigten als Firma später als freien Mitarbeiter genau denjenigen, der mich damals nicht übernommen hat. Zwar nur für einen Beitrag und auch in einem Parallelprojekt, aber ich bin extra am Sonntag in die Firma gefahren, habe mich zu ihm in den Schnitt gesetzt und gefragt: „Lutz, warum hast Du mich damals nicht übernommen?“ Für diesen Moment hatte ich 5 Jahre gearbeitet. Das war ein Freudenfest. Auch wenn Lutz mit die Gründe nicht genannt hat, war für mich das Kapitel damals beendet. Ich warte aber immer noch darauf, dass ich bei einem ehemaligen Praktikanten im Schnitt sitze. Es gibt genug, die mich inzwischen sowas von locker überholt haben. Aber da war keiner bei, der mit mir noch eien Rechnung offen hat.

Leider war ich damals der arroganteste Dreckschnösel den man sich vorstellen kann. Wer mich heute komisch findet, dem kann ich nur sagen, dass ich sowas von harmlos geworden bin. Zum Glück. Eine Mitarbeiterin von mir hat mir mal erzählt, dass sie nur bei mir angefangen hat, weil sie wissen wollte, ob sie unter so einem Arschloch wie mir arbeiten kann. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube ich fand das damals gut. Weil ich ja eh dachte, dass ich der König der Welt bin. Zum Glück ging es bei mir Anfang 2000 beruflich steil bergab. Arbeitslos, Firma gegründet und in den Sand gesetzt. Das hat mich wieder ordentlich geerdet. Dafür bin ich heute sehr dankbar. Höhenflüge tun einem menschlich nicht gut. Heute habe ich einen Job, der zwar weit weg von den Spitzengehältern früherer Zeit weg ist, aber dafür jede Menge Spaß macht. Und bin menschlich auch wieder den einigermaßen zusammen. Und ich habe die nettesten Kollegen in der Firma, die ich in meiner beruflichen Laufbahn je hatte. Und eigentlich nur schöner Projekte. Natürlich habe ich phasenweise auch Stress ohne Ende, aber Stress macht mir Freude. Ich brauche das wie Fische Wasser. Und das hat jeder. Wenn man das nichjt will ist man in der Unterhaltungsbranche falsch.

Aber Sicherheit habe ich immer noch nicht. Ich bin immer noch dauerpleite, ich kann meinen Job schneller verlieren als mir lieb ist und habe keinen Rücklagen und keinen Plan B. Das ganze Konstrukt ist fragil und es ist nicht unwahrscheinlich, dass mich wieder eine Situation trifft, wo ich mich frage, wie ich meine Miete zusammenkratzen soll. Das hatte ich immer wieder und das ist in der Situation eher ungeil. Nein, Sicherheit habe ich nicht. Außer der, dass ich bisher alles gemeistert habe und irgendwie immer aus jeder Scheiße rausgekommen bin. Weil ich groß bin und weil ich vor nichts Angst haben muss außer Krankheiten und dem Verlust wichtiger Menschen.Und falls Du an diesem Montagmorgen in der Firma bist und Deinen Job aus tiefstem Herzen hasst, dann frag dich, ob das wirklich das ist, was Du die nächsten 40 Jahre machen willst. Oder ob es nicht Zeit wird endlich Deinen Arsch hochzubekommen. Allen die mit ihrem Job zufrieden sind wünsche ich eine erfolgreiche Arbeitswoche.

Ich habe ja gesagt, Du sollst das nicht lesen, wenn du Dich nicht aufregen willst.

Sonntag, 19. Juni 2011

Ein Abend beim Hassprediger – Das Serdar Somuncu Fragment

Ein Abend beim Hassprediger – Das Serdar Somuncu Fragment
Ich hatte heute auf der Bahnfahrt einen extrem langen Text über meinen Besuch bei Serdar Somuncu beim Kino im Stadion geschrieben. Analyse und Durch ein Speicherfehler ist der nun zum Großteil weg. Ich habe keine Lust den noch mal zu schreiben. Ich werfe Euch daher nun das verbliebenen Fragment hin und sage: Wer noch nicht da war einfach mal hingehen.
Nun habe also auch in meine „Unvollendete“ Wenn man diesen Post in 5000 Jahren aus graben wird, wird man sich fragen: Was wollte dieser geniale Literat damit ausdrücken


Nein, wie Eingeweihte wissen geht es nicht um einen Abend mit mir. Es geht um einen Abend beim „Kino im Stadion“. Genauer gesagt um einen Abend mit Serda Somuncu. Ich hatte gestern einen Termin in Dortmund und ließ mich am Abend mit zu Serdar Somuncu schnacken. Ich wusste vorher nicht mal im Ansatz was mich erwartet. Zwar hatte ich vorab das Programm gelesen und das klang sehr interessant, aber konkrete Vorstellungen hatte ich nicht.
Ich war zum ersten Mal beim Kino im Stadion. Logisch. Weil ich
Oder wie die die ganzen Comedians sonst alle heißen. Ich seh die immer im Fernsehen, muss nicht einmal den Mund verziehen und fühle mich schrecklich einsam. Weil die ja scheinbar so viele gut finden und ich scheinbar echt zur Minderheit gehöre. Wobei wenn ich mir die Mehrheit anschaue ist das auch ganz gut. Oder wie ein Bekannter von mir immer sagt “Nur für uns hätten die die U-Bahn nicht gebaut“. Wie dem auch sei, die meisten Comedians sind nicht lustig, während ich bei Serdar Somuncu wirklich fast durchgängig grinsen lachen musste. Dessen Beschimpfungen sind nämlich nicht platt. Im Gegenteil. Der ist ein extrem guter Beobachter, der über eine sehr hohe Empathie verfügen muss. Da muss man hasserfüllt werden. Somuncu schafft es Dinge extrem gut zu analysieren, diese so vorzuführen, dass man über sie lacht und einem dann noch die Maske der Scheinheiligkeit abzureißen. Das ist wirklich grandios und hohe Kunst. Vor allem hat er zwischendurch immer wieder ernst Parts in denen er es schafft, dass man sich und seine Mitwelt reflektiert. Das ist einfach nur grandios.
Wer den noch nicht gesehen hat: Hingehen!

Samstag, 18. Juni 2011

„Der Idiot mit dem Megafon“

Ich habe mal irgendwann einen Artikel bei der FAZ bei Facebook verlinkt. Bzw. auf ein Fotos dieses Artikels, weil der nur in der Printausgabe war. Thema war die „Gelbe Wand“ und der größte Teil der Seite bestand aus einem Foto, dass die Süd in kompletter Größe zeigte. Das sah unfassbar geil aus, weswegen ich es ja auch verlinkte. Ich kommentierte das irgendwie sinngemäß, dass man oft vergisst wie geil die Süd ist, worauf ich ein „So geil, dass die nicht drauf gehst“ als Antwort bekam. Was natürlich ein latenter Vorwurf war. Frei nach Magnum würde ich jetzt antworten: „Und wissen Sie was, Sie haben recht“.

Ich war das letzte Mal glaube ich 1991 oder so während eines Spieles auf der Süd, was ja nun auch mal 20 Jahre her ist. Und ich habe auch nicht so richtig die Veranlassung. Okay, zwischendurch denke ich immer wieder „Jetzt könnte ich auf die Südtribüne gehen“, dann bin ich aber zu faul mir eine Karte zu organisieren und merke, dass es mir so wichtig nicht sein kann. Die Süd ist beeindruckend, aber es reicht, wenn man sie von Außen sieht. Meine Zeit auf der gelben Wand ist einfach um.

Während ich auswärts gerne beim Mob bin, gerne stehe und auch lautstark supporte, ist zu Hause eher Ruhe angesagt. Ich will entspannt vorm Stadion ein Bierchen - manchmal auch zwei - trinken und wenn ich Lust habe meinen Arsch auch erst fünf Minuten vor Spielbeginn auf die Sitzschale hieven. Heimspiele sind für mich nette Familientreffen. So lange mir nicht einer Sepp-Blatter-mäßig einen Platz freihält, ist reizt mich an der Süd genau nichts. Zwar gehöre ich auch in der Ecke zu denjenigen, die ihre Stimme erheben, aber das ist natürlich nicht mit einem Auswärtssupport zu vergleichen. Ich lebe einfach in zwei Welten. Auch fußballmässig. Zu diesen zwei Welten gehört natürlich auch mein jeweils wechselndes Umfeld. Während man auswärts eher vom Ultra-Pöbel und dessen Umfeld umgeben ist, bin ich zu Hause von normalen Fußball-Fans eingekreist. Ich mag beides und beides würde mir fehlen, wenn es das nicht geben würde.

Direkt hinter mir in der Südwestecke sitzt ein geschiedenes Ehepaar, die auf den dritten Platz abwechselnd den Bruder des Mannes bzw. einen Freund mitbringen. Ich mag die inzwischen wirklich gerne. Und ich war sehr gerührt, dass sie mir am letzten Spieltag eine MMS von sich schickten die mit „Wir vermissen Dich“ betitelt war. Obwohl wir uns vorher nicht kannten mögen wir uns. Wir standen in jungen Jahren zur ungefähr selben Zeit in Block 13 - das heißt wir haben eine ähnliche Sozialisation - und der Kumpel war 97 in Tokio beim Weltpokal-Finale. Was ich auch erst diese Saison erfahren habe. Man denkt ja immer "Ja, der geht halt ab und zu ins Stadion", aber dann ist das einer, der ein Erlebnis hat, was wahrscheinlihc nie wieder ein BVB Fan haben wird. Nur, dass die Jungs dann halt irgendwann ruhiger geworden sind, während es mich auf die alten Tage noch mal in die Kurve und Szene zog. Wenn man ehrlich ist, ist deren Entwicklung normal und meine eher bescheuert, aber normal ist auch so ziemlich das letzte adjektiv, was man in Bezug auf mich auswählen würde. Ich bin halt eher der Typ, der seine großen Talente mit einer nicht weniger großen infantilen Ader kombiniert, daraus was mixt und sich nicht drum scheißt, ob ihn Leute bescheuert finden. Großgeworden bin ich mit dem Spruch meiner Mutter „Was sollen denn die Nachbarn denken?“ und ich habe ihn gehasst. Bis heute können mich die Nachbar und die Nachbarn der Nachbarn ebenso wie die entfernten Verwandten der Nachbarn am Arsch lecken.

Aber wir wollen bitte nicht wieder über mich reden,- entschuldigt meinen überbordenden Narzissmus - sondern über die zwei Welten. Die kommen sich nämlich so emotional manchmal ganz schön in die Quere. In jedem zweiten Spiel regt sich nämlich der Mann des Ex-Paares über unsere Vorsänger auf. Wobei er die dann einfachheitshalber zu einem macht. Um konkret zu sein zu "diesem Idioten". Was sich dann ungefähr so anhört. „Wenn ich diesen Idioten mit dem Megafon schön wieder höre. Der soll doch mal was singen, was die Leute kennen. Das kennt doch keine Sau, was der da plärrt. Kein Schwein“. Von Drölf bis in Teile der Ecken ist es nicht nur räumlich weit. Das sind gigantische Unterschiede. Der meinte das nicht böse. Das ist ein netter Kerl, genauso wie überwiegende Zahl der ULtras netter Kerle sind. Aber es sind nette Kerle in zwei Welten. Und ich steh mittendrin. Aber nicht dazwischen, denn ich mag beide Seiten.

Und ich will auf beides nicht verzichten. Ich bin mehr der Typ aktive Fan als der passive Konsument, aber ich finde es wichtig, dass man nicht in diesem Fanszene-Kram völlig versumpft. Und ich will auch einfach mal Fußball schauen ohne, dass es mich anstrengt. Und so sehr ich den kleinen Fußball-Szenekram liebe: Er ist halt nur ein kleiner Teil der Welt. Da ist man doch in einem viel zu kleinen Kosmos und es ist gut, dass ab und zu von Außen zu spiegeln.

Und deswegen bleib ich mal schön in meiner Ecke bei Heimspielen

Freitag, 17. Juni 2011

Warum die Bichs sterben müssen

Ich habe ja ein irgendwie erotisches Verhältnis zum Schwatzgelb-Forum. Das ist das einzige Forum in das ich regelmäßig reinschaue und wo ich auch regelmäßig schreibe. Sehr regelmäßig! Zu regelmäßig. Ansonsten spare ich mir das, weil Foren irgendwie auch 90er sind. Obwohl ins Man!ac-Forum schaue ich auch noch rein, aber das ist auch sehr speziell. Wer allerdings von Euch Konsolen-Gamer ist und in der Lage ist über FIFA hinaus zu denken für den lohnt sich das Man!ac nach wie vor. Ist halt ein Forum für Vollfreaks und nicht für den Mainstream.

Aber kommen wir zurück zum SG –Forum. Wie alle großen Foren sind bei SG zu 50% Schwachmaten unterwegs, zu 40% Langweiler und zu 10% Spezialisten. Die Qualität diese Spezialisten macht letztlich die Qualität eines Forums aus. Denn wegen solchen Leuten liest man ein Forum. Wenn irgendwo auf der Welt irgendwas mit BVB Bezug passiert, dass postet es halt irgendwer im Forum. Und wenn irgendwer irgendeine schräge Statistik hat, dann wird sie auch da gepostet. Natürlich sind Foren latent nervig, aber man kann als BVB Fan eigentlich nicht am SG-Forum vorbei, weil da einfach viele Infos drüber laufen. Man darf das nicht zu ernst nehmen, aber Foren liefern einen Stimmungsstand.Wobei man natürlich immer bedenken muss, dass Forenteilnehmer eine besondere Sorte Mensch sind. Aber wenn man das einigermaßen auf dem Schirm hat ist das ein guter Indikator.

Das Problem ist, dass im Zuge der Meisterschaft die Idioten-Quote deutlich gestiegen ist. Da wird inzwischen soviel Unsinn geschrieben, dass mich das aggressiv macht. Dummerweise kann ich mich da auch nicht zurückhalten – ihr kennt mich ja - , weswegen ich in letzter Zeit durch massives Pöbeln aufgefallen bin. Es ist aber auch wirklich schwierig. Ich schreibe in letzter Zeit viele Konzepte und das kann einen echt auslaugen. Man steckt da viel Energie rein, auch wenn es am Ende vielleicht nur zwei Seiten sind. Ich habe da oft einfach nicht die Zeit und Muße mit irgendeinem Vollhonk, der sich die Hose mit der Kneifzange zumacht seriös zu diskutieren

Ich mag mich einfach nicht mehr mit Leuten unterhalten, die sich die Hose mit der Kneifzange zumachen. Das macht mich zynisch und aggressiv. Ich diskutiere gerne mit Leuten, wenn ich das Gefühl habe, dass die auf Argumente eingehen, aber was da teilweise abgeht ist echt nicht feierlich. Allerdings habe ich das mit der Pöbelei wohl übertrieben. Irgendwie scheine ich nur noch negativ aufzufallen, wenn ich mir die Reaktionen anschaue. Wenn man mich nicht kennt muss man mich für einen destruktivehttp://www.blogger.com/img/blank.gifn Vollpfosten halten. Ich muss dann wohl doch mal wieder gestalterisch mitwirken.

Apropos Forum. Das nervigste Element im Forum – außer mir – ist Rolf aka Genua Rolf aka England-Rolf aka Weltreisen Rolf. Jenem Rolf haben die Bichs nun einen genialen Blogpost gewidmet. Der ist für nicht SG-Leser nicht lustig, aber ansonsten kann ich nur meinen Hut ziehen. Ich erkläre zähneknirschend die Bichs zum besten BVB Blog, den es gibt. Unerreicht gut das Ding. Dummerweise ertrage ich es ja nicht, wenn jemand besser ist als ich, weswegen ich jetzt nach und nach die Bichs töten muss. Tut mir leid Jungs. Nicht persönlich gemeint. Seht es als Anerkennung.

Den Skibich als letztes, der schuldet mir noch ein Bier.