Sonntag, 2. Januar 2011

Wenn die Leute schlafen müssen wir zu Weckern werden

Ich denke einige haben es über den Thread bei Schwatz-gelb schon mitgekommen, aber beim FC St. Pauli tobt gerade ein Kampf zwischen der Führungsspitze des Vereins und einem großen Teil der Fanszene, darum – verkürzt gesprochen – wie weit der Verein das Vermarktungsspiel mitmacht. Wer es bisher nicht mit bekommen hat, dem sei die Erklärung der Sozialromantiker-Ini empfohlen. Ebenfalls anempfehlen würde ich Euch den Blogpost Auf ein Wort Herr Schulte. In diesem finde ich mich und mein Verständnis von Fußball hervorragend wieder. Und das völlig unabhängig von meiner Grundsympathie für den FC St. Pauli. Denn es geht dabei nicht darum, welchen Verein man sympathisch findet und welchen nicht.

Für mich ist klar, dass ich in einem Konfliktfalle zwischen Vereinsführung und Fanbasis prinzipiell erst mal auf Fanseite stehe, wenn die nicht völligen Humburg fordern. Da geht es auch nicht um Sympathie oder Antipathie, sondern um die Zukunft des deutschen Fußballs. Und da hilft es auch nichts darauf zu verweisen, dass die St. Paulianer „auch Kommerz betreiben“. Das tun alle Bundesligisten. Sonst hat man in der Liga keine Chance. Wichtig ist, dass wir versuchen gegen Vermarktungs- und Eventexzesse so lange wie es geht Widerstand zu leisten. Wir sind in Dortmund eine KGaA, haben ein Stadion auf dem der falsche Name steht, die Bezahlkarte und jede Mengeanderen Kram. Auf der anderen Seite verweigern wir uns z.B. dem dreifachen Rufen des Namens der Torschützen und dem „Bitte / Danke“ Müll, der in fast allen Stadien Einzug gehalten hat.Und das soll auch so bleiben. All das sind aber keine Selbstverständlichkeiten, sondern Dinge, die von der aktiven Fanszene erkämpft bzw. werden müssen. Das Bewahren von Traditionen wird - in Bezug auf Fankultur - nicht von den Vereinsführungen ausgehen. Die stehen einfach zu sehr unter Vermarktungsdruck. Daher muss es hier von der Basis einen Gegendruck geben.

Natürlich geht es nicht darum zurück in die 70er zu fallen, sondern darauf zu achten, dass Vermarktung und Werte im Einklang stehen. Ich habe das vor anderthalb Jahren mal mit „Für den halbmodernen Fußball“ versucht zu umschreiben. Das ganze ist übrigens auch im Sinne der Vereinsführungen. Denn Nachhaltigkeit setzt den erhalt von Werten vorraus. Wenn du für nichts mehr stehst hast du nichts, was Du vermarkten kannst.

Wenn ich auf was neidisch bin beim St. Pauli, dann um den relativ hohen Anteil von aktiven Fans, die eben Fußball nicht nur als Event sehen, sondern Werte bewahren wollen. An deren Besser-Fan-Attitüde gibt es eine Menge zu kritisieren, aber aktiv sein ist einfach wichtig. Wer wissen will warum, der sei darauf verwiesen, dass deren Stadion Millerntor heißt und das Bezahlsystem verhindert wurde. Es gibt im Leben einfach nichts umsonst und wenn wir wollen, dass Fußball mehr bleibt als eine Show mit hohem Unterhaltungswert, dann müssen wir was dafür tun. Klar, war es Jürgen Klopp, der letztlich dafür gesorgt hat, dass die Evonik-Fahne vor der Süd wegkommt, aber doch eben nur, weil man das eben nicht klaglos hingenommen hat. Und die Kein Zwanni-Kampagne hat ja auch gezeigt, wie viel Möglichkeiten wir haben. Wir sind Subjekt in diesem Spieln, nicht Objekt.

Ich würde mir wünschen, dass sich mehr BVB Fans aktiv einbringen, denn wer soll es machen, wenn nicht wir? Wenn wir wollen, dass der BVB unsere Werte repräsentiert, dann müssen wir eben auch klar machen, was diese Werte sind. Wenn wir uns über Eventfans aufregen, die nur und ausschließlich bespaßt werden wollen, dann müssen wir eben auch mehr tun als die. Wenn wir uns über die Traditionslosigkeit der Hopp-Fans aufregen müssen wir dafür sorgen, dass unsere Tradition weitererzählt wird.

Und wenn die große Masse vor sich hin schläft müssen wir alle zu Weckern werden.

Kommentare:

  1. Wusste garnicht, dass sich die Miller Brewing Company die Namensrecht gekauft haben... ;-)

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  2. Oh, danke für den Hinweis. Aus dem Millertor wurde nun natürlich das MillerNtor :)

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  3. So funktioniert das mit dem "Sand im Getriebe". Er prangert Missstände an und sorgt so indirekt für Verbesserung. Sollte sich USP ein Beispiel dran nehmen!

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