Mittwoch, 24. November 2010

Für Blumen kein Geld doch auswärts dabei

Ich bin heute nicht gut drauf. Was auch daran liegen könnte, dass ich krank bin. Aber manchmal frage ich mich schon, ob ich alles richtig mache, so wie ich es tue. Wir hatten letztens im Zug ein kurzes Gespräch darüber was man durch die Vielfahrerei so alles auf sich nimmt und dabei blitze auf, dass doch alle irgendwie einen ganz schön hohen Preis für ihre Leidenschaft zahlen. Und damit meine ich nicht, dass man mal am Samstag um 4 Uhr aufstehen muss, um zum Bahnhof zu gehen und irgendwo nach Süddeutschland zu fahren. Der Preis ist doch deutlich höher.

Ich habe letztens mit einer gemeinsamen Freundin von mir und meiner Schwester geredet, die mich lange nicht mehr gesehen hat. Es ging um eine Feier meiner Schwester bei der wir eingeladen sind und die einen gehobenen Dresscode hat, was sie mit einem „Das ist ja für Dich kein Problem, Du bist ja der bestangezogenen Mann den ich kenne“. Da habe ich echt laut gelacht und festgestellt, dass wir uns wirklich lange nicht mehr gesehen haben. Aber sie hatte Recht. Ich habe in einer gar nicht mal so kurze Zeit meines Lebens extrem viel Geld in Klamotten gesteckt. Eigentlich sah man mich nur im Anzug und Schuhen vom Feinsten. Mein optischer Niedergang fing mit „Game One“ an, weil da eh nur Schlunze rumlaufen. Und inzwischen hätte ich schlicht und ergreifend die Kohle nicht mehr, um meinem eigentlich vorhandenende Klamottenfetisch zu frönen. Denn die Kohle die da ist – und etwas mehr – geht in den Fußball. Große Sprünge nebenbei sind nicht drin und Konsumgüter, die man nicht unbedingt braucht kauft man am besten ohne aufs Konto zu schauen. Geld für andere Hobbys ist einfach nicht vorhanden.

Aber es ist ja nicht so, dass man allein drunter leidet, denn schließlich bleibt auch nur wenig Kohle für die Beziehung und da die tollste Frau von Welt wo gibt noch studiert sind da auch kein großen Sprünge drin. Ich weiß gar nicht, wann wir das letzte mal Urlaub gemacht haben. Wie heißt es so treffend in dem Lied von Abschlach „Für Blumen kein Geld doch auswärts dabei“ Was natürlich durch die Europacupkampagne – um es mal vorsichtig zu formulieren – nicht gerade besser wird.

Aber auch sonst zahlt man einen hohen Preis wie ich finden. Man steckt soviel Energie in die Fahrerei, dass man keine Lust mehr hat in seiner Freizeit Menschen zu sehen. Es kann bei mir auch am Alter liegen und daran, dass ich sowieso kein sehr soziales Wesen bin, aber ich bin froh, wenn ich in meiner freien Zeit meine Ruhe habe und vor dem Fernseher liege. Ich will mich nicht noch mit Menschen stressen müssen. Irgendwie muss man ja Kraft sammeln.Für den Job und die nächste Auswärtsfahrt.

Stellt sich die Frage, ob es das alles Wert ist? Auf große Freundeskreise und sonstige Hobbys zu verzichten fällt mir nicht schwer. Auch auf mein großes Hobby Städtereisen verzichten bekomme ich auch hin, weil ich je eh jetzt unterwegs bin. Was mir wirklich vom Herzen leid tut ist die tollste Frau von Welt wo gibt. Ich liebe die von ganzem Herzen und würde der gerne mehr bieten. Wenn ich drüber nachdenke, dass die unter meinem Scheiß so leiden muss, dann möchte ich weinen. Geht mir nicht gut damit.

Und im Gegensatz zu mir würde die nicht mal durch die Meisterschaft entschädigt, wenn wir sie holen

Kommentare:

  1. Dann schieß die Olle in den Wind - Liebe hin oder her!

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  2. Da musste ich Schmunzeln, als ich Deinen Eintrag gelesen habe. Vor allem der letzte Satz war super.
    Ich habe mich da irgendwie arrangiert, musste ich auch, da wir drei Kinder haben. Getz is nur dumm für sie, dass die inzwischen auch mit wollen. Zumindest zwei davon. Ich wohne in Bayern und so fahren wir jetzt am Samstag früh wieder zu dritt los und "Mama" bleibt zu Hause.

    ...allerdings fahren wir immer noch in den Urlaub und ich hoffe sie sieht das auch so ein bisschen als Ausgleich. Ich will da aber mal lieber gar nicht nachfragen...

    Ich liebe verständnisvolle Frauen. Und meine freut sich immer, wenn ich oder wir glücklich nach Hause kommen. Und was sie auch nicht mehr erleben möchte ist so ein Tag im Mai 1992, als ein blöder Guido Buchwald doch noch ein Tor köpft und ich in Duisburg weinen muss. Da war sie sogar dabei und war auch traurig, aber das war eben noch Jugend...


    Markus

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  3. Diese Sinnkrise hatte ich glücklicherweise 1998 und es war nicht so schwierig, die Prioritäten neu zu setzen. Seit letztem Jahr verschieben sich nun aber wieder die Prioritäten und vielleicht hatte ich auch nur Glück, immer das richtige Alter und die richtigen Lebensumstände zu haben. Vielleicht war es aber auch umgekehrt.

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