Donnerstag, 18. November 2010

Das einzige wahre Gefühl: Hass

Wenn ich was hasse – und ich hasse wirklich viel – dann sind es Menschen die immer alles positiv sehen. Wirklich, das geht mir so was von aus dem Sack. Ich bin der Meister der schlechten Laune und diese unfassbar fröhlich durch die Welt gehen geht mir sowas von auf den Sack. Mag sein, dass es in allem schlechten auch was schönes gibt, aber es gibt in allem schönen auch was schlechtes. Und warum soll das eine besser sein als das andere? Okay, es mag sein, dass man früher stirbt, wenn man immer rumpöbelt, aber ich bin zu dick, habe Stress und saufe zu viel. Da kommt es auf die schlechte Laune auch nicht mehr an.

Diese gute Laune Mafia geht einfach gar nicht. Es ist nicht alles fein und wunderbar. Ich bin ein grantelnder dicker alter Mann und das ist auch gut so. Oder soll man etwa sagen „Oh, wir haben 4:0 gegen die Blauen verloren, aber immerhin war es nicht zweistellig“? Oder „Leider darf man in Freiburg nichts ins Stadion mitnehmen, aber dann kann man mal zeigen, dass man auch ohne Hilfsmittel was drauf hat“? Oder wie wäre es mit „Oh, ich wurde vergewaltigt, na immerhin hatte ich dann heute mal Sex“? Es gibt nun mal Dinge, die sind beschissen und werden auch nicht schöner. Und – liebe Meister der Fröhlichkeit – ist Euch eigentlich mal aufgefallen, dass ihr langweilig seid? Es ist nämlich kein Zufall, dass die Charaktere die berühmt sind immer negativ sind. Oder meint ihr irgendwer würde Waldorf und Stattler kennen, wenn die zum Ende jeder Muppets-Folge gesagt hätten: „Mensch, das war ja eine dufte Show“, „Ja und der Frosch war wirklich ganz entzückend“. Nein, weil das nämlich niemanden interessiert. Das ist ÖDE. Und ein fröhlich pfeifender Batman ist auch schwer vorstellbar. Und warum ist Donald Duch 1000 mal beliebter als diese verpisste Micky Maus? Schon mal drüber nachgedacht?

Und jetzt komme mir bitte keiner damit, dass man besser arbeiten kann, wenn man alles positiv sieht. Bullshit. Ich bin durch und durch professionell und mache einen guten Job, aber trotzdem pöbele ich wie ein Rohrspatz. Von morgens bis Abends. Als Kind habe ich mit großer Begeisterung Kriegsfilme geschaut. Da gab es früher immer im Film einen, der alle scheiße fand, nur am motzen war wie beschissen die Politiker, Generäle und sonst was sind. Und der dann trotzdem extrem gut gekämpft hat. Das war schon damals mein Mann. Hass ist das einzig wahre Gefühl. Alles andere ist Folklore für Mimis. Liebe ist wie Frauenfußball.

Der einzige Mensch, der es schafft mich zum Nachdenken zu bringen ist Jürgen Klopp, der es schafft das Positive zu betonen ohne gleich zum Walldorfschüler zu mutieren. Wenn ich Interviews vom ihm zu dem Thema lese, dann denke ich manchmal wirklich dass ich jetzt vielleicht doch mal positiver durchs Leben gehen müsste.

Und dann hat die Bahn Verspätung und ich möchte Amok laufen!

Kommentare:

  1. Apropos Freiburg. Im Block musst Du nur einen Stand weiter rechts - da gab es zumindest in der letzten Saison dann richtiges Bier.

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  2. "Oh, ich wurde vergewaltigt, na immerhin hatte ich dann heute mal Sex“?

    Super Vergleich, Respekt

    "Oh ich habe Schuppenflechte, aber immerhin finde ich deshalb den Weg nach Hause zurück"

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Du weißt schon, dass ich das eben als Scheißbeispiel gemeint habe oder? Weil daran eben nix positiv ist

    Schade, dass mir der mit der Schuppenflechte nicht eingefallen ist, der ist super :)

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