Donnerstag, 10. März 2011

Kleingärtners schwarzgelbe Schnittmenge

Im Rahmen der Diskussion zu meinem Blogpost Manuel Neuer und der Faustkampf in Disneyland kam ja auch wieder mal die Aussage, dass gewalttätige Menschen keine echten Fans seien. Ich muss zugeben, dass mich dieses „XY ist kein Fan“ total annervt. Egal von wem diese Aussage kommt. Und die kommt von verdammt vielen. Man könnte einen Rundgang durchs Stadion machen und egal bei wem man stehen bleiben würde, es gibt immer irgendwen woanders im Stadion, der behauptet, dass derjenige eigentlich kein echter Fan ist. Nur die Substantive ändern sich. „Erfolgsfan“, „Chaot“ oder „Eventfan“ sind nur drei der Wörter, die im Angebot sind.

Die Argumente sind dabei immer unterschiedlich, führen aber im Kern stets zur selben Aussage: „Wer sein Fansein nicht wie ich lebt kann ja kein echter Borusse sein“. Die Gruppe die es trifft ist dabei wie bereits erwähnt austauschbar. Den Ultras wird vorgeworfen eh „nur ihr eigenes Ding zu machen“ und sich für den Verein eigentlich nicht zu interessieren, den Hools „geht es nur um Gewalt“ und Leuten in den VIP-Logen „nutzen den Verein nur als Hintergrund für ihre Geschäfte“. Aber auch sonst kann es jeden treffen. Denjenigen, die nur vielleicht zweimal im Jahr kommen können – oder meinetwegen auch wollen – wird ebenfalls vorgeworfen weniger Fan zu sein und wer nicht mitsingt ist eigentlich „auch nicht am BVB interessiert“.
Was man eigentlich mit der Aussage darlegen will „Ich (oder wir) bin der bessere Fan“. Mehr wahrhaft, mehr Engagement, mehr Leidenschaft, mehr Mehr. Wenn man aber mal hinter die Kulissen dieser Vorurteile schaut, dann bleibt meistens nicht viel davon übrig. Man wird feststellen, dass der regelmäßige Logenbesucher genauso mit dem Verein leidet, dass der Gelegenheitsbesucher zu Hause genauso dabei ist wie im Stadion, und dass der Hool genauso wie der Vereinspräsident bei einem Tor für eine Sekunde alle Sorgen vergisst und dass es Leute gibt die noch nie das Westfalenstadion gesehen haben, aber für diesen Verein alles geben.
Aber wir alle lieben ja unsere Vorurteile und deswegen werden wir weiter auf die jeweils andere Gruppe mit dem Finger zeigen. Dabei ist es doch viel spannender zu schauen, was uns verbindet, anstatt immer zu betonen, was einen doch trennt. Es macht doch die Borussia aus, dass sie Schichten, Nationen und Generationen verbindet. Genau das war es übrigens , was mich am Projekt Unser BVB – dafür stehen wir von Anfang an so gefesselt hat: Die Suche nach der Schwarzgelben Schnittmenge. Das was diesen grandiosen Verein ausmacht.

Und das zu suchen ist so viel wichtiger als wie ein schwarzgelber Kleingärtner zu schauen, was die anderen falsch machen.

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