Mittwoch, 23. März 2011

Der Support das unbekannte Wesen

Das mit dem Support ist schon so eine Sache. Eine ganz komische, um genau zu sein. Und eine, die ich so gar nicht verstehe, bzw. in Teilbereichen einfach gar nicht überblicke. Z.B. den Umstand, dass es beim Spiel gegen Mainz so tot ist, wie ich es im Westfalenstadion lange nicht mehr erlebt habe – wenn überhaupt - ab der ca. 80 Minute aber plötzlich die Sau rockt und das Stadion echt laut ist. Wobei ich mir den Umstand, warum im Stadion Totenstille ist noch sehr gut erklären kann. Dazu tragen Umstände bei von denen ich wusste, dass sie kommen, aber mir gewünscht habe, dass es noch etwas dauern würde, bis sie uns im vollen Umfang erfassen. Auch wenn das wohl naiv war. An die Stimmung in der Saison 08/09 werden wir noch lange zurückdenken, das war unfassbar gut. Aber im Moment ist es einfach nur grauenhaft. Wer nach Hoppenheim dachte es geht nicht schlechter, wurde gegen Mainz eines besseren belehrt. Wobei "eines schlechteren" wohl die Situation besser treffen würde.

Der Mix, der uns im Moment im Stadion trifft ist einfach tödlich. Wir haben auf der einen Seite die Dauerkartenbesitzer, die jahrelang zum Spiel gehen, aber sich inzwischen mehr Gedanken darum machen, wann man die Meisterschaft feiert als darum, dass man diese Meisterschaft auch erst noch mal gewinnen muss. Die Schale ist quasi im Kopf schon vergeben, weswegen es vielen irgendwie schwer fällt sich noch mal zu motivieren. Man muss ja die Mannschaft nicht bei etwas unterstützen, was sie quasi eh schon erreicht hat. Das ist pervers, aber es ist so. Es herrscht eine gigantische Erwartungshaltung und man möchte feiern. Wenn da eine kleine Stellschraube nicht passt – z.B. weil sich der Gegner sich nicht sofort auf den Rücken wirft und ergibt – ist ein lähmendes Entsetzen mit Händen zu greifen. Hinzu kommen noch jede Menge Leute, die noch nie im Westfalenstadion waren und die wahrscheinlich noch mit potenzierter Erwartungshaltung an die Sache rangehen. Soweit alles schlimm, aber verständlich. Ich spreche es ja ungerne aus, aber wir werden uns daran wohl gewöhnen müssen. Das nächste mal richtig kesseln wird es, nachdem wir jahrelang im mittelfeld rumdümpeln und plötzlich so ein Trainergigant wie Klopp um die Ecke kommt. Aber erst mal heißt es wohl "Bonjour Tristesse". Und nein, auch wenn die Deutschen gerne einen Schuldigen suchen, es gibt niemand einzelnen der daran Schuld ist. Weder die neue Soundanlage, noch die Vorsänger, noch die "Erfolgsfans" oder sonst was. Es ist ein tödlicher Mix, der uns lähmt.

Aber wer legt dann in der 80. Minute auf einmal den Schalter um? Warum können wie auf Kommando auch diejenigen supporten, die vorher das Maul nicht aufbekommen haben. Ich habe versucht mich diesem Rätsel zu nähern, aber ich kann es nicht erklären. Weil es ging wirklich von einem Moment auf den anderen los. Vielleicht hat irgendwer irgendeinen Stecker auf einmal richtig gesteckt, der 80 Minuten falsch angeschlossen war, weil wir in Wirklichkeit nur elektronisch gesteuerte Supportpuppen sind. Bin ich einer ganz großen Sache auf der Spur? Man weiß es alles nicht. Man weiß nur, dass der Support gegen Mainz zum schämen war. Man sollte sich echt hüten noch mal gegen das „Operettenpublikum“ in München zu hetzten.

Wir haben noch nicht mal was gewonnen und sind schon ruhig. Aber das ist ja auch irgendwie eine Leistung.

Kommentare:

  1. Ja, das sind nunmal (leider) die Schattenseiten des Erfolges. Erfolg bedeutet gleichzeitig Steigerung der Erwartungshaltung.
    Ist wohl bei keinem Verein der Welt anders... :/

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  2. es ist tatsächlich so, dass der Support im Stadion nachgelassen hat (Ausnahme: die Süd). Das ist mir noch gar nicht so bewußt geworden. Auf der West gehen kaum noch Leute mit, wenn die Süd aufdreht. Schade. Das war zu Beginn/Mitte der Saison anders

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