Montag, 13. September 2010

Heute wird es unappetitlich

So, heute wird es im Blog unappetitlich und hat wenig mit Fußball zu tun, dafür gibt es ein Thema, was mir sehr am Herzen liegt. Aus persönlicher Betroffenheit. Und wenn´s nur einer liest und was schnallt reicht es mir. Ich habe ja einige anfragen bekommen, warum ich beim Auftritt bei „Fanomenal“ als einziger einen Sweater über dem Shirt hatte. Im Schwatz-gelb-Forum wurde sogar vermutet, dass das damit zusammen hängen würde, dass „der ältere Herr aus Hamburg sein Gewicht zu vertuschen versuchte“ . Ich kommentiere es mal nicht, dass man mich als „älteren Herren“ bezeichnet und nehme diesen Umstand einfach Gram gebeugt hin. Aber bei der Vermutung ich würde mein Gewicht vertuschen wollen, muss ich doch Widerspruch einlegen. Man kann vielleicht ein Bäuchlein vertuschen, aber von meinem Bauch in der Verniedlichungsform zu reden wäre ein Hohn. Da kann man nichts vertuschen. Selbst, wenn mich Karl Lagerfeld persönlich einkleiden würde - und ganz unter uns: bevor der mich anziehen würde, würde er sich erschießen - sähe ich noch dick, versoffen und alt aus, was, wie ich vermute, nicht ganz unwesentlich damit zusammenhängt, dass ich dick, versoffen und alt bin.

Nein, der Umstand, dass eine Jacke trug hat was damit zu tun, dass ich Schuppenflechte habe. Und zwar gar nicht so wenig. Ellbogen, Handgelenk, Finger, Unterschenkel. Dummerweise sogar unter den Fingernägeln, was eine recht seltenen Form ist, aber wenn man schon in die Scheiße greift dann richtig. Ich habe ja gesagt, dass es unappetitlich wird. Das Problem mit so einer Schuppenflechte ist, dass man immer alles voll krümelt. Das klingt auf den ersten Blick lustig, ist es aber gar nicht. Es lässt sich vor allem nichts dagegen machen. Weswegen man aber trotzdem immer ein schlechtes Gewissen hat, wenn man ein leicht schuppige Spur hinterlässt. Man muss nicht Sherlock Homes sein, um meine Spur zu finden. Ich habe die Scheiße mit 25 bekommen. Ziemlich ohne Vorwarnung und ziemlich schnell. Damals überwiegend an den Ellbogen. Ein halbes Jahr später fing der Dreck an sich über den ganzen Körper zu verteilen. Inkl. Gesicht. Meine Fresse sah rot aus wie ein Indianer nach dem Sonnenbrand.

Es ist ganz „interessant“ festzustellen, was mit Dir passiert, wenn Du auf einmal aus der Norm fällst und Du derjenige bist, wenn auf der Straße jeder – und ich meine jeder – anschaut. Die Leute tuscheln über Dich und mit Arbeit wird es schwierig. Nimm doch mal einen Geschäftstermin wahr, wenn Du aussiehst wie ein Freak. Naja, passender weise wurde mir zu der Zeit gekündigt. Mein Leben war zu dem Zeitpunkt ziemlich im Arsch. Kein Job und kein Sozialleben. Durch Zufall lernte ich da aber eine Frau kennen, die mir von einer „Besprecherin“ in Bremen erzählte, die angeblich Hautkrankheiten beseitigten sollte. Zwar glaubte ich nicht an den Quatsch, aber wenn Du verzweifelt bist fährst Du überall hin. Und unfassbarer Weise war mein Gesicht nach 3 Sitzungen wieder absolut Schuppenflechtefrei. Und ich hatte mein Leben wieder. Seitdem haben meine Schuppenflechte und ich Frieden geschlossen. Sie darf da bleiben, wo sie ist und ich behandel sie nicht und die lässt mein Gesicht in Ruhe. Und auch, wenn ich oft ein Großmaul bin, ich bin doch dem Leben gegenüber sehr demütig. Alles was man hat kann morgen schon anders sein.

Das schlimme ist, dass der Umgang von „normalen Menschen“ mit Hautkranken immer recht schwierig - um nicht "beschissen" zu sagen - ist. Deswegen gibt es jetzt hier mal ein paar Tipps aus erster Hand:

1. ) Sprich denjenigen nicht drauf an. Gerne genommen sind Fragen wie „Hast Du Dich verbrannt?“ oder „Was hast du denn da?“ Wenn man dann „Schuppenflechte“ sagt folgt normalerweise ein „Oh“, ein unmerklicher Schritt zurück und die Frage „Ist das ansteckend“. Ich beobachte das immer wieder mit großem Amüsement. Mich stört das nicht mehr, weil wenn Du das mal im Gesicht hattest, bist Du echt abgehärtet, aber normalerweise ist das echt scheiße, weil Du als Hautkranker froh über jede Sekunde bist an der Du das mal nicht merkst.

2. ) Die Salbe, die dem enfernten Cousin, der Nachbarin Deiner Oma geholfen hat interessiert niemanden. Hautkranke wollen keine Tipps. Sie wollen ein normales Leben. Die Chance, dass Du denen was Neues erzählst sind ziemlich gering. Die Chance, dass er sich aber wieder über seine Haut Gedanken macht und ausgegrenzt fühlt dafür sehr groß.

3. ) Erzähl bitte nichts davon, dass das wohl psychosomatisch ist. Hautkrankheiten sind ein Einfallstor in die Seele, sie machen mega verletzlich und angreifbar. Das letzte, was man braucht sind irgendwelche Hinweise von irgendeinem Deppen mit glatter Haut, dass man ja quasi wohl doch irgendwie selbst schuld sei. Steckt Dir Dein "psychosomatisch" in den Arsch und hol es wieder raus, wenn Du Krebs hast. Dann können wir auch gerne weiter reden, wie das mit der Psyche so ist

Und falls einer von Euch betroffen ist und einen Kontakt zu einer Besprecherin braucht: Marc@Quambusch.de

Kommentare:

  1. Du bist nicht Hautkrank,du bist Hirnkrank...

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  2. Geistreicher Kommentar.

    Marc, ich habs auch im Gesicht. Ich kenne dein Leid. Augenhöhle, neben der Nase und seitlich am vermeintlichen "Schnauzer". Ich rubbel es täglich mehrmals weg und knibbel und hab dann ne rote Fresse. Und wenns schuppt, dann sieht das Klasse aus.

    Schuld war meine EX-Perle, Uni-Stress und mein reinsteigern in die schlechten Situationen des Lebens. Und wie es der Zufall bei mir so will: Ich habe ne neue Perle und fühl mich psychisch besser. Nur die Schuppe bleibt, du kennst das.

    Wir haben uns übrigens desöfteren mal im BVB-Forum "gestritten". Du verstehst es sicher, wenn ich meinen Namen nicht nenne.

    Respekt dafür, dass du es tust.

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  3. @ Anonym: Welch eine Rhetorik, da wird glatt neidisch

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  4. @ Anonym: Welch eine Rhetorik, da wer ich glatt neidisch

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  5. Mich stört es überhaupt nicht, denn wenn man jemanden mag akzeptiert man ihn, so wie er ist. Ich bewundere dich, nicht nur als einen der aktivsten BVB Fans die ich kenne, sonder auch als Menschen, egal ob mit oder ohne Schuppenflechte!

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  6. Also bewundern muss man mich nun wirklich nicht

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  7. Müssen nicht, aber man kann! ;-)
    Du bist echt ein klasse Typ!

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  8. Ich bin ein gestörter, hyperaktiver Schizo, der das Glück hat Talent zu haben. Sonst nix

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  9. Kenne dich nur als netten, hilfsbereiten, lustigen Typen.

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  10. Man kennt dich ja nicht nur aus dem Blog so, ist im Real Life das selbe, da bist du ja auch sehr nett, hilfsbereit und lustig.

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  11. Es ist gut, wenn du über deine Krankheit sprichst! Es befreit!
    Es gehört sich nicht solche blöden Fragen jemanden zu stellen, der nur seine Ruhe will.
    Ès ist ein Mangel an Respekt!
    Und sowieso, wenn man jemanden gern hat, dann sieht man die Krankheit nicht und es ist dann absolut kein Problem!

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