Donnerstag, 12. November 2009

Robert Enke: Die unendlich laute stille Trauer und ich

Okay, ich mach mich jetzt mal unbeliebt. Aber ich bin scheinbar der einzige Fußballinteressiert, der bei Robert Enke nicht am Rad dreht. Die Fußball-Fans benehmen sich so, dass einem Michael Jackson Anhänger rational vorkommen. Die Welt ergießt sich in Mitleid und überbietet sich in immer lauteren Forderungen nach „stiller Trauer“. Wo sind wir hir eigentlich gelandet und was soll der Scheiß? Dieses öffentlich scheinbar anstandvolle, aber in Wirklichkeit widerlich voyeuristische Trauergeplärre ist in meinem Augen absolut unwürdig. Es hat sich inzwischen durchgesetzt Trauern als Event zu gestalten. Los ging das meiner Meinung nach in der jetzigen Form bei Papst Johannes Paul II, dessen Tod – auch von ihm selbst – zelebriert wurde. Die Trauer hat dadurch in meinen Augen ihre Würde verloren.

Um mal wieder irgendwelche Missverständnisse auszuräumen: Der Fall Enke ist ein dramatischer. Vor allem aber für ihn und seine Familie. Jeder Mensch der einigermaßen bei Verstand ist wird da natürlich Mitgefühl empfinden. Und auch, dass die Fans von Hannover 96 geschockt sind kann ich verstehen. Die hatten natürlich einen direkten Bezug zu Enke. Zum Torwart, nicht zum Menschen dahinter. Und jeder, der in stiller Einkehr mal über Leute in seinem Umfeld nachdenkt oder an Robert Enke als einen mahnendem Beispiel gedenkt hat mein Verständnis. Warum aber muss stille Trauer so verdammt laut sein? Ellenlange Foreneinträge die zeigen, dass man noch betroffene ist als der andere. Geht es einem da nicht mehr um einen selbst als um Enke? Kann man beim trauern nicht einfach mal die Fresse halten, wenn es einem so ernst ist, ohne am „Ich bin am tiefsten getroffen“-Contest teilzunehmen. Komischerweise scheine ich der einzige Mensch zu sein, der nicht der beste Freund von Enke war und noch nicht gramgebeugt durch die Welt schleicht. Wie gesagt, natürlich empfinde ich Mitgefühl; aber nicht mehr oder weniger als mit allen anderen Menschen, die auf tragische Weise ihr Leben verlieren.

Es spricht nichts gegen eine Debatte über den Umgang mit depressiven Menschen. Diese ist sogar extrem notwendig. Psychische Krankheiten werden immer noch gerne als persönliche Schwäche abgetan und eben nicht als Erkrankung. Wenn der Fall Enke also zu mehr Akzeptanz in Bezug auf diese Art der Erkrankungen führen würde, dann wäre das super. Ich glaube es nur nicht. Es wird jetzt um die Wette getrauert und in 10 Tagen gelten Leute, die in der Firma nicht funktionieren wieder als Problem. Oder Sebastian Desler als Abzocker.

Mir geht dieses alles in die Öffentlichkeit tragen auf die Nerven. Ein Prozess an dem ich leider aktiv mitwirke.

5 Kommentare:

  1. Juhu endlich kein jammer Beiträg zum Thema Enke!
    Ich sehe das genauso wie du. Es ist traurig, und schade um den Torwart.
    Ich kann die Fans auch verstehen dass die trauern, und hier und da was dazu schreiben, aber manchmal geht die Trauer echt zuweit.

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  2. Robert Enke - hatte er unlösbare Probleme? Finanziell ausgesorgt, eine Famile die zu ihm steht, Freunde und Fans, all das hatt er. Und das ist viel mehr, als andere Menschen haben.

    Natürlich, da war der Schiksalsschlag mit dem Tod der Tochter. Schrecklich für Eltern, wenn ein Kind stirbt.

    Dennoch gibt es tausende Eltern die so etwas erleben und durchstehen und nicht so priveligiert sind.
    Die kämpfen.

    Ich denke, er hat sich feige aus dem Staub gemacht.

    Hat seine Frau und sein Kind und seine Familie allein gelassen und ihnen unendliches Leid zugefügt.

    Ausserdem: jeder der nicht blind und blöd ist, weiß, wie Lokführer leiden, wie traumatisch es für sie ist einen Menschen zu überfahren, zu töten.
    Ganz, ganz miese Nummer, Enke, einem Menschen das aufzubürden.

    Seine Frau leidet jetzt, sie ist verlassen und alleingelassen woorden von einem Mann, der genau jetzt zu ihr stehen sollte.

    Rote Karte für unsportliches verhalten!

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  3. Kann ich dir nur zustimmen MauricusQ!
    Wie schon angesprochen von dir, sollte man "persönliche Schwächen" und die Krankheit Depression. Meine Oma ist selber davon betroffen und ich bekomme öfters mit wies ihr geht. In sie hineingucken werd ich aber wohl (leider) nie können.

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  4. Feige aus dem Staub gemacht? Du maßt dir an, zu beurteilen, was Enke durchgemacht hat und auf welchem Tiefpunkt sich sein Gemüt nach jahrelangen Depressionen befunden hat? Oh Mann, ich denke nicht, dass dieser Mann einfach aus einer spontanen Laune heraus beschlossen hat, sein Leben zu beenden. Ich habe keine Ahnung, wie es sein muss, richtige Depressionen zu haben, aber ich stelle es mir als ein Gefühl vor, als ob ein stetig wachsendes Vakuum in mir entsteht und mich langsam von innen auffrisst, bis jegliche Lebenslust entwichen ist...

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