Mittwoch, 6. Oktober 2010

Peer Steinbrück reloaded

Aki Watzke äußert sich im Interview mit den Ruhr Nachrichten zum Thema „Peer Steinbrück und der blaue Schal“. Das ist ein gutes Zeichen, denn das heißt, dass die Kritik angekommen und dass sie vor allem ernst genommen wird. Man ist also auf einem guten Wege und vielleicht haben wir ja noch mal eine Chance die Kandidatur bzw. die Wahl zu verhindern. Ich verstehe durchaus, dass Watzke von dem Thema genervt ist, aber das ist nun mal der Preis, wenn man Vorsitzender der Geschäftsführung eines Traditionsvereines wie der BVB ist.

Es geht aber da nicht um kleinkariertes Denken, wie Watzke unterstellt. In der RN sagt er wörtlich:

„Der Aufsichtsrat ist kein Vereinsorgan, sondern eines der Aktionäre. Hier geht es nicht in erster Linie um Emotionen, diese Schiene bedienen genügend Menschen beim BVB. Im Aufsichtsrat ist Kompetenz extrem wichtig.“

Hier liegt Watzke meiner Meinung nach eben nur teilweise richtig. Und es geht mir persönlich bei dem Thema auch gar nicht um Emotionen, denn in der Tat hat Watzke recht, dass Emotionen in einem Aufsichtgremium einer KGaA fehlt am Platze sind. Eine klare weltanschauliche Leitlinie in Bezug auf Fußball brauchen auch die Aufsichtsratsmitglieder. Dort ist natürlich Fachkompetenz gefragt, die niemand Peer Steinbrück absprechen will. Aber es kann niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass es einen Unterschied zwischen einer normalen Aktiengesellschaft und der BVB KGaA gibt. Es haben viele BVB Fans Aktien und zumindest den Kleinanlegern geht es wohl nicht in erster Linie um die Mehrung ihres Kapitals. Deswegen hat der Aufsichtsrat eben nicht nur die Aufgabe dafür zu sorgen, dass die BVB Shareholder kurzfristig Geld verdienen, sondern auch ein Auge darauf zu werfen, dass der BVB langfristig sich nicht von seinen Wurzeln entfernt. Was übrigens wiederrum auch im Interesse der Shareholder ist. Wer sich die den Aktionmarkt anschaut entdeckt, dass gerade AGs in überwiegendem Familienbesitz, die eine langfristige Strategie fahren deutlich besser dastehen als ihre Konkurrenten.

Was meiner Meinung nach grundsätzlich falsch ist, ist die von Watzke vorgenommenen Trennung zwischen KGaA fürs kalte Geschäft und Verein fürs Herz. Der BVB mag formaljuristisch getrennt sein, aber er ist eben doch eine Einheit. Was den BVB zusammenhält ist nicht die kalte Idee Geschäfte zu machen, sondern der Glaube an diesen tollen Club. Es ist ja nicht so, dass die KGaA eine gute Idee hatte und dann an die Börse ging, sondern alles was die KGaA vermakrtet hat der Verein aufgebaut. Würde es die Menschen und ihre Liebe zum Verein nicht mehrgeben, wäre die aktienrechtliche Konstruktion nichts mehr Wert. Keinen Euro. Das ganze ist eine Einheit. Ich lehne zum Beispiel die Organisationsform KGaA für meinen Club ab. Aber da sie nun mal da ist, habe ich auch dafür zu sorgen, dass es der gut geht, soweit ich als Fan da Einfluss drauf nehmen kann. Der BVB ist ein einheitliches Gebilde.

Was passiert, wenn eine Herzensangelegenheit in die Hände von Menschen kommt, die die Geschichte des Vereines nur unter kommerziellen Gesichtspunkten sehen, kann man in England „bewundern“. Natürlich ist ein Peer Steinbrück kein Malcolm Glazer und es wäre absurd ihn auch nur in die Nähe zu rücken. Aber diese Diskussion findet eben auch nicht in einem luftleeren Raum statt. Es gibt in Deutschland einen Dietmar Hopp und einen gewissen Herrn Kind in Hannover, die doch sehr gerne die 50+1 Regel abschaffen würden bzw. sie de facto schon unterlaufen. Fußball-Fans tun daher gut daran immer genau zu überprüfen, ob Leute, die für ihre Herzensangelegenheit tätig sind auch selbst mit dem Herzen dabei sind. Es ist auch Quatsch zu behaupten, dass man Distanz braucht und keine schwarz-gelbe Brille auf haben sollte. Das das nicht so ist bewiesen Dr. Rauball, Aki Watke und Michael Zorc.

Es ist im Gegenteil wichtig, dass in allen Gliederungen des Vereines und der KGaA Leute sitzen, deren Herz schwarzgelb schlägt. Und zwar aus professionellen Gründen und aus Gründen des Herzens. Tradition ist keine Folklore, sondern ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Plastikclubs und die unverzichtbare Antriebskraft für einen Fußballclub. Nochmal betont: Es geht nicht um das Thema „Fachkompetenzen“. Die streitet niemand Herrn Steinbrück ab. Und es geht auch nicht darum, dass er in Gelsenkirchen ein Spiel besucht hat. Wer Ministerpräsident in NRW ist, muss sich bei allen Clubs der Region sehen lassen. Genauso, wie Dr. Rauball als Ligapräsident den Blauen die Meisterschale übergeben müsste, für den - zugegeben nur theoretisch möglichen – Fall, dass sie diese gewinnen. Und er muss das ohne dumme Bemerkungen tun. Wer sich dazu nicht in der Lage sieht, der darf für ein solch neutrales Amt nicht kandidieren. Aber ich bin mir zu 100% sicher, dass sich Dr. Rauball keinen Schal der Blauen umhängen würde, wen er denen die Schale geben müsste. In dem Fall bezieht man eben Position. Das ist ja der Sinn eines Schales, dass man sich zu etwas bekennt. Wer sich einfach allem umhängt, was ihn in die Hand gedrückt hat, hat das Wesen des Fußballs nicht verstanden.

Und nein, der BVB geht nicht gleich unter, wenn Steinbrück in den Aufsichtsrat gewählt wird. Es ist nur ein weiterer Baustein in einem völlig falschen Puzzle.

Kommentare:

  1. Kannste mir mal erklären, warum Du bei Peer Steinbrück derart auf die Barrikaden gehst?
    Zu den anderen Aufsichtsratsmitgliedern die persönlich wenig bis nichts mit dem BVB zu tun haben, ist mir kein vergleichbarer Aufschrei von Dir in Erinnerung.
    Und die Hoffnung, das AR-Mandat von Steinbrück durch irgendwelche Transparente, Foren oder Blogeinträge verhindern zu können, zeugt schon von einer ziemlichen Verkennung der tatsächlichen Gegebenheiten innerhalb einer Aktiengesellschaft.

    SgG
    Web

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  2. "Dort ist natürlich Fachkompetenz gefragt, die niemand Peer Steinbrück absprechen will."
    Warum nicht?Objektiv betrachtet muss man sagen, dass Peer Steinbrück in seinem Leben nichts geleistet hat.Seine angebliche Kompetenz hat er nie gezeigt.
    Außerdem sollte einem an Peer Steinbrück mehr als nur der Blaue Schaal ärgern.Er hat sich in den Bundestag wählen lassen, um nicht zu den Sitzungen zu gehen, nicht an den Abstimmungen teilzunehmen und sich um Bürgerfragen nicht zu kümmern.Sein Mandat ist für ihn ein schöner Nebenverdienst zu seinen Bücherverkäufen oder seinen Vorträgen die er auf für einige Tausend € hält.So jemand hat bei Borussia Dortmund nichts zu suchen.Egal ob im Verein in der KgaA oder sonst wo.

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