Donnerstag, 14. Oktober 2010

Berlin 2008 - Ein Moment und seine Folgen

Ich denke jeder, der BVB Fan ist – oder Anhänger eines anderen Vereines – hatte so was wie „Erweckungsmomente“. Also Augenblicke oder Spiele, die ihn für seine spätere Karriere sehr geprägt haben. Spiele in denen er zum BVB-Fan geworden ist z.B. Ich hatte diese auch, allerdings lagen die nicht am Anfang, sondern kamen eher später. Dass es diese nicht zu Beginn gab, ist überwiegend darin zu begründen, dass BVB-Fan zu sein für mich so normal war wie Luft zu atmen. Ich kann mich einfach an keine Zeit erinnern, wo ich nicht BVB-Fan war, weil das bei meiner Familie einfach dazugehörte und ich als kleines Kind ins Stadion geschleppt wurde. Ich hatte also keine Chance.

Mit „Erweckungsmoment“ meine ich auch nicht so was wie ganz besondere Spiele. Da gab es bei mir auch jede Menge, sei es das Pokalfinale 1989 oder – über allem schwebend – das 3:1 von Jürgen Wegmann gegen Fortuna Köln. Aber so granatenmäßig wie dieses Spiel auch war, es hat in mir nichts verändert. Ich war vorher genauso Fan wie nachher. Nur nicht abgestiegen. Aber ein Spiel was bei mir extrem viel ausgelöst hat, was das Pokalfinale 2008. Ich war zu der Zeit Einzelfahrer und bin in der Saison glaube ich so ca. 8 oder 9 Spiele gefahren. Und ich hatte mit Ausnahme des 2:1 gegen Leverkusen nur Niederlagen gesehen. Wo ich war, war der Sieg fern. Ich hatte mir zu der Zeit schon eine Karte für das Pokalfinale über den Schwarzmarkt besorgt – anders kam jemand wie ich da ja leider nicht dran – und war ungelogen ernsthaft am überlegen die weiterzuverkaufen, damit ich der Mannschaft kein Pech bringe. Ein Thema was nach dem 2:1 von Dede natürlich hinfällig war.

Und dann kam der Tag des Finales. Ich hatte ja zu der Zeit noch eine Wohnung in Berlin, so dass ich da recht entspannt hinschlappen konnte. Die trotz Rückstand eindrucksvoll durch gesungene 1. Halbzeit war für mich schon das erste Highlight, aber als dann das 1:1 fiel war das für mich ein Moment, den ich in 100 Jahren nicht vergessen werde. Es ist mir auch im Nachhinein scheißegal, dass wir das Spiel verloren haben. Im Gegenteil: Ich bin sogar froh, denn so bekamen wir Klopp und nun die dritte Saison in Folge schönen Fußball. Und dieser Moment ist einfach einer der schönsten meiner Fußball-Karriere. Ich habe – und das meine ich wörtlich – wirklich Angst gehabt, dass ich einen Herzinfarkt bekomme. Ich war fix und alle. Und der Moment löste eben was aus.

Mir war danach klar, dass ich wieder stärker mit anderen BVB-Fans Kontakt suchen wollte. Ich hätte niemals Kontakt zu den Sailors gesucht, wenn es diesen Moment nicht gegeben hätte und auch alles was danach folgte, wäre wohl so nicht passiert. Es würde keinen Podcast in der Form geben, wahrscheinlich The Dudes nicht in der Form und eben auch diesen Blog nicht. Ich würde jetzt in dieser Sekunde nicht in einem Dortmunder Büro sitzen und die letzten 2 Jahre wären in meiner Freizeit komplett anders verlaufen.

Unfassbar was einzelnen Momente für Folgen haben.

Kommentare:

  1. Da muss ich Dir Recht geben, der Ausgleich im Pokalfinale war heftig und ging an die körperliche Belastbarkeit. Aber dennoch war schön, nein halt, er war gigantisch, nein halt, man kann diesen Moment eigentlich gar nicht in Worte fassen. Solche Momente sind magisch und kommen zum Glück nicht häufig vor. Denn sonst würde sich dieses absolute Glücksgefühl schnell abnutzen. Solche Momente müssen selten sein, damit man im Rückblick nicht einen dieser Momente vergisst!

    Grüße
    w+

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  2. Und Du gibst mir ja selten Recht :)

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  3. Schön geschrieben Marc und es trifft den Nagel auf den Kopf, selten so einen emotionalen Moment erlebt wie diesen!!!
    Extase PUR...

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