Freitag, 15. Januar 2010

Bin ich Ultra oder was?

Manchmal frage ich mich, ob ich nicht auch Ultra bin. Um die Frage gleich mal zu beantworten: Nein, bin ich nicht. Damit könnte ich das Blogpost natürlich auch gleich beenden. „Danke und tschüss, wir freuen uns, dass sie sich für MauriciusQ sein Blog entschieden haben“. Wäre aber irgendwie auch unbefriedigend für sie als Leser oder? Deswegen bekommen Sie von mir die Erklärung wie ich auf die Überlegung komme. Na gut und natürlich weil mich das Thema umtreibt, denn ich habe bis heute nicht verstanden, was einen Ultra denn so wirklich ausmacht. Also natürlich kenne ich, die Geschichte der italienischen Ultrabewegung im Überblick und auch die Entwicklung der deutschen ist mir so einigermaßen bekannt. Wobei ich nur wirklich kein Experte auf dem Gebiet bin oder jede Detailfrage beantworten könnte. Dazu bin ich halt zu wenig in der Szene aber für den Hausgebrauch reicht es.

Die Ultra-Szene übt auf mich schon alleine deswegen eine Faszination aus, weil sie die im Moment dominierende Fanbewegung ist. Mich interessieren Kulturen jeglicher Art im allgmeinen und die Fußballkultur im Besonderen. Deswegen kommt man meiner Meinung nach nicht drum rum sich kritisch aber solidarisch mit der Szene auseinanderzusetzen. Aber trotzdem bleibt halt die Frage: Was macht denn so einen Ultra aus? Jetzt könnte man antworten, dass Ultras kein offizielles Vereinsmerchandising tragen. Aber soweit ich weiß, gibt es in Bremen zwei Gruppen, die sich als Ultras definieren, aber durchaus Trikots tragen. Das scheint also keine brauchbare Kategorie zu sein. Lustigerweise kenne ich auch ein paar Leute, die sich jede Saison ein neues Trikot holen, dass aber nie anziehen würden. Was ja den Gedanken dahinter irgendwie auch ad absurdum führt.

Als weitere Definition des Ultras könnte man ins Feld führen, dass Ultras alles für den Verein geben, jedes Spiel mitnehmen und auch in ihrer Freizeit für den Verein da sind. Dann wäre ich aber auch Ultra, weil ich im Moment jedes Spiel fahre und meine Freizeit sehr stark von Arbeit für den Fanclub ausgefüllt ist. Mein Rhythmus wird inzwischen komplett von BVB und Fanclub bestimmt. Zwar gibt es auch Abende wo ich nichts mache, aber welche Abende das sind bestimme ich nur noch teilweise selber. Auf der anderen Seite kenne ich aber auch Leute, die sich als Ultras definieren, aber die im Moment auch weniger aktiv für den Verein sind. Also taugt auch diese Definition auch nicht so richtig.

Von der polemischen Definition über Windbreaker und Bauchtäschchen nehme ich gleich mal komplett Abstand. Denn auch wenn dieser Style bei vor allem jüngeren Ultras recht verbreitet ist: Nicht alles was Ultrastyle trägt ist auch einer. Der ist einfach im Moment angesagt. Das einzige, was als Definition einigermaßen taugt ist die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die sich als Ultra-Gruppe versteht. Zumindest ist das, das einzige was mir einigermaßen sinnvoll erscheint. Wobei das ja ausschließen würde, dass man als Einzelperson Ultra sein kann. Alles schwierige Scheiße.

Was diese Ultra-Definition angeht bin ich wirklich ratlos. Ich weiß, dass ich keiner bin, aber es muss doch auch eine objektive Abgrenzung zu dem Thema geben. Nicht, dass ich nachher doch noch Ultra bin, das gar nicht sein will, aber zwangsweise sein muss. Und bevor ich mich versehe, wache ich auf und habe ein Bauchtäschchen an mir. Und zwar festgewachsen. Also brauche ich irgendwas, was mich auch offiziell abgrenzt. Ist es der Einfluss der Gesänge? Singt man als ultra „italienischer“? Das wäre ja mal was, denn ich bin klar englisch geprägt. Allein schon altersbedingt. Wobei ich auch lange erklären könnte, warum der englisch geprägte Support dem italienischen überlegen ist. Aber da kann man auch lange drüber streiten.

Aber jetzt mal im Ernst: Was definiert denn „Ultras“ wirklich? Wenn man mal die Klischees außen vor lässt. Es gibt ja hier genug Leute, die sich mit der Szene auskennen, die bei mir mitlesen. Ich weiß natürlich, dass ich kein Ultra bin oder sein möchte, aber trotzdem sind ja meine obigen Punkte zwar überspitzt, aber nicht aus der Luft gegriffen.

Wer helfen kann, möge nach vorne treten. Ultras to the rescue!

Kommentare:

  1. Wenn du nicht weißt, was Ultrà definiert - warum weißt du dann, dass du keiner bist bzw. keiner sein willst?

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  2. Weil dazu gehören würde, dass ich mich als "Ultra" fühle. Ich sehe mich aber eher als "Fan" ohne da noch eine weitere Schubladen aufmachen zu müssen.

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