Samstag, 8. Januar 2011

Adieu 34. Spieltag

Wenn aktuell was schieflaufen kann, dann tut es das auch. Bei mir jagt ein privates Problem das andere und leider sind es auch alle essentielle Herausforderungen, die mich über den Jahreswechsel und Anfang des Jahres ziemlich schlecht haben schlafen lassen. Um es mal vorsichtig zu formulieren. Fußballtechnischer Tiefpunkt war der Umstand, dass ich am 34. Spieltag arbeiten muss. Und zwar nicht irgendwie im Büro so nebenbei, sondern auf Anschlag on location. Wir bringen da ein großes Projekt zu Ende. Ich werde also nicht mal Sky schauen können, sondern das Meisterwochenende – wenn es denn eines wird, das ist ja kein Selbstläufer – einfach völlig isoliert von Fußball verbringen. Mich haben ja einige Leute gefragt, ob ich nicht einfach frei nehmen kann oder krank machen. Ich kann das eine nicht und das andere kann und werde ich nicht. Das ist eben ein wichtiges Ding für unsere Firma. Und ich bin ja auch keine 14 mehr. So sehr ich Fußball liebe, meine Existenz hängt vom Job ab und ich kann nicht von Kunden erwarten, dass sie sich nach meiner Freizeitbeschäftigung richten. Das wäre ja hochgradig unprofessionell. Ganz abgesehen davon ist meine Firma wenn es um meinen Fußballkram geht hochgradig verständnisvoll. Das aber eben auch deswegen, weil ich verantwortungsvoll mit dem Thema umgehe.

Trotzdem ist es natürlich ein Treppenwitz, dass das erste Spiel was ich terminlich nicht fahren kann der 34. Spieltag ist. Natürlich ist es wie gesagt nicht sicher, dass wir Meister werden, aber die Vorstellung, dass wir die Schale hochhalten und ich nicht dabei bin reißt mir das Herz raus. Ich habe in der Nacht zu meinem Geburtstag pünktlich um 0 Uhr losgeflennt wie ein 5-jähriger und die Welt verflucht. Natürlich nicht nur wegen des Fußball-Themas. Das war so der letzte Tropfen der das Fass zum überlaufen brachte und es tat mir echt gut, dass die scheiße mal rauskam. Ebenfalls gut tat mir die Geburtstagparty gestern. Ein Haufen netter Leute und jede Menge Spaß. Ich habe richtig gute Laune heute.

Und das ganze Ding war auch ein Kick-Off. Ich bin die Tage vorher schon diverse Probleme angegangen und werde mich jetzt mal durchkämpfen. Aufgeben ist nicht. Das verpassen den 34. Spieltages habe ich zu verarbeiten auch angefangen. Klar wird mich das noch mehrmals elendig schmerzen, aber ich habe es nicht in der Hand das zu ändern, also muss ich mich damit arrangieren. Und besser wir werden ohne mich
Meister als mit mir nicht.

Es geht um den Verein und nicht um mich.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Das Video das mein Leben veränderte

Dieser Blog lebt ja von navigieren in dem Spannungsfeld zwischen Borussia, meiner Eitelkeit und dem Versuch meine Sicht der Welt zu erklären. Heute ist dann wohl mal das Thema Eitelkeit wieder dran. Wobei das eigentlich gar nicht stimmt. Es geht zwar um mich, aber diesmal eigentlich gar nicht darum meinen Narzismus zu befriedigen, sondern Euch an einem entscheidenden Wendepunkt meines Lebens teilhaben zu lassen.

Ich war ja lange Zeit – so von Anfang bis Mitte 20 – Tierrechtler. Ziemlich aktiv und so. Das ist von der Lebensweise dem Fußball-Leben gar nicht unähnlich, denn normalerweise ist man am Wochenende immer auf irgendwelchen Demos. Oder Tierrechtsveranstaltungen, Jagdsabotagen, Kongressen oder sonstigem Kram. Man kommt überall in Deutschland rum, trifft da Leute aus anderen Städten und verbringt Zeit zusammen. Und ab und zu ist man auch unter der Woche oder im Ausland unterwegs. Alles wie heute. Und natürlich doch ganz anders. Ich habe mich letztens mal gefragt, was aus der „Veganen Miliz Essen“ geworden ist und bin in dem Kontext auf einen Abschlussreader einer Tierrechtswoche in Hamburg gestoßen, die ich mit zwei weiteren Leuten vorbereitet hatte. War so eine typisch linke Veranstaltung. Ein Jahr Arbeit und dann ist der Kongress eskaliert, weil irgendwer irgendwem vorgeworfen hat er wäre faschistisch drauf. Als ich mir den Reader noch mal angeschaut habe, habe ich wirklich sehr schmunzeln müssen, über diesen Einblick in meiner Vergangenheit. Nicht, dass ich mich dafür schäme, aber die „-ismen“ flogen doch tief. Ich war jünger, radikaler und vor allem beruflich absolut perspektivlos.

Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Krankenpfleger habe ich als „Hauspfleger“ in Hamburg gejobbt und ansonsten eben für die politische Veränderung gelebt. Veganer waren damals noch weit mehr Außenseiter als sie das heute sind. Wir haben uns lange Zeit zu dritt in Dortmund und Witten getroffen, bevor ich dann nach Hamburg ging und ein andere von uns dreien die „Vegane Offensive Ruhrgebiet“ gründete, die dann recht schnell sehr durch die Decke ging. Ich war dann in Hamburg aktiv, aber logischerweise auch wieder oft im Pott, der sich zum Zentrum der deutschen aktiven Tierrechtsszene wandelte. Ich habe wirklich viele schöne Erinnerungen an die Zeit. Dass sich mein Leben dann gänzlich änderte habe ich tatsächlich eher einen Zufall zu verdanken. Oder anders gesagt: Wäre ich nicht Tierrechtler gewesen, wäre ich nicht bei Fernsehen gelandet. Denn 1994 wurde ich im Rahmen einer Demo gegen die „Dschungelnächte“ in Hagenbecks Tierpark als Sprecher für ein Kamerateam von Bravo TV ausgewählt. Ich habe den Beitrag letztens mal digitalisieren können und stelle den heute zur Verfügung. Meine Damen und Herren, sie sehen den ungeschützten, schonungslosen Blick in meiner Vergangenheit und den Beweis, dass ich mal wirklich dünn war. "Meine Fresse" sag ich nur.

Wie dem auch sei ich sagte nach dem Interview zur Pruducerin den Satz „Was muss ich denn machen um zum Fernsehen zu kommen?“ worauf die fragte „Würdest Du ein Praktikum machen?“ Ich wollte und war zwei Monate später als Praktikant bei Bravo TV. Und sechs Jahre später Leiter einer Abteilungeiner Redaktion mit 30 Leuten, einem Dienstwagen und einem Ego so groß wie ein Haus. Fernsehkarrieren in den 90ern waren echt komisch. Da weiß man woher der Sruch stammt: "Sei nett zum Pförtner, er könnte morgen Dein Chef sein".

Inzwischen hat sich das alles normalisiert. Ich habe einen Job in einer Firma, die mir wirklich am Herzen liegt und bin ziemlich weit weg vom Radikalismus der damaligen Zeit. Die mir übrigens eher vorkommt, als wäre sie 50 Jahre vorbei. Wobei ich natürlich immer noch politisch interessiert bin. Auch wenn wir Fanrechte inzwischen dann wichtiger sind als Tierrechte. Aber zu Hagenbeck würde ich immer noch nicht gehen und ich finde auch nach wie vor, dass man sich über seinen Fleischkonsum Gedanken machen sollte.

Und nun viel Spaß mit dem Video, dass mein Leben veränderte. Lachen über meine Optik ist ausdrücklich erlaubt.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Nie wieder Alkohol?

Die Polizei in Dortmund plant sich des Themas Alkohol in Zügen anzunehmen. Zwar gibt es in der Presse widersprüchliche Aussagen, ob es ein teilweises Alkoholverbot oder nur ein Glasflaschenverbot geben soll, aber man kann die Uhr danach stellen, wann das Thema mal wieder auf die Tagesordnung kommt. Das regt mich unfassbar auf, weil das wieder eine Einschränkung der Bürgerrechte ist. Es gibt 1000 Gründe gegen Alkohol zu sein. Dann bitte aber auch auf dem Oktoberfest oder anderen Volksfesten. Oder will mir die POlizei erzählen, da gäbe es keine Schlägereien? Wenn man das einseitig beim Fußball einschränkt, dann heißt das wieder nichts anderes als dass man Fans irgendwie als gefährlicher als den Rest der Menschheit ansieht. Das kann und darf nicht sein. Wie gesagt, man kann den übermäßigen Alkoholkonsum auf Veranstaltungen jeglicher Art durchaus kritisieren. Und das ist eine Diskussion, die man auch führen muss. Aber die Entscheidung, ob man was trinkt oder nicht muss letztlich jedem selbst überlassen werden. Sollte jemand dann unter Alkohol zum Straftäter werden, muss man den festnehmen und anzeigen. Und nicht vorab davon ausgehen, dass alles was trinkt potentiell gefährlich sein könnte. Das ist letztlich nicht anders als im normalen Leben. Wer mit dem Auto zur Kneipe fährt, hat wahrscheinlich ein höherer Risiko sich dann doch ins Auto zu setzen, wenn er was trinkt, als jemand der zu Fuß geht. Aber er wird eben erst ab dem Moment zum Regelbrecher, wo er losfahren will. Menschen sind für ihr Handeln verantwortlich. Diese Entscheidung darf ihnen niemand abnehmen, wenn wir nicht in einem autoritären Staat landen wollen.

Wenn man allerdings sagt, dass man keinen Staat will, der alles regelt, dann ist man auf der anderen Seite auch in der Pflicht sich Gedanken machen, wie man mit dem Thema „Suff und Fußball“ umgeht. Wer regelmäßig voll wie eine Eimer ins Stadion geht, muss sich fragen, ob er seinen Spaß nicht über die Sache als solche stellt. Jetzt werden nicht wenige Leute sagen: "Spinnt der" Der ist doch selber so ein Suffkopp" Stimmt auch. Allerdings habe ich meinen Alkoholkonsum in der letzten Zeit schon deutlich verringert. So bescheuert und extrovertiert ich auch bin, ich setze mich doch schon sehr oft kritisch mit mir auseinander. Und ich bin immer mehr der Überzeugung, dass Alkohol und Support nicht zusammenpassen. Man ist im Stadion um was zu bewegen, seinen Mannschaft zu unterstützen und im idealen Falle eben ein bisschen dazu beizutragen, dass man am Ende der Saison sagen kann, Wir haben es ZUSAMMEN geschafft. Es gibt aber recht wenige Dinge, die man mit Alkohol besser macht als ohne. Man fährt nicht besser Auto, man tanzt nicht besser und besser ficken tut man schon gar nicht. Man glaubt nur einfach, dass man besser wird. Oder anders formuliert: Es wird einem egal. Das gleich gilt auch für den Support. Auch der ist unter Alkoholeinfluss nicht besser. Ich will das jetzt alles nicht als bahnbrechende Erkenntnis verkaufen, aber manchmal braucht man halt länger um Sachen für sich klarzukriegen.

Und nach längerem nachdenken bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass sich bei mir final was ändern muss. Wie gesagt: Ich trinke schon deutlich weniger vor Fahrten, aber ich bin ein Fan davon sich selbst zu reglementieren. Deswegen habe ich für mich entschieden ab sofort auf Hinfahrten gänzlich auf Alkohol zu verzichten bis ich am Stadion bin. Ich halte das für zielführender und besser. Das gibt mir einfach Handlungsfreiheit mich am Stadion mit Leuten zu treffen und mit denen zu reden, ohne dass ich Konzentrationsschwierigkeiten habe. Und es gibt mir die Freiheit beim Support zu schnallen worauf es ankommt. Das heißt für mich nicht, dass ich am Stadion kein Bier trinke, denn das gehört für mich direkt vor dem Spiel auch schon dazu. Aber das ist eben was anderes als fünf bis zehn Bier auf dem Hinweg im Zug. Und nein, ich werde mich auch nicht kasteien, falls ich dann doch mal auf dem Hinweg ein Bier trinke, weil es gerade passt. Solange es eben nicht 10 sind und die Ausnahme, nicht die Regel. Auf dem Rückweg wird dann aber auch in Zukunft gefeiert. Nur falls einer glaubt, ich würde jetzt Mönch werden.

Zum Asket tauge ich dann doch nicht.

Dienstag, 4. Januar 2011

Hoffenheims Entzauberung oder: Den König spielen immer die anderen

Dietmar Hopp greift ins Tagesgeschäft bei der TSG Hoffenheim ein. Das scheint einige Sportjournalisten zu überraschen. Da fragt man sich ernsthaft, ob die die letzten Jahre auf dem Mind verbracht haben. Es ist natürlich zu begrüßen, dass es inzwischen Medienberichte gibt, sie sich mit Dietmar Hopps unterlaufen der 50+1 Regel kritisch auseinandersetzen, aber die Frage muss auch erlaubt sein, warum die breite Masse der Sportmedien sich diesem glasklarem Umstand bisher verschlossen hat. Denn es war doch von Anfang an glasklar und für einen Blinden mit Krückstock zu erkennen, dass es genau EINEN starken Mann in diesem sogenannten Verein gibt. Der Umstand, dass der das gerade jetzt mit einer Mischung aus Dummheit und Dreistigkeit sehr offen zeigt, ändert ja nicht am Umstand, dass es schon immer so war. Oder wie genau ist der Verein noch mal in die Bundesliga gekommen?

Trotzdem ist aber gut, dass man sich auch öffentlich mit dem Thema auseinanderzusetzen beginnt und es ist zu hoffen, dass es nicht nur ein kurzes Aufflammen ist, sondern das sich einige Medien auch mal langfristig mit dem Thema auseinandersetzen. Das erwarte ich einfach von jemand, der sich selbst „Journalist“ nennt, dass er sich ernsthaft mit einem Thema befasst. Nicht jeder Artikel muss gleich Pulitzerpreis-würdig sein, aber ein bisschen rationale Analyse kann nicht schaden. Auch wenn der Aufsteiger die Hinserie als Herbstmeister abschließt ist das kein Grund sich Kritik zu versagen, sondern im Gegenteil eher ein Grund noch genauer hinzuschauen. Aber man hat ja - vom kurzfristigen Glanz des Erfolges geblendet - lieber die kritischen Fans als "Neider" hingestellt.

Zum Glück scheint das Projekt Hoffenheim langsam zu bröckeln. Noch lange nicht so wie es sein müsste, aber immer mehr Leute bekommen mit, dass bei diesem vereinsähnlichen Gebilde irgendwas schief läuft. Ein neuer Bundesligist entlässt seinen Trainer, obwohl die Firma auf Platz 8 steht, weil der Coach sich mit dem Chef nicht mehr versteht, der aber eigentlich gar nicht der Chef sein dürfte. Dass die Medien sich mit dem Thema Hoffenheim ernsthaft auseinandersetzen sollte man übrigens auch in deren eigenen Interesse hoffen. Denn das Interesse an Hoffenheim ist doch relative gering, wenn der Club im Mittelmaß versinkt. Wer Auflage verkaufen und Clicks generieren will sollte ein vitales Interesse daran haben, dass die Bundesliga mit Clubs belebt wird bei denen auch Leute gibt, die sich dafür interessieren. Was da passiert.Das wird vielleicht irgendwann auch der Kicker merke, die Hauspostille aller Kunstprojekte, der wirklich jeder journalistische Anspruch ans Gesamtprodukt Bundesliga fehlt. Die werden wahrscheinlich die letzten sein, die das mitbekommen, aber das dann als ganz neue Erkenntnis verkaufen. Und so lange diskutieren Sie über die "Linke Außenbahn, offensiv".

Es ist für die Liga als solches katastrophal, wenn Vereine die mit einem Charme ausgestatten sind neben dem Arminia Bielefeld strahlt wie die Sonne die Liga füllen. Wolfsburg als Meister hat schon niemanden interessiert und die Ablösung von Rangnick hat außerhalb des realsatirischen 1899-Forums auch keinen von innen bewegt. Das ist dramatisch. Eine Liga lebt davon, dass alle etwas besser wissen, falsch finden, zustimmen, sich streiten. Der Esprit den die TSG Hoffenheim und seine nicht vorhandenen Fan versprühen kommt dem eines leeren Schuhkartons gleich. Den kann man natürlich schön verpacken und sich von der Hoffnung blenden lassen, dass da was tolles drin ist. Aber wenn man den geöffnet hat wird es bitter. Fußball funktioniert nichts ohne Fans. Und das gilt für die Liga als solches genauso wie für ihre Begleitmedien. Wer an seinem Job auch langfristig Interesse hat, sollte sich nicht zum Steigbügelhalter von Kunstprodukten machen. Man kann nur hoffen, dass man für die nächste Nagelprobe Rasenball Leipzig was gelernt hat. Der Schuhkarton dort ist nicht weniger grau. Es sei jedem Journalisten, Funktionär und Fußballinteressierten die alte Theaterregel ins Stammbuch geschrieben: Den König spielen immer die anderen.

Ein Verein kann nur so groß werden wie sein Fans und Größe ist nicht mit dem Tabellenstand gleichzusetzen.

Montag, 3. Januar 2011

Die Parallelwelt namens Fußball

Irgendjemand – wer auf den Unsinn gekommen ist weiß ich auch nicht – hat ja mal behauptet, dass es beim Fußball ums Gewinnen gehen würde. Was natürlich absoluter Unsinn ist, denn wenn das der wahre – und nicht nur der vorgeschobene – Grund wäre, wären nicht so viele Leute Fans von Arminia Bielfeld, VfL Bochum oder dem Karlsruher SC. Gut, unwissende Geister könnten nun damit argumentieren, dass es mehr Fans vom FC Bayer gibt als Anhänger dieser drei Vereine zusammen, aber wer mal in deren Stadion war, der weiß um die Traurigkeit von deren Existenz und davon, dass Siege alleine nicht glücklich machen. Und auch wir freuen uns zwar über den derzeitigen Erfolg, aber merken schon wie sich im Hintergrund das Gift einschleicht.

Nein, Siege sind schön und gehören dazu, sind aber nicht der eigentliche Anlass dieser Zusammenkunft. Man geht ja auch nicht in die Kirche damit man möglichst bald im Lotto gewinnt. Religion ist nicht so profan. Weder in der Kirche noch im Stadion. Man ist eher beim Fußball um sich ein bisschen besonders zu fühlen: Wir sind anders, besser und geiler als der Rest. Machen wir es einmal anschaulich: Wir haben Angst vor der nächsten Steuererklärung, verlieren unseren Job und der Hund ist krank, aber immerhin sind wir keine Fans eines Vorort-Vereines aus der hässlichen Stadt im Ruhrgebiet. Wir können also gar nicht so tief sinken, wie andere schon immer sind.
Und so fühlen sich auch wohl alle anderen Fans irgendwie ganz besonders. Und sei es wie die Bielefelder ganz besonders leidensfähig. Oder wie die Bochumer ganz besonders grau. Das ist ja auch eine Leistung Fan des mit Abstand unattraktivsten Clubs westlich des Mississippi zu sein. Ganz im Ernst: Wenn man Fan des VfL ist hat man es ja echt nicht leicht: Niemand interessiert sich für den Verein (nicht mal in Bochum), man gewinnt nie was und rein stimmungstechnisch ist auf der Cranger Kirmes auch mehr los. Zumindest wenn wir da nicht zu Gast sind. Die Herren Goosen und Redelings spielen ja nicht umsonst mit dem Thema.

Beim Fußball geht es darum in eine Parallelwelt abzutauchen. Egal wie groß meine Sorgen sind, wenn ich beim Fußball bin reduziert es sich auf die einfache Frage – und hier kommt dann doch wieder der Erfolg ins Spiel – „Wir oder die?“. Und egal wie groß die Sorgen sind, die man mit dem Club hat – Gruß an die VfB Fans – es sind immer noch andere als die alltäglichen beim Kampf um die Existenz. Es geht um Gemeinschaft, um gemeinsames Gewinnen, Verlieren, Ertragen, Feiern. Fußball ist eine Welt neben der Welt. Und es ist die deutlich bessere.

Wer zum Fußball geht um zu gewinnen, dem wird sich das eigentliche Wesen dieses Sports nie erschließen.

Sonntag, 2. Januar 2011

Wenn die Leute schlafen müssen wir zu Weckern werden

Ich denke einige haben es über den Thread bei Schwatz-gelb schon mitgekommen, aber beim FC St. Pauli tobt gerade ein Kampf zwischen der Führungsspitze des Vereins und einem großen Teil der Fanszene, darum – verkürzt gesprochen – wie weit der Verein das Vermarktungsspiel mitmacht. Wer es bisher nicht mit bekommen hat, dem sei die Erklärung der Sozialromantiker-Ini empfohlen. Ebenfalls anempfehlen würde ich Euch den Blogpost Auf ein Wort Herr Schulte. In diesem finde ich mich und mein Verständnis von Fußball hervorragend wieder. Und das völlig unabhängig von meiner Grundsympathie für den FC St. Pauli. Denn es geht dabei nicht darum, welchen Verein man sympathisch findet und welchen nicht.

Für mich ist klar, dass ich in einem Konfliktfalle zwischen Vereinsführung und Fanbasis prinzipiell erst mal auf Fanseite stehe, wenn die nicht völligen Humburg fordern. Da geht es auch nicht um Sympathie oder Antipathie, sondern um die Zukunft des deutschen Fußballs. Und da hilft es auch nichts darauf zu verweisen, dass die St. Paulianer „auch Kommerz betreiben“. Das tun alle Bundesligisten. Sonst hat man in der Liga keine Chance. Wichtig ist, dass wir versuchen gegen Vermarktungs- und Eventexzesse so lange wie es geht Widerstand zu leisten. Wir sind in Dortmund eine KGaA, haben ein Stadion auf dem der falsche Name steht, die Bezahlkarte und jede Mengeanderen Kram. Auf der anderen Seite verweigern wir uns z.B. dem dreifachen Rufen des Namens der Torschützen und dem „Bitte / Danke“ Müll, der in fast allen Stadien Einzug gehalten hat.Und das soll auch so bleiben. All das sind aber keine Selbstverständlichkeiten, sondern Dinge, die von der aktiven Fanszene erkämpft bzw. werden müssen. Das Bewahren von Traditionen wird - in Bezug auf Fankultur - nicht von den Vereinsführungen ausgehen. Die stehen einfach zu sehr unter Vermarktungsdruck. Daher muss es hier von der Basis einen Gegendruck geben.

Natürlich geht es nicht darum zurück in die 70er zu fallen, sondern darauf zu achten, dass Vermarktung und Werte im Einklang stehen. Ich habe das vor anderthalb Jahren mal mit „Für den halbmodernen Fußball“ versucht zu umschreiben. Das ganze ist übrigens auch im Sinne der Vereinsführungen. Denn Nachhaltigkeit setzt den erhalt von Werten vorraus. Wenn du für nichts mehr stehst hast du nichts, was Du vermarkten kannst.

Wenn ich auf was neidisch bin beim St. Pauli, dann um den relativ hohen Anteil von aktiven Fans, die eben Fußball nicht nur als Event sehen, sondern Werte bewahren wollen. An deren Besser-Fan-Attitüde gibt es eine Menge zu kritisieren, aber aktiv sein ist einfach wichtig. Wer wissen will warum, der sei darauf verwiesen, dass deren Stadion Millerntor heißt und das Bezahlsystem verhindert wurde. Es gibt im Leben einfach nichts umsonst und wenn wir wollen, dass Fußball mehr bleibt als eine Show mit hohem Unterhaltungswert, dann müssen wir was dafür tun. Klar, war es Jürgen Klopp, der letztlich dafür gesorgt hat, dass die Evonik-Fahne vor der Süd wegkommt, aber doch eben nur, weil man das eben nicht klaglos hingenommen hat. Und die Kein Zwanni-Kampagne hat ja auch gezeigt, wie viel Möglichkeiten wir haben. Wir sind Subjekt in diesem Spieln, nicht Objekt.

Ich würde mir wünschen, dass sich mehr BVB Fans aktiv einbringen, denn wer soll es machen, wenn nicht wir? Wenn wir wollen, dass der BVB unsere Werte repräsentiert, dann müssen wir eben auch klar machen, was diese Werte sind. Wenn wir uns über Eventfans aufregen, die nur und ausschließlich bespaßt werden wollen, dann müssen wir eben auch mehr tun als die. Wenn wir uns über die Traditionslosigkeit der Hopp-Fans aufregen müssen wir dafür sorgen, dass unsere Tradition weitererzählt wird.

Und wenn die große Masse vor sich hin schläft müssen wir alle zu Weckern werden.

Samstag, 1. Januar 2011

Hamburg schwarz-gelb 2010 – (K)ein Fazit

Das neue Jahr hat begonnen. Ich mag den 1. Januar, denn ich mag den Aufbruch und ich mag neue Dinge die vor der Tür stehen. Und ich mag vor allem die erste Jahreshälfte, weil ich Licht liebe und mich einfach freue, wenn es jeden Tag heller wird. Trotzdem erlaubt mir noch mal einen letzten Blick zurück auf mein Blog-Jahr 2010. Ich habe im April 2009 damit angefangen diesen Blog zu schreiben, dass heißt, das vergangene Jahr war das erste komplette das „Hamburg schwarz-gelb“ erlebt hat. Und es war ein verdammt erfolgreiches. Nicht nur fußballerisch.

Über 97.000 einzelne User hatte dieser Blog in 2010 zu verzeichnen, was echt Wahnsinn ist. Natürlich sind das nicht 97.000 einzelne Menschen, aber 97.000 mal hat sich ein Mensch dazu entschieden diesen Blog aufzurufen oder zu clicken. Die monatliche Leserschaft hat sich von Januar 2010 (5.336 User) bis Dezember 2010 (12.433 User) mehr als verdoppelt. Ich bin eitel genug mich darüber zu freuen. Zwar ist die Motivation diesen Blog zu führen immer noch eine ganz persönliche, aber trotzdem gibt einem das die Energie, wenn man mal keine Lust hat und weiß, dass es da draußen Leute sind, die darauf warten, was ich schreibe. Die Motivation hier zu lesen ist natürlich sehr unterschiedlich: Es gibt Leute die mich mögen, Menschen die sich bei der Beschreibung meines Seelenlebens getroffen fühlen, Leute die mich abgrundtief scheiße finden und sich einfach über mich aufregen möchten. Mir ist jeder Beweggrund recht. Ich bin zu sehr vom Privatfernsehen geprägt: Ich möchte Leute unterhalten. Und so lange die Leser wiederkommen tue ich das. Auf jede erdenkliche Art.

Es ist nicht mein Anspruch Leute zu belehren, bekehren oder meine Weltsicht aufzudrücken. Wenn sich irgendwer hier wiederfindet und einfach gut unterhalten fühlt reicht mir das. Und ich würde mich freuen, wenn ich den einen oder anderen zur Reflektion seines eigenen Weltbildes anstoßen kann. Nach wie vor gilt wenn Leute sagen, dass ich ein Idiot bin finde ich gut. Ich kann immer noch besser mit Menschen umgehen, die mich scheiße finden. Da hat man das eine Diskussionsgrundlage und ein Gesprächsthema. Und es gibt eine Menge berechtigte Gründe mich scheiße zu finden. Ich habe über den Blog einige Leute kennengelernt, die mich abgrundtief scheiße fanden und die ich inzwischen sehr zu schätzen weiß. Wer mich blöd findet kann so schlecht nicht sein. Schade finde ich es halt nur, wenn diese Leute wie Arno Nühm das zwar immer rausposaunen was für ein Hirni ich bin, aber nicht die Eier haben mir das mal persönlich zu sagen. Von Plette lernen heißt siegen lernen.

Ansonsten finde ich es spannend wie sehr mir dieser Blog eine Möglichkeit meine Entwicklung zu dokumentieren. Das meiste was ich hier schreibe ist spontan. Ich habe zwar eine Ideenliste mit Themen, die ich gerne mal bearbeiten würde, doch meisten fällt mir morgens spontan, was ich niederschreibe oder ich habe keine Idee, schaue auf die Ideeliste, kann mit den Themen nichts anfangen und schreibe was ganz anderes. Oder fange vorne mit irgendwas an ohne eine Idee zu haben, wie ich das zu Ende bringe könnte. Dabei kommen eben alle Facetten meiner Persönlichkeit zum Vorschein. Auch wenn MauriciusQ nicht deckungsgleich mit Marc ist und die Sachen natürlich immer zuspitz, sind hier alle Facetten von Marc vertreten. Vom seriösen nachdenklichen, über den vom Leben gelangweilten, dem naiven begeisterungsfähigen, dem hassenden, dem ironischen, dem reflektierenden und dem sich in seinen psychischen Defiziten weidenden. Postings mit Anspruch oder völlig sinnfreie. Posting mit absolut unreflektierte Selbstüberhöhung und Postings mit Selbstreflektion. UndsSelten bis nie Postings mit denen ich zufrieden bin. Ich werde auch 2011 was das angeht nicht anders werden, aber der Blog wird am Ende des Jahres wohl anders aussehen als am Anfang. Weil ich mich weiter entwickeln werde und damit auch dieser Blog.

Und wenn ich mal ganz alt bin kann ich das alles noch mal nachlesen.