Donnerstag, 29. Januar 2015

Der BVB im Swingerclub - Oder: Die geilste Sekte der Welt


Mit dem Aufstreben des BVB –  ab der Teilnahme an den europäischen Wettbewerben und nach den Meisterschaften natürlich eh– ist die Borussia immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Und zwar auch jenem Teil der Öffentlichkeit, der nicht BVB-affin ist. Das führt zu manch Gutem, wie den einen oder anderen wirklich fundierten Artikel – Gruß an Jochen Tittmar von Spox.com – aber natürlich überwiegend zu dem üblichen Unsinn des immer hektischer Werdenden digitalen Geschäftes. 


Die Kollegen von Sport1 versuchen z.B.stets aus einem Nebensatz eine Geschichte zu konstruieren. Die übliche Nummer läuft dann so, dass Mats Hummels im Interview mit bspw. der FAZ sagt, dass er gerne Wasser trinkt, der Daily Mirror dann "Hummels hates britisch ale" titelt und Sport1 "Hummels sagt nein zu britischem Bier" daraus macht.  Die BILD hat es da einfacher und phantasiert sich gleich ohne Realitätsbezug irgendwas zusammen. Motto: "So könnte es gewesen sein". Ich nehme das den wenigsten Kollegen wirklich übel. Die machen ihren Job so wie es zum Medium passt. Trotzdem: MIR GEHT DAS AUF DIE EIER!  


Es ist wie im Swingerclub: Jeder hässliche Schnauzbartträger versucht seinen ungewaschenen Lümmel mal eben reinzuhalten. Den mit weitem Abstand sinnfreisten Beitrag hat gerade Oliver Fritsch für die ZeitOnline fabriziert . Bzw. sein Interviewpartner Wolfram Eilenberger. Eilenberger ist Philosoph und Chefredakteur des "Philosophie-Magazins". Um Wikipedia zu zitieren „Eilenbergers publizistisches Schaffen zeichnet sich durch eine Anwendung philosophischer Perspektiven auf Fragen der Politik, der Alltagskultur  und des Sports aus“. AHA! Danke fürs Gespräch. 


Eilenbergers Beitrag zum BVB zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er es schafft eine These soweit zu verquasen, dass er damit ein ganzes Interview füllt und sich als selbstverliebter Sack demaskiert. Nichts gegen selbstverliebte Säcke – ich bin selber einer – aber das Talent muss auch mit dem Ego im Einklang stehen. Vielleicht tue ich Eilenberger Unrecht und der ist ein riesiges Talent.Jeder kann ja irgendwas. Wenn ich sein Interview zum BVB lese beschleichen mich aber Zweifel, dass er mehr kann als dumm quatschen. Und ja, ich mag ungerecht sein, aber ich habe diesen Menschen seit gestern echt gefressen. 


Seine These zur aktuellen Situation ist die, dass der BVB sich aus Dankbarkeit für seine Erfolge zu sehr auf Jürgen Klopp fixiert hat und ihn deswegen nicht entlässt, was dem BVB schaden würde. Das ist eine durchaus interessante Perspektive, die man auch argumentativ untermauern könnte, wenn man will. Eilenberger wollte aber nicht, sondern schwadroniert von Sektentum, Wengerisierung und anderem Zeug.  Lest den Unsinn einfach selber, falls ihr es noch nicht getan habt. Aber Vorsicht: Im Ergebnis führt es dazu, dass man permanent lachend mit dem Kopf auf den Tisch aufschlägt. Si tacuisses, philosophus mansisses. Nie war der Satz wohl passender. 


Ich finde es wichtig, dass wir uns als Borussen von diesem ganzen Unfug nicht beeinflussen lassen. Wir stecken als BVB in der schwersten -  sportlichen - Krise seit 1985/1986 und haben zuvor die geilsten Jahre der sportlichen Geschichte des Ballspielvereins erlebt. Wir erfahren also mal wieder am eigenen Leib, was unseren Club so besonders macht:  Dass wir nämlich alles können: Von richtig gut bis richtig scheiße. 


Nur um es noch mal vor Augen zu führen: In 11 Jahren sind wir von der faktischen Pleite, zu zwei deutschen Meisterschaften, Double und Championsleague-Finale aufgestiegen.Und nun müssen wir dieses Jahr wirklich kämpfen um nicht abzusteigen. Diese Saison ist dabei die wichtigste, denn der Abstieg wäre eine unfassbare Katastrophe. Aber niemand genau deswegen will niemand von uns diesen Verein jemals eintauschen. 


Es kann sein, dass wir irgendwann feststellen, dass es mit Jürgen Klopp nicht geht. Niemand ist größer als der Verein. Auch nicht Klopp. Ich glaube aber nicht, dass seine Entlassung die Lösung ist, weil ich denke, dass Klopp in der Lage ist aus den massiven Fehlern die gemacht wurden zu lernen. Und ich langfristiges Arbeiten ist immer – auch und gerade  in der Krise – besser als hektische Scheinkorrekturen. Sonst wäre der HSV schon lange Meister. Trotzdem gilt es aber als Verein, Fans, Trainer und Mannschaft wachsam zu sein. Denn diese Krise erfordert von uns allen das Maximum.


Von was wir uns aber frei machen müssen sind „Analysen“ externer Pappnasen, scheißegal ob das Ex-Spieler, Ex-Trainer, Journalisten, Philosophen oder pelzige Bewohner vom Melmac sind. Diese Analysen setzen immer den Status Quo als Zukunftsbild voraus. Waren wir von kurzem zusammen mit den Bayern noch uneinholbar, Teil der spanischen Verhältnisse und„Europe´s hottest club“, hat sich Klopp und der BVB jetzt halt überlebt. Wir müssen diesen Kappes als das nehmen, was er ist: Folkore, die Zeitungen verkaufen soll und Clicks generieren. Nichts von dem ist verwerflich, aber es darf nie Grundlage unserer Analyse sein.


WIR Borussen müssen hart mit UNS selbst ins Gericht gehen und uns analysieren. Klopp, Watzke und Zorc das Team und die sportlichen Belange, wir die Tribüne. Dabei muss unser einziges Ziel sein unseren BVB weiter nach vorne zu bringen. Was Nicht-Borussen denken ist dabei egal.Völlig. 


Eilenberger würde das wohl "sektenhaft" nennen: Ich nenne es: "Wir sind der geilste Club der Welt."



Keine Kommentare:

Kommentar posten