Donnerstag, 29. Januar 2015

Der BVB im Swingerclub - Oder: Die geilste Sekte der Welt


Mit dem Aufstreben des BVB –  ab der Teilnahme an den europäischen Wettbewerben und nach den Meisterschaften natürlich eh– ist die Borussia immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Und zwar auch jenem Teil der Öffentlichkeit, der nicht BVB-affin ist. Das führt zu manch Gutem, wie den einen oder anderen wirklich fundierten Artikel – Gruß an Jochen Tittmar von Spox.com – aber natürlich überwiegend zu dem üblichen Unsinn des immer hektischer Werdenden digitalen Geschäftes. 


Die Kollegen von Sport1 versuchen z.B.stets aus einem Nebensatz eine Geschichte zu konstruieren. Die übliche Nummer läuft dann so, dass Mats Hummels im Interview mit bspw. der FAZ sagt, dass er gerne Wasser trinkt, der Daily Mirror dann "Hummels hates britisch ale" titelt und Sport1 "Hummels sagt nein zu britischem Bier" daraus macht.  Die BILD hat es da einfacher und phantasiert sich gleich ohne Realitätsbezug irgendwas zusammen. Motto: "So könnte es gewesen sein". Ich nehme das den wenigsten Kollegen wirklich übel. Die machen ihren Job so wie es zum Medium passt. Trotzdem: MIR GEHT DAS AUF DIE EIER!  


Es ist wie im Swingerclub: Jeder hässliche Schnauzbartträger versucht seinen ungewaschenen Lümmel mal eben reinzuhalten. Den mit weitem Abstand sinnfreisten Beitrag hat gerade Oliver Fritsch für die ZeitOnline fabriziert . Bzw. sein Interviewpartner Wolfram Eilenberger. Eilenberger ist Philosoph und Chefredakteur des "Philosophie-Magazins". Um Wikipedia zu zitieren „Eilenbergers publizistisches Schaffen zeichnet sich durch eine Anwendung philosophischer Perspektiven auf Fragen der Politik, der Alltagskultur  und des Sports aus“. AHA! Danke fürs Gespräch. 


Eilenbergers Beitrag zum BVB zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er es schafft eine These soweit zu verquasen, dass er damit ein ganzes Interview füllt und sich als selbstverliebter Sack demaskiert. Nichts gegen selbstverliebte Säcke – ich bin selber einer – aber das Talent muss auch mit dem Ego im Einklang stehen. Vielleicht tue ich Eilenberger Unrecht und der ist ein riesiges Talent.Jeder kann ja irgendwas. Wenn ich sein Interview zum BVB lese beschleichen mich aber Zweifel, dass er mehr kann als dumm quatschen. Und ja, ich mag ungerecht sein, aber ich habe diesen Menschen seit gestern echt gefressen. 


Seine These zur aktuellen Situation ist die, dass der BVB sich aus Dankbarkeit für seine Erfolge zu sehr auf Jürgen Klopp fixiert hat und ihn deswegen nicht entlässt, was dem BVB schaden würde. Das ist eine durchaus interessante Perspektive, die man auch argumentativ untermauern könnte, wenn man will. Eilenberger wollte aber nicht, sondern schwadroniert von Sektentum, Wengerisierung und anderem Zeug.  Lest den Unsinn einfach selber, falls ihr es noch nicht getan habt. Aber Vorsicht: Im Ergebnis führt es dazu, dass man permanent lachend mit dem Kopf auf den Tisch aufschlägt. Si tacuisses, philosophus mansisses. Nie war der Satz wohl passender. 


Ich finde es wichtig, dass wir uns als Borussen von diesem ganzen Unfug nicht beeinflussen lassen. Wir stecken als BVB in der schwersten -  sportlichen - Krise seit 1985/1986 und haben zuvor die geilsten Jahre der sportlichen Geschichte des Ballspielvereins erlebt. Wir erfahren also mal wieder am eigenen Leib, was unseren Club so besonders macht:  Dass wir nämlich alles können: Von richtig gut bis richtig scheiße. 


Nur um es noch mal vor Augen zu führen: In 11 Jahren sind wir von der faktischen Pleite, zu zwei deutschen Meisterschaften, Double und Championsleague-Finale aufgestiegen.Und nun müssen wir dieses Jahr wirklich kämpfen um nicht abzusteigen. Diese Saison ist dabei die wichtigste, denn der Abstieg wäre eine unfassbare Katastrophe. Aber niemand genau deswegen will niemand von uns diesen Verein jemals eintauschen. 


Es kann sein, dass wir irgendwann feststellen, dass es mit Jürgen Klopp nicht geht. Niemand ist größer als der Verein. Auch nicht Klopp. Ich glaube aber nicht, dass seine Entlassung die Lösung ist, weil ich denke, dass Klopp in der Lage ist aus den massiven Fehlern die gemacht wurden zu lernen. Und ich langfristiges Arbeiten ist immer – auch und gerade  in der Krise – besser als hektische Scheinkorrekturen. Sonst wäre der HSV schon lange Meister. Trotzdem gilt es aber als Verein, Fans, Trainer und Mannschaft wachsam zu sein. Denn diese Krise erfordert von uns allen das Maximum.


Von was wir uns aber frei machen müssen sind „Analysen“ externer Pappnasen, scheißegal ob das Ex-Spieler, Ex-Trainer, Journalisten, Philosophen oder pelzige Bewohner vom Melmac sind. Diese Analysen setzen immer den Status Quo als Zukunftsbild voraus. Waren wir von kurzem zusammen mit den Bayern noch uneinholbar, Teil der spanischen Verhältnisse und„Europe´s hottest club“, hat sich Klopp und der BVB jetzt halt überlebt. Wir müssen diesen Kappes als das nehmen, was er ist: Folkore, die Zeitungen verkaufen soll und Clicks generieren. Nichts von dem ist verwerflich, aber es darf nie Grundlage unserer Analyse sein.


WIR Borussen müssen hart mit UNS selbst ins Gericht gehen und uns analysieren. Klopp, Watzke und Zorc das Team und die sportlichen Belange, wir die Tribüne. Dabei muss unser einziges Ziel sein unseren BVB weiter nach vorne zu bringen. Was Nicht-Borussen denken ist dabei egal.Völlig. 


Eilenberger würde das wohl "sektenhaft" nennen: Ich nenne es: "Wir sind der geilste Club der Welt."



Dienstag, 27. Januar 2015

Abstieg ist wie Genitalherpes

Am Samstag startet unser geliebter BVB in die Rückrunde. Ich freue mich wie Bolle den Ballspielverein wieder in Aktion zu sehen. Leben ohne Fußball ist maximal Existenz. Aber so sehr ich heiß auf die Rückrunde bin: Ich weiß, dass es nicht schön wird. Im Gegenteil. Es wird schlimm. Was auf uns wartet sind 17 Spieltage Abstiegskampf. Ich habe nicht die Spur eine Hoffnung, dass unsere Mannschaft - wie durch ein Wunder kuriert - nun von Sieg zu Sieg eilt. Dazu war zu viel in der Hinrunde zu schlecht. Und wir haben nach wie vor massiv (neue) Verletzte. Ich habe leider die Befürchtung, dass es SEHR eng wird, denn wir können keinen Abstiegskampf.

Natürlich sind da auch Spieler bei, die Erfahrungen haben, wie es ist unten zu spielen. Ginter, Gündogan, Kehl, Ramos…. aber die haben da auch nicht unter der Woche Championsleague gespielt und dachten sie werden mindestens Zweiter. Mindestens genausoviel Sorgen wie Leistung der Mannschaft macht mir aber die Einstellung der Fans. Wir waren ja alle etwas gelangweilt im letzten Jahr, weil es eben um nichts Wesentliches ging. Man war halt Zweiter oder Dritter und spielte CL. Gut, wer Spiele unter Thomas Doll ertragen musste hätte damals für dieses Szenario getöten, aber nach den zwei bzw. drei geilsten Jahren die man als Fan je erleben durfte, war das ganze eben doch schon Normalität. Weder nach oben noch nach unten ging was. Und es fehlte das Gefühl was Fußball ausmacht. Der Kampf ums Ganze.

Jeder von uns hat vor dem Spiel gegen Hopps Plastiktruppe das Kribbeln geliebt. Das macht Fußball aus. Trotzdem dürfen wir uns daran nicht zu sehr erfreuen. Denn es geht um verdammt viel. Im SG-Forum meinte letztens jemand ein Abstieg wäre ein amüsantes Szenario. Stimmt. So witzig wie Genitalherpes. Kribbelt ja auch schön. Aber im Gegensatz zu diesem dauert die Heilung auch länger. Wenn wir Absteigen kann sich jeder BVB Fan schon mal Montags und evtl. Dienstags Urlaub nehmen, weil SPORT1 die größte Party in der Firmengeschichte. Montags nach Aue ist vom Aufwand wie Championsleague in Scheiße. Entweder zwei Tage unterwegs oder am nächsten Tag total müde. Gratulation. Mann ist das amüsant.

Leider ist meine Befürchtung, dass viele Fans den Abstieg immer noch als theoretisches Szenario sehen und dann so am 28. Spieltag begreifen, dass es a) nicht witzig und und b) real. Und dass es dann zu spät ist noch was zu drehen. Wir haben es mit Konkurrenten im Abstiegskampf zu tun für die das normal ist. Der HSV kennt das die letzten Jahre, der VfB Stuttgart auch und von Freiburg brauchen wir nicht zu reden. Gerade letzterer geht mit dem Wissen in die Saison, dass es nur darum geht den Abstieg zu vermeiden. Ich denke, dass der Druck auf unser Team da 1000 mal höher sein wird. Ich fürchte, dass die BVB- Fans im Abstiegskampf eben panisch werden. Und Panik ist das letzte was wir jetzt gebrauchen können. Was wir aber noch weniger brauchen ist Selbstzufriedenheit und ein „Wir steigen doch eh nicht ab Gefühl“. Was ich auch von Außen immer wieder höre.

 Die Titanic war übrigens auch unsinkbar.

Samstag, 17. Januar 2015

Schräge Scheiße - Fuball in Vietnam

Hamburg schwarz-gelb ist ja wieder aktiv. Bevor ich mich aber um den BVB kümmere, werde ich aber noch ein paar mal "fremdgehen". Wie der geneigte Leser vielleicht weiß, bin ich ja im Moment im Urlaub in Vietnam, weswegen ich gerade einen anderen Blick auf die Geschehnisse in Dortmund habe. Bei den ersten Meldungen über Verletzungen bin ich dafür gerade auch sehr dankbar. Und ja: Wenn ich in Deutschland bin gibt es auch hoffentlich wieder Absätze. Irgendwie hat der Mini-Laptop mit dem ich hier arbeite Probleme. Dass für mich ein Urlaub ohne Fußball irgendwie scheiße ist, ist jetzt nicht so überraschend und so traf es sich ganz gut, dass die vietnamesische 1. Liga am 04.Januar wieder den Betrieb aufgenommen hat. Dummerweise ist Vietnam groß, so dass ich erst am 2. Spieltag eines Matches habhaft werden konnte, was auch in der Nähe ist, wo ich bin. Das Erlebnis bei der Partie Dongtam Longa An gegen Hoang Anh Gia Lai wurde am Ende dqann aber so schräg wie die Namen der beiden Clubs in europäischen Ohren klingen und war auf jeden Fall einen Besuch Wert. Und vor allem bestätigte sich wieder die alte Regel, dass man Fußball einfach nicht planen kann und es immer anderes kommt als man denkt Aber der Reihe nach. Tan An ist die Hauptstadt der Provinz Long An im Mekong Delta und hat als Stadt nicht viel zu bieten. Eigentlich nichts. Das Gelsenkirchen Vietnams. Sie wird nicht mal im Reiseführer erwähnt. Einer der Städte, die Du nur siehst, wenn Dich der Fußball hierher treibt. Ich mag das ja. Selbst Gelenkirchen lebt ja von der Faszination, dass es so einen schlimmen Ort wirklich gibt. Wir waren mit vier Leuten vor Ort von denen ich der einzige "richtige" (ja,ja, ich weiß) Fußball-Fan war. Die Frage, ob man sich um Tickets kümmern müsste, hatte ich mit einem bestimmten "Quatsch, das wird kein Problem" von mir gewiesen. In der Tat hatte ich mir wirklich die Zuschauerzahlen angeschaut und die lagen zwischen 2.000 und 6.000, was bei einem 19.000er Stadion nun wirklich kein Problem sein sollte. Dachte ich so. Aber we mein Vater immer sagte: "Dachte sind keine Lichter und Arschlöcher keine Gesichter". Als wir nach der Stadttour am Stadion ankamen war es nämlich - eine Stunde vor Anpfiff - schon brechend voll. Was mich ein wenig überraschte. Als ob der Frage wo man Karten kaufen könne, endlich wer gefunden war, der Englisch radebrechen konnte lautete die Antwort, dass das Spiel ausverkauft wäre, weil das ein absolutes Topspiel sei. Geile Sache, wenn man feststellt, dass man sich unwissentlich doch das richtige Match ausgesucht hat. Blöd nur, wenn man vor dem Rest der Truppe dann als Vollhonk da steht, der sich um nichts gekümmert hat. Jeder, der sich ein bisschen auskennt, weiß zwar, dass man eigentlich in jedes Stadion dieser Welt kommt, aber trotzdem erst mal ein dumme Sache. Und wurden zwar gleich Tickets angeboten, aber zum 10-fachen des Preises. Was bei 09 Euro jetzt immer noch nicht die Welt ist. Aber trotzdem. In Teilen des Mekong Delta ist man als Tourist die Ausnahme. Vor allem, wenn man wie ich 1,93 Meter groß ist. Wenn ich durchs Mekong Delta gehe ist das als würde man mit Dieter Bohlen durch Dortmund schlendern. Alle sind erstaunt, dass es den wirklich gibt, grüßen oder halten sich vor Schreck die Hände vor den Mund. Kein Scheiß. Vier Weiße, die in Tan An zum Fußball gehen sind eine Sensation. Ich - bzw. in dem Fall natürlich wir - wurde noch nie soviel gefilmt, weil ich ein Fußballspiel besuche. Und damit meine ich auch Presse. Im Nachgang des Spieles erschienen übrigens zig Berichte die uns mit Fotos zeigten. Die Aufmerksamkeit hatte aber auch was gutes, weil wir so Damien kennenlernten. Damien heißt zwar eigentlich ganz anders, aber es ist unter Asiaten nicht unüblich sich noch englische Namen zu geben. Damien ist so ein Art aktiver Fan, kann für vietnamesische Verhältnisse sehr gut Englisch und kannte die richtigen Leute, wie schnell klar wurde. Natürlich weiß man nie wie gut er sie kennt, aber immerhin wurden uns zweitnah zwei Karten geschenkt. Der Versuch von Damien die Leute an der Einlasskontrolle zu "überreden" uns reinzulassen scheiterte aber, so dass wir doch bei lokalen Fans Tickets zu überteuerten Preisen erwarben. Wie bekannt ist hasse ich den Schwarzmarkt und würde nie ein Ticket über den Originalpreis verkaufen, allerdings bin ich in einem Land in dem die Bevölkerung in der Breite recht arm ist da entspannter. Auch wenn man da lange drüber reden kann. Muss man bei 4.50 Euro, die wir im Schnitt gezahlt haben aber nicht. Von Außen wirkte das abgeranzte Stadion und die Einlasssituation sehr südamerikanisch, so dass ich dann doch sehr enttäuscht war, als ich das Rund betrat. Letztlich gingt es doch recht gesittet zu. Wir verabschiedeten uns von Damien, der in den Fanblock zog und nahmen rechts am Rande der Tribüne Platz. Obwohl das Spiel ausverkauft war, war das Stadion nicht voll, weil die Polizei den Kartenverkauf begrenzt hatte. Offiziell waren es wohl 10.000 Zuschauer, wobei ich 14.000 realistischer finden würde. War schon gut gefällt. Dong Tam Long An hatte einen Fanblock von ca. 800 bis 1000 Leuten, die auch mit Fahnen und Trommeln ausgestattet waren. Der Asuwärtsblock hatte ca. 400 Leute am Start, wobei ich nicht weiß ob das Fans aus dem Umland waren oder ob die mitgereist sind. Der Support beschränkte sich überwiegend auf Instrumente und optische Elemente, wobei Hoang Anh Gla Lai eindeutig die bessere Figur machte und über ganze Spiel runder agierte. Wobei das alles nicht weltbewegend war. Der Rest des Stadion bestand aus Tennispublikum. Es war auch wieder einiges an BVB Trikots zu sehen. Fußballerisch war das ganze auf Landesliga-Niveau. Wobei ich schon viele Landesliga-Spiele gesehen habe, die besser waren. Grauenhaftes Gebolze wenn man ehrlich ist. Beim Gegner spielte auch ein Spieler, der uns später als "Messie von Vietnam" vorgestellt wurde. Aber wenn das der beste Spieler des Landes war...Unterhaltsam wurde es noch mal als es zu einem versuchten Blocksturm von Leuten ohne Karten kam, worauf die Polizei SEHR hektisch wurde. Ich habe die letzten fünf Minuten der 1. Halbzeit von oben nach draußen geschaut und da ging es gut zu Sache - für vietnamesiche Verhältnisse natürlich. In der Halbzeit kam Damien zu uns rüber und lud uns in den Heimsektor ein. Ich bin irgendwie ungerne in fremden Blöcken, wenn ich da keinen Bezug zu habe, aber wenn jemand, der sich so gut um Dich gekümmert hat einläd, wäre es sehr unhöflich da nein zu sagen. In Halbzeit zwei bekamen wir also noch mal einen guten Einblick in die lokale Fanszene. Der Sektor agierte recht wenig miteinander. Im unteren Drittel war ein Vorsänger aktiv, der so Ende 40 sein dürfte. Dazu noch zwei Trommler, die vom Vorsänger imer wieder korrigiert wurden und er ihnen den seiner Meinung nach richtigen Beat vortrommelte. Dieser untere Teil versuchte sich auch an Gesängen. Oben war es eher ruhig, wenn man von dieser riesigen Band absah, die ab und zu einfach spielte. Das war alles sehr schräg bis ins surreale, aber doch ein interessanter Einblick in eine mir fremde Fankultur. So gingen in der 70. Minute einige Fans aus dem Fanblock und stellten sich an der ganzen Tribüne lang auf, um die Wellte zu initiieren, was auch tatsächlich klappte. Die Trikots der Fans wurden nach dem Spiel übrigens zum Großteil wieder eingesammelt. Ich vermute, dass sich einige Fans diese schlicht nicht leisten können. Insgesamt war das wirklich eines der schrägsten Fußballspiele meines Lebens. Nein, es war DAS schrägste. Aber ich bin dankbar für den Einblick, den uns Dmien gewährte Ich habe nur bis heute noch nicht rausgefunden, warum das ein Topspiel war.

Montag, 12. Januar 2015

Saigon, Godzilla, Borussia oder: Die Rückkehr von Hamburg schwarz-gelb?

Es ist dreieinhalb Jahre her, dass sich "Hamburg schwarz-gelb" von seinen Leser verabschiedet hat Zwar gab es danach noch zwei oder drei Extra-Posts, aber der Blog ist seit Juni 2011 de facto tot. Leider verabschiedeten sich zu der Zeit mehr oder weniger auch alle anderen Blogs mit Ausnahme des sehr wichtigen Tinneff Blog, der aber eben nicht die subjektive Färbung hat, die die Bichs, den Boisseree´schen Blog, DTS oder Brigata auszeichneten. Genauso wie ich aber damals schon monatelang das Gefühl hatte, dass ich mit dem bloggen aufhören sollte, habe ich nun schon seit Monaten das Gefühl, dass ich mal wieder Lust hätte regelmäßig zu schreiben. Und gerade in einer Zeit in der es eben mal wieder nicht glatt läuft gibt es eigentlich eine Menge, was erzählt werden muss. Allerdings hatte ich auch bisher immer das Gefühl, dass ich mir die Belastung nicht antun sollte, weil die Zeit im Moment einfach zu knapp ist. Ích bin seit Jahren deutlich eingespannter als früher und gerade der Film über die BVB Gründung frisst eigentlich alles an Extra-Zeit auf. Und auch schon in den Jahren davor, war mir eher selten langweilig und der Blog wurde früh morgens geschrieben. Ich habe nie einen Job gehabt, der mich langweilt. Allerdings bin ich gerade im Urlaub und so entspannt wie seit Jahren nicht mehr - ich bin versucht zu sagen "wie noch nie". Vielleicht also das richtig Umfeld um es einfach mal wieder zu versuchen. Ich habe seit Jahren eigentlich nichts mehr nur für mich alleine geschrieben und einfach Lust drauf nicht nach Verwertbarkeit zu arbeiten. Ob ich das auch nach meiner Rückkehr durchhalten kann weiß ich nicht. Aber etwas nicht anzufangen, weil man nicht weiß wie es ausgeht ist Schwachfug. Die Blauen werden ja auch nie Meister und versuchen es jedes Jahr. Ok, wie komme ich aus dem Scheiß-Bild wieder raus? Ach egal. Also Visier runter und los: Ich bin gerade wie gesagt im Urlaub. Genauer gesagt in Saigon. Eigentlich heißt das ja jetzt "Ho Chi Minh Stadt", aber ich gehe ja auch ins "Westfalenstadion". Eigentlich wollte ich gar nicht so lange hier bleiben, aber durch einige Umstände hat es sich so ergeben. Deshalb geht es erst morgen früh weiter durch dieses Land, was mir sehr gut gefällt. Wenn man von den Malediven und Istanbul absieht - und das sind ja beides Sonderfälle - bin ich das erste mal in Asien. Wobei ich gerade merke, dass ich Quatsch rede, weil ich ja auch in Baku war. Also reiten wir mal das Klischee und sagen ich bin zum ersten mal in dem Teil Asiens, wo man lieber mit Stäbchen als mit Messer und Gabel isst. Deshalb finde ich es ganz spannend, wie der BVB hier wahrgenommen wird. Der BVB eröffnet ja in Singapur eine Depandance, um sich in Asien zu positionieren und könnte damit der einzie deutsche Zweitligist mit Büro in Asien sein. Wer lang hat lässt lang hängen. Ich würde dann wirklich gerne bei CC Cashs Präsentationen Mäuschen spielen. Und das meine ich unironisch. Allerdings will ich ums Verrecken nicht absteigen, also hoffen wir mal auf Platz 15 und scheißen auf den Fortbildungskurs "Marketing in Scheißsituationen" Die einzigen Vereine, die ich hier öffentlich wahrgenommen habe sind Arsenal, Chelsea, der BVB, Bayern, Barca und Real. Ich mag vielleicht das eine oder andere Trikot nicht abgespeichert haben, aber den Rest kann man ignorieren. Man würde gerne mal ein Interview mit Hotte zu dem Thema lesen. Aus humoristischer Sicht verspräche das viel. Arsenal ragt unter den Vereinen hier heraus. Weit. Es ist wirklich unfassbar WIE groß der FC Arsenal hier ist. Man findet wirklich an jeder Ecke einen Menschen mit Gunners-Trikot oder Shirt oder Aufkleber. Ich war gestern bei einem Spiel der 1. vietnameschen Liga - dazu die Tage mehr - und da hatten die Gästefans Trikots ihrer Mannschaft an und neben dem Logo ihres Teams Arsenal Logos. So langweilig der FC Arsenal auch ist, hier ist er ein Gigant. Gut, es gibt ja auch massenhaft Godzilla-Filme und die sind auch Scheiße. Auf Platz 2 folgt - mit riesiegem Abstand - der Chelsea FC. Die Trikots der Blues sieht man auch regelmäßig, wenn auch nicht so oft wie die ihres Londoner Nachbarn. Danach kommen schon Real, Barca, Bayern und wir, wobei ich deutlich mehr Menschen in BVB als in Bayern-Trikots gesehen habe. Insgesamt sind aber Real, Barca, der BVB und Bayern die einzigen Vereine, die ich wahrgenommen habe. Wobei ich nicht sagen würde, dass es mehr Real oder Barca als BVB Trikots gibt. Aber deutlich weniger Bayern-Shirts. Das mag aber auch an meiner subjektiven Wahrnehmung liegen, aber ich achte auf sowas eigentlich immer sehr genau. Heimische Trikots findet man im Alltag gar nicht, die der deutschen Nationalmannschaft ab und zu. An dem Ben Thanh Markt findet man die üblichen Verdächtigen als Faketrikots, die so schlecht sind, dass sie wirklich komische Züge haben. Ich überlege ernsthaft mir eines zu kaufen, nur um es zu haben. Es ist mir ein Rätsel, warum man sowas nicht originalgetreu kopiert. Ich habe gestern beim Fußball ein BVB Trikot gesehen, dass hat nicht mal das BVB Logo drauf. Dafür aber unseren Hauptsponsor originalgetreu. Borussia ist auf jeden Fall bekannt, wie ich in diversen Gesprächen gestern beim Fußball festgestellt habe. Wobei ich das Gefühl habe, dass das Tragen eines Trikots hier mehr Lifestyle als Zuneigung zu einem Club ist. Das kann ich aber nicht seriös beantworten, weil dazu das Englisch der meisten Vietnamesen, die nicht im Tourismus arbeiten zu schlecht ist. Die beliebtesten Spieler sind - Achtung - Reus, Lewandowski und Götze. Was mich zu der Hoffnung bringt, dass CC Cash den Asiaten doch weißmachen kann, dass die in den Weißen Trikots gar nicht Sandhausen, sondern Real Madrid sind. Auf jeden Fall finde ich es merkwürdig Menschen in "meinem Trikot" zu sehen, die irgendwie keinen Bezug zu unserem BVB haben (können). Ich weiß, dass der BVB diesen Weg weiter beschreiten muss, wenn er nicht abgehängt werden wíll. Aber ich stelle fest, dass "Marke" sein scheiße ist.

Samstag, 26. Mai 2012

"Verrückt nach Fußball - Groundhopping in Polen und der Ukraine" - Ein paar Hintergründe

Es ist endlich soweit. Meine Doku "Verrückt nach Fußball - Groundhopping in Polen und der Ukraine" läuft im Fernsehen. Die Sendetermine findet ihr weiter unten und ab sofort gibt es das auch hier in der Mediathek. Vielleicht interessiert ja den einen oder anderen der Hintergrund der ganzen Geschichte, die ich dann hiermit erläutere. Bevor falsche Befürchtungen oder Hoffnungen entstehen: Der Blog bleibt nach wie vor geschlossen, aber es bot sich einfach an was zu schreiben, weil ich das Ding für mich auch verarbeiten muss. Entstanden ist die Idee irgendwann nach dem Sommer 2010. Ich war damals Senior Producer für "Kavkas WM Camp", einer Sendung mit - wer hätte es bei dem Thema gedacht? - Markus Kavka, die auf MTV lief. Wir hatten logischerweise keine Bildrechte und mussten uns so allen möglichen Quatsch ausdenken. Eine der Sendungen lief im Vorfeld des Spiels gegen Argentinien. Ich rief bei BVB Fanbetreuer Jens Volke an und fragte ihn, ob er irgendwen kennen würde, der sich mit Argentinen auskennt. Es war eines dieser Gespräche von denen sich im Nachhinein rausstellt, dass zwar nicht den Lauf der Welt, aber doch den Lauf meines Schicksals verändern, die währenddessen aber eben absolut unspektakulär sind. Jens empfahl mir Janni mit dem Hinweis es handele sich dabei um einem ehemaligen BVB-Allesfahrer, der nun in Argentinien weile. Ich schrieb Janni an, der sich auch meldete, aber zur Zeit der Sendung in Paraguay unterwegs war, o dass der Plan ihn per Messenger in die Sendung zu schalten scheiterte. Trotzdem blieben wir in Kontakt. Janni war auch Hörer des Podcasts, so dass es irgendwie auf folgerichtig war, dass er selbst als Gast an einer Sendung teilnahm. Kurzes Off-Topic an der Stelle: Ja, es gibt den Podcast offiziell noch. Allerdings bin ich als festes Teammitglied ausgestiegen. Der Rest vom Team will die Sendung weiter machen. Ob das aber wirklich geschieht oder sich das Projekt verläuft wage ich nicht zu beurteilen. Ich fände es schade, wenn der Podcast stirbt. Aber ich bin definitiv raus. Mir fehlt die Zeit und die Lust mich da noch wirklich drin zu verbeißen. Und ich mache Sachen einfach nicht mit halber Kraft. Aber zurück zu Janni. Ich hatte schon vor Janni irgendwann die Idee aus der Geschichte ein TV-Format zu machen. Das älteste Dokument, das ich zu dem Thema finde, ist vom 30.06.2009. In einem späteren Konzept für einen ARD Sender ist das Ding als "Alternative Travel- und Culture-Doku" bezeichnet. Die Kamera ist dabei immer sehr nah an seinem Protagonisten und baut eine fast intime Nähe zu ihm auf. Der Stil ist direkt und ungefiltert. Wenn es hektisch wird kann die Kamera auch mal wackeln. Und hektisch wird es oft. Manchmal müssen ja drei Spiele am Tag besucht werden. Hier ist nichts inszeniert. Der Zuschauer ist ganz nah dran. Auf Off-Text wird verzichtet, zu hören ist lediglich der O-Ton des Groundhoppers und seine Interaktion mit den Einheimischen. Sei es in Hagen oder Warschau. Dadurch wird der Eindruck verstärkt selbst dabei und nah dran zu sein. Der Zuschauer kann über die Schulter sehen und sich einen Eindruck bilden. Er spürt die Hektik förmlich am eigenen Leibe. Das ist jetzt gar nicht mal so weit weg vom realisierten Format und mit Warschau schon fast prophetisch. Nicht ganz ein Jahr später, im Juli 2011 wenn ich mich Recht erinnere, fiel das Projekt bei ZDFinfo auf fruchtbaren Boden. Anfang Januar 2012 fiel dann der Startschuss für das Projekt. Janni war es, der Jan Krapf ins Rennen brachte. Dieser war wegen seiner Top-Kontakte zunächst nur als Koordinator vor Ort geplant. Ich traf mich mit ihm in Berlin und mir war klar, dass der unbedingt auch als Protagonist in der Doku teilnehmen musste. Der hatte zu viel gute Sachen zu erzählen, die man dem Publikum nicht vorenthalten durfte. Zum Glück sagte er dann auch zu, vor der Kamera zu agieren. So sehr Groundhopping auch mein persönliches Baby ist: Ohne Jan Krapf wäre das so wie es heute ist, niemals geworden. Der Mann ist ein Arbeitstier und so gut vernetzt, wie ich es nie hätte werden können. Ich werde Jan für seine Kontakte und sein unfassbares Feuer ewig dankbar sein. Jan war es dann auch, der Bea ins Rennen brachte, so dass die die Riege der Protagonisten schließlich stand. In der Vorbereitung bin ich nicht nur aufgegangen, weil ich Lust auf das Projekt hatte, sondern weil sie mich einfach ausgefressen hat. Es war extrem viel. Auch hier wäre ich ohne Jan niemals so weit gekommen. Als es dann endlich los ging, wusste ich zwar, dass es anstrengend werden würde, aber WIE anstrengend es wirklich wurde, konte ich nur erahnen. Gerade die ersten Tage in Polen waren die Hölle. Es war eine unfassbare Anzahl von Stunden und Kilometern, die wir runtergespult haben. Hinzu kam eine enorme emotionale Belastung für alle Beteiligten. Erschwerend für mich kam hinzu, dass ich als Leiter des Projektes natürlich für jeden Fehler verantwortlich war. Und davon gab es reichlich. Ich war mehr als einmal verzweifelt und habe mich selbst dafür gehasst, dieses Projekt angeboten zu haben. Ich fühle mich wie Nuri Sahin und war mir sicher, dass es Träume gibt, die man sich hätte nicht erfüllen sollen. Ich schrieb mehr als eine verzweifelte SMS an den Cutter, dass ich nicht wisse, wie daraus je ein Film werden solle und irgendwann rief ich völlig verzweifelt eine Freundin an und heulte mich hemmungslos aus. Doch was nichts weh tut ist auch nichts wert. Es wurde ein Film draus. Und wie ich finde sogar ein guter. Aber das soll jede und jeder selbst beurteilen. Natürlich wäre es gelogen, wenn ich sagen würde, dass mir die Reaktionen egal sind, aber in der Tat ist es mir wichtig, dass ICH zufrieden bin. Der Film ist ganz anders geworden als ich ihn mir am Anfang vorgestellt habe, aber das Gefühl das er vermittelt ist so, wie ich es wollte. Deswegen bin ich auch zufrieden. Mir war es wichtig, nicht zu werten, sondern das, was wir erlebt haben möglichst authentisch darzustellen und dem Zuschauer die Bewertung zu überlassen. Das klingt leicht ist, aber sauschwer. Alleine der Part über Staruch, den Vorsänger von Legia Warschau habe ich mehrmals umgearbeitet. In der ersten Version war das viel zu unkritisch, in der zweiten Version wiederum viel zu negativ. Beides wird der Person Staruch nicht gerecht. Es war unfassbar schwer da einen Mittelweg zu finden, der mir das Gefühl vermittel die Widersprüchlichkeit von Staruch richtig vermittelt zu haben und dabei auf eine persönliche Wertung - die ich habe - im Film zu verzichten. Ich würde mich freuen, wenn sich jeder Zuschauer selbst Gedanken zu den angesprochenen Themen macht. Denn auch wenn es vordergründig nur um Polen und die Ukraine geht - wobei der Fokus klar auf Polen liegt - sind die Themen letztlich doch global: Pyro, Polizei, Repression, Gewalt, Engagement und Hingabe. Mir war es letztlich wichtig die Fans in den Mittelpunkt zu stellen und sie nicht nur als Staffage zu sehen. Und unabhängig davon, wie man den Film findet: Das kann man dem Stück nicht absprechen. Ob zu mehr gereicht hat soll jeder für sich selbst entscheiden. "Football without fans is nothing" Die Sendetermine -27.05. um 12:00 Uhr ZDFinfo (Pfingstsonntag) -28.05. um 01:15 Uhr ZDF Hauptprogramm (Nacht von -Pfingstsonntag auf Pfingstmontag) -02.06. um 17:15 Uhr ZDFinfo (Samstag) -02.06. um 23:45 ZDFinfo (Samstag) -03.06. um 08:15 ZDFinfo (Sonntag) -18.06. um 19:45 ZDFinfo (Montag)

Dienstag, 21. Juni 2011

Dies ist der letzte Blogpost von „Hamburg schwarz-gelb“

Liebe Leute, das war es. Mit dem 802. Blogpost sagt „Hamburg schwarz-gelb“
„Tschüss“ und „Danke“. Als ich vor über zwei Jahren mit dem ersten Eintrag diesen Blog startete konnte ich nicht mal in Ansatz erahnen, was ich damit auslösen würde. Wie sehr der mich verändern würde und wie sehr er auf manchen BVB-Fan ausstrahlen würde. Ich hatte nur eine spontane Idee und affektiv wie ich nun mal bin, setzte ich die um. Und genauso spontan, wie der Blog entstanden ist, habe ich mich auch entschlossen ihn wieder zu beenden. Wobei das nur bedingt stimmt. Die letzte Entscheidung zu sagen „Das war es“ kam gestern spontan, aber über diese Schritt nachgedacht habe ich schon länger intensiv. Denn ich war seit Wochen, wenn nicht gar Monaten nicht mehr glücklich mit dem Blog. Aber dazu später mehr.

„Hamburg schwarz-gelb“ war für mich immer ein Freiraum, den ich mir zwischen Aufstehen und Arbeit gegönnt habe. 30 Minuten für mich. Wenn ich gut aus dem Bett gekommen bin auch mal eine Stunde. Manchmal nur in Hektik 10 Minuten.Aber immer Zeit, die ich nutzen konnte, um über den Ballspielverein, mein Verhältnis zu ihm, über die Szene oder einzelne Spieler zu schreiben. Oder meinen Wut über einzelne Dinge rauszulassen. Oder meine Freude. Die Emotionspalette hoch und runter. Ich saß manchmal vor einem leeren Word-Dokument und wusste nicht was ich schreiben sollte und manchmal konnte ich nicht schnell genug tippen, weil die Worte in meinem Kopf sprudelten. Der Blog war Teil von mir. Ich habe dabei immer versucht auszublenden, dass da viele Leute aus der Firma mitlesen, ob ich damit Leuten auf die Füße trete, was andere Leute dazu sagen und ob ich das irgendwann mal bereuen werde, was ich an diesem Tag geschrieben habe. Es ging darum das alles hinter sich zu lassen und radikal einfach das zu schreiben, was einem im Kopf rumgeisterte. Es war eine Möglichkeit mich zu reflektieren und mich weiterzuentwickeln. Es war in dieser hoch komplexen Welt mit ihren ganzen Beziehungsgeflechten etwas, was nur mir gehört.
Doch aus dem anfänglichen Freiraum wurde mehr und mehr eine Fußfessel. Ich wurde immer mehr „öffentliches Eigentum“ und von Leuten mehr und mehr auf den Blog angesprochen und jedes zweite Gespräch mit BVB-Fans drehte sich um mein virtuelles Alter Ego. Ich war halt nie einfach nur Marc, ich war immer auch MauriciusQ. Das klingt jetzt pathetischer als es soll. Aber irgendwann fing es mir an unfassbar auf den Keks zu gehen, dass ich Leuten etwas erzähle und die „habe ich gelesen“ antworten. Oder das irgendwas passiert und die Leute „Jetzt weiß ich, was Du morgen im Blog schreibst“ sagen. Irgendwann bist Du nicht mehr der Mensch, sondern überwiegend der Blogger. Selbst Musikdiskussionen werden mit Hinweis auf die Bloggerei geführt. Es wurde auch nicht dadurch leichter, dass ich inzwischen auch deutlich mehr in der Szene bekannt bin. Am Anfang war ich halt der unbekannte Typ, den man scheiße oder gut finden konnte. Irgendwann wurde ich für mein Geschriebenes immer mehr auch als Marc haftbar gemacht. Ich bekam mehr und mehr Probleme damit, dass Leute die litererarische Figur MauriciusQ 1:1 mit Marc Quambusch gleichsetzten.

Natürlich steckt in MauriciusQ unfassbar viel von Marc, aber es ist halt eine dramaturgisch verdichtete Ausgabe davon. Wo Marc differenziert, vereinfacht MauriciusQ. Wo Marc auch mal schlichtet, haut MauriciusQ drauf. Hinzu kam, dass ich immer wieder redundant wurde. Man hat irgendwann seine Vergangenheit und seine Einstellung zu gewissen Dingen erzählt und Fußball ist auch oft einfach dasselbe, wenn man es beschreiben will. Es fiel mir deutlich schwerer was Neues zu finden. Irgendwann wird man zu seinem eigenen Abziehbild, zur Karikatur seiner selbst, zu demjenigen, der die Ansprüche der anderen erfüllen soll und das immer schlechter kann. Sei es, dass er ihre Abneigung bestätigt oder sie unterhält. Irgendwann ist man nur noch der Clown für die Leute, dessen Programm man schon kennt. Nun ist mir der Erwartungshaltung von Leuten aber noch einigermaßen egal, aber was viel schlimmer wog, war dass ICH immer weniger zufrieden mit mir war. Es war schon immer so, dass ich selten zur Arbeit ging und das Gefühl hatte „Heute hast Du was schönes geschrieben“. Aber es kam ab und zu vor und das war der Moment für den ich den ganzen Kram gemacht habe. Diese Momente wurden irgendwann seltener und kamen zu Schluss fast nicht mehr vor.

Ich lebe seit jeher mit der Überzeugung, dass alles was wir haben und machen nur temporär ist. Wir können den tollsten Job der Welt haben, eine wunderbare Frau, unendlich viel Reichtum oder die Meisterschaft. Irgendwann müssen wir alles wieder abgeben und deswegen ist es falsch sich an Dinge zu klammern. Man muss loslassen können und nun ist der Moment gekommen diesen Blog loszulassen. Ironischerweise waren es die Bichs, die mir dabei halfen den letzten Schritt zu gehen, wofür ich Ihnen ganz ironiefrei danken möchte. Denn es war ein Bich der am Samstag auf mein Aussage, dass ich einen Film machen will das eine „Habe ich gelesen“ zu viel antwortete und es war ein recht gelungener Post über mich im Bichblog , der mir klar machte, dass in diesem Blog schon lange nichts überraschendes mehr passiert und hier nur noch die gepflegte Langeweile verwaltet wird . Darüber hinaus habe ich mit dem gestrigen Montagmorgen Rant noch mal einen Post rausgehauen, den ich so gut finde, dass ich finde der kann als vorletzter stehen bleiben. Ich wollte mich nicht mit einen Post verabschieden, der mir nicht gefällt. Das hätte Hamburg schwarz-gelb nicht verdient. Dazu war es dann doch zu gut hier. Ich bereue nichts, auch wenn ich den Blog schon Ende 2010 hätte schließen sollen. Es hätte mir nichts gefehlt.

Es fühlt sich komisch an das hier zu schreiben. Es ist ein bisschen als wenn man sich von einer Frau trennt mit der man lange zusammen war. Die heiße Liebe ist weg, aber man hat sich immer noch sehr lieb und der Abschied tut weh. Aber trotzdem muss man sich gehen lassen. Tränenreich und voller Erinnerungen. Dieser Blog war mir über zwei Jahre ein steter Begleiter. Es fällt mir noch schwer vorzustellen, dass ich morgen keinen Blog schreiben werde. Und übermorgen auch nicht. Natürlich wird es Momente geben, wo es mir in den Fingern juckt. Oder wo ich meine Entscheidung bereue. Ich habe diesen Blog gestern Abend zum großen Teil schon geschrieben und bin heute Morgen mit Ideen für den Blog aufgewacht, bis mir eingefallen ist, dass ich keine Ideen mehr brauche.Das fühlte sich in der Tat komisch an. Aber die Entscheidung ist nichtsdestotrotz richtig. Ich freue mich drauf, wenn „Hamburg schwarz-gelb“ irgendwann nur noch eine Erinnerung in weiter Ferne ist.
Nicht wenige von Euch werde ich ja weitere sehen und es wird sich nichts ändern. Diejenigen, die nicht so oft in den Stadien dieser Republik unterwegs sind oder eher Szenefern werden in Zukunft auf mich verzichten müssen. Ich danke Euch dafür, dass ihr mich zwei Jahre in Eurer Leben gelassen habt. Es war schon immer wieder Rückmeldungen zu bekommen, dass ich oft das schreibe, was ihr denkt. Ich danke ebenso den anonymen Pöblern, denn ihr habt mir sehr geholfen mich zu reflektieren. Und ein ganz spezieller Gruß geht natürlich an Arno Nühm. Ich danke Euch allen dafür, dass ihr es so lange mit mir ausgehalten habt. Ich werde das hier alles sehr vermissen und ich hoffe ich konnte bei allem Schwachsnn, den ich hier auch geschrieben habe, den einen oder anderen auch zum Nachdenken anregen. DAS soll jetzt so pathetisch klingen wie es sich liest.

Natürlich bin ich nicht aus der Welt. Der Podcast ist immer noch da, „Kein Zwanni“ wartet mit Aufgaben, der Film wird hoffentlich gemacht und auch ansonsten wird mir nicht langweilig werden. Ich habe noch ein weiteres Projekt, dass im November starten soll und meine To Do-Liste ist voll mit Plänen. Sogar für einenanderen Blog habe ich eine Idee. Aber der wird wenn er denn kommt komplett anders. Nicht persönlich und auch nicht täglich. Der öffentliche Einblick in mein Privatleben ist hier und heute beendet. Wobei man soll niemals nie sagen. Vielleicht vermisse ich das ganze Ding dann irgendwann so sehr, dass ich wieder schreibe. Oder ich habe neue Ideen. Aber Stand jetzt ist dieses Projekt beendet.

Man stelle sich bitte hier schmalzige Geigenmusik vor zu der ich langsam am Horizont verschwinde, während der Abspann läuft. Alternativ nehmen wir den Vorschlaghammer und hauen alles kurz und klein.

Montag, 20. Juni 2011

Angst essen Seele auf - Der Montagmorgen Rant

Ich warne Euch vor. Heute gibt es einen Rant. Wer sich nicht aufregen will, klicke diesen Blogpost hier weg. Aber es gibt eine Sache, die mal raus muss. Was mir immer wieder bei der aktiven Fußball-Szene auffällt, dass der Anteil der Menschen die ihren Job scheiße finden extrem hoch ist. Vielleicht liegt das aber auch gar nicht daran, dass die Fans sind, sondern vielleicht ist das bei den meisten Menschen einfach so. Ich weiß es nicht, weil ich außerhalb des Fußballs nicht mit normalen Menschen in Kontakt komme. Ich habe dann doch eher mit Leuten aus Medienjob zu tun und die keulen zwar alle wie die Schweine, haben aber auch Spaß an ihrem Job und sind auch alle auf irre Art irre. Zwangsgestörte, Neurotiker, Egomanen. Alle krank, aber irgendwie auch auf ihre Art unterhaltsam. Beim Fußball hat man dagegen – wie in jeder anderen Szene auch – mit Leuten quer durch alle Gesellschaftsschichten zu tun. Und das ist gut so, denn ich habe dadurch jede Menge nette Leute kennengelernt.

Aber da das glaube ich wirklich ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist verlassen wir heute dne Fußball-Kontext. Ich bin immer wieder fasziniert, warum Leute die ich echt für talentiert halte immer wieder über ihren Job meckern und trotzdem nichts ändern. Wenn man mit denen redet, hört man oft, dass die Lust haben was anderes zu machen, aber bitte nicht weniger Geld und auch auf jeden Fall eine Festanstellung und 28 Tage Urlaub und bitte am besten ohne Probezeit und auch sonst ohne Risiko. „Ach, das gibt es nicht? Na, dann bleibe ich besser Mal in meinem beschissenen Job“. Ich verstehe das nicht, wie man sehenden Auges in seine eigene emotionale Verödung laufen kann und daran nichts ändert. Und es macht mich auch wütend, weil da soviele bei sind, die echt was bewegen könnten.

Es ist wie immer im Leben „Angst essen Seele auf“. Dabei möchte man eigentlich mal fragen: Angst vor was? Das schlimmste was uns in Deutschland passieren kann ist, dass wir Hartz IV Bezieher werden. Und das ist im Vergleich zu dem was Menschen in anderen Teilen der Welt blüht ein Witz. Ich hör schon das Gejaule „Quambusch, leb Du mal von Hartz IV, dann schwingste nicht so große Sprüche“. Nein, ich möchte nicht von Hartz IV leben. Das ist nämlich scheiße. Es ist aber im Vergleich zu jemand, der in einem Minenfeld arbeiten muss ein deutlich angenehmeres Los. Vor allem ist die Wahrscheinlichkeit Hartz IV Empfänger zu werden deutlich größer, wenn man mit 49 seinen ersten Job verliert. Ich sage es mal mit Ton, Steine, Scherben: „Wir haben nichts zu verlieren, außer unser Angst“.

Ich verstehe die Ängstlichkeit vieler Menschen nicht und ich verachte sie auch. Die Angst, nicht die Menschen. Menschen finde ich auch scheiße, aber das eher aus grundsätzlichen Gründen. Menschen und ich werden keine Freunde mehr. Aber vor jemand, der sein ganzes Leben in einem Scheißjob verbringt, fehlt mir zusätzlich der Respekt. Wie armseelig muss man sein, wenn man das nicht mal schafft sich was neues zu suchen? Ich weiß, dass das unfassbar arrogant ist, aber es hat einen Grund, warum die Leute in Helden-Epen selten als Buchprüfer arbeiten. Weil´s scheiße ist. Wirklich großen Respekt habe ich vor Leuten, die ihren Beamtenstatus – sagen wir beim Finanzamt - aufgeben, weil ihnen ihr Job auf den Sack geht und noch mal was ganz neues machen. Ja, die geben ihre unfassbar gute Altersversorgung auf, aber in der Tat beginnt das Leben nicht erst mit 66 Jahren. Wer diesen Weg geht, dem kann ich nur von ganzen Herzen gratulieren. Und wenn jemand beim Finanzamt arbeitet und daran richtig Spaß hat, dann gratuliere ich auch. Obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass wir uns mögen eher gering ist. Aber wer mag mich schon?

Und nun komme mir keiner bitte mit „Quambusch, Du hast gut reden, Du hast einen schönen Job.“ Der ist nämlich nicht vom Himmel gefallen. Anfang der 90er bin ich nach Hamburg gezogen und habe eine Krankenpflegeausbildung angefangen. Ich habe diesen Job gehasst. Nach anderthalb Jahren ging es nicht mehr. Ich bin mitten im Dienst zu meinen Kollegen gegangen und habe gesagt: „Ich kündige jetzt. Sofort“ und bin von Station verschwunden. Dummerweise habe ich zu der Zeit auch noch im Wohnheim gewohnt, so dass ich nicht nur keinen Job mehr hatte, sondern zeitnah ein Dach über dem Kopf brauchte. Selbstzerstörerisch wie ich damals veranlagt war habe ich den Abend auf dem Kiez noch alles an Kohle auf den Kopf gehauen, was ich noch hatte. Kein Job, bald keine Wohnung, kein Geld. Gratulation. Es konnte nur berg aufgehen. Ich habe mir dann erst mal irgendwas zum arbeiten gesucht und noch ein Jahr auf der Sozialstation gejobbt, bis es zu diesem Interview für Bravo-TV kam. Ja genau. Jenem Interview. 1, 2,3 und so. Ich fragte die Producerin, was ich machen müsste, um zum Fernsehen zu kommen und sie fragte, ob ich ein Praktikum machen würde. Eine Woche später fing ich an. Die beste Entscheidung meines Lebens.

Ich habe zu der Zeit dann 500 Mark als Prakti bekommen und wusste dass ich nicht viel Zeit hatte. Zwar hatte ich damals – ein Wunder, das ist mir später nie passiert – noch Geld auf der Bank, aber bei dem Verdienst reichte das auch nicht lange. Ich hatte also von einem Tag auf den anderen Geldsorgen, aber dafür auch ein schönes Leben. Plötzlich standen zwar regelmäßig 16 Stunden Tage auf dem Programm, aber ich habe es geliebt. Ich kann mir bis heute nicht vorstellen, wie ich das auch nur einen Tag als Krankenpfleger ausgehalten habe. Um das noch mal klarzustellen: Ich habe nichts gegen Krankenpfleger. Genauso wie gegen Finanzbeamte. Ich kenne Menschen, die machen diesen Beruf total gerne - also Krankenpflege - und der ist richtig wichtig und kann auch viel Spaß machen. Es war halt nur nicht meiner. Ich habe ihn gehasst. Mein erstes Praktikum hatte übrigens kein Happy-End. Ich wollte ein Volontariat machen, wurde aber nicht übernommen. Vor allem konnte mir mein damaliger Redaktionsleiter nicht sagen, was ich falsch gemacht hatte. Ich bin einfach heulend nach Hause gegangen und habe mir fest vorgenommen, dass ich irgendwann sein Chef bin. Das hat mich fürs Leben geprägt. Ich habe später jedes Mal, wenn ich einen Mitarbeiter kündigen musste drauf geachtet, dass man dem vorab klar kommuniziert, was nicht rundläuft und bei dem Kündigungsgespräch ebenfalls klar die Gründe ausführt. Jemanden aus dem Job zu entlassen ist ein schlimmer Eingriff ins Leben und derjenige hat verdammt noch mal das Recht die Gründe zu erfahren.

Lustiger Weise war ich fünf Jahre nach meinem ersten Praktikum Redaktionsleiter, habe eine Abteilung von 30 Leuten geleitet, einen BMW als Dienstwagen gehabt und unfassbar viel Kohle verdient. Soviel werde ich nie wieder auch nur im Ansatz verdienen. Und wir beschäftigten als Firma später als freien Mitarbeiter genau denjenigen, der mich damals nicht übernommen hat. Zwar nur für einen Beitrag und auch in einem Parallelprojekt, aber ich bin extra am Sonntag in die Firma gefahren, habe mich zu ihm in den Schnitt gesetzt und gefragt: „Lutz, warum hast Du mich damals nicht übernommen?“ Für diesen Moment hatte ich 5 Jahre gearbeitet. Das war ein Freudenfest. Auch wenn Lutz mit die Gründe nicht genannt hat, war für mich das Kapitel damals beendet. Ich warte aber immer noch darauf, dass ich bei einem ehemaligen Praktikanten im Schnitt sitze. Es gibt genug, die mich inzwischen sowas von locker überholt haben. Aber da war keiner bei, der mit mir noch eien Rechnung offen hat.

Leider war ich damals der arroganteste Dreckschnösel den man sich vorstellen kann. Wer mich heute komisch findet, dem kann ich nur sagen, dass ich sowas von harmlos geworden bin. Zum Glück. Eine Mitarbeiterin von mir hat mir mal erzählt, dass sie nur bei mir angefangen hat, weil sie wissen wollte, ob sie unter so einem Arschloch wie mir arbeiten kann. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube ich fand das damals gut. Weil ich ja eh dachte, dass ich der König der Welt bin. Zum Glück ging es bei mir Anfang 2000 beruflich steil bergab. Arbeitslos, Firma gegründet und in den Sand gesetzt. Das hat mich wieder ordentlich geerdet. Dafür bin ich heute sehr dankbar. Höhenflüge tun einem menschlich nicht gut. Heute habe ich einen Job, der zwar weit weg von den Spitzengehältern früherer Zeit weg ist, aber dafür jede Menge Spaß macht. Und bin menschlich auch wieder den einigermaßen zusammen. Und ich habe die nettesten Kollegen in der Firma, die ich in meiner beruflichen Laufbahn je hatte. Und eigentlich nur schöner Projekte. Natürlich habe ich phasenweise auch Stress ohne Ende, aber Stress macht mir Freude. Ich brauche das wie Fische Wasser. Und das hat jeder. Wenn man das nichjt will ist man in der Unterhaltungsbranche falsch.

Aber Sicherheit habe ich immer noch nicht. Ich bin immer noch dauerpleite, ich kann meinen Job schneller verlieren als mir lieb ist und habe keinen Rücklagen und keinen Plan B. Das ganze Konstrukt ist fragil und es ist nicht unwahrscheinlich, dass mich wieder eine Situation trifft, wo ich mich frage, wie ich meine Miete zusammenkratzen soll. Das hatte ich immer wieder und das ist in der Situation eher ungeil. Nein, Sicherheit habe ich nicht. Außer der, dass ich bisher alles gemeistert habe und irgendwie immer aus jeder Scheiße rausgekommen bin. Weil ich groß bin und weil ich vor nichts Angst haben muss außer Krankheiten und dem Verlust wichtiger Menschen.Und falls Du an diesem Montagmorgen in der Firma bist und Deinen Job aus tiefstem Herzen hasst, dann frag dich, ob das wirklich das ist, was Du die nächsten 40 Jahre machen willst. Oder ob es nicht Zeit wird endlich Deinen Arsch hochzubekommen. Allen die mit ihrem Job zufrieden sind wünsche ich eine erfolgreiche Arbeitswoche.

Ich habe ja gesagt, Du sollst das nicht lesen, wenn du Dich nicht aufregen willst.