Liebe Leute, das war es. Mit dem 802. Blogpost sagt „Hamburg schwarz-gelb“
„Tschüss“ und „Danke“. Als ich vor über zwei Jahren mit dem ersten Eintrag diesen Blog startete konnte ich nicht mal in Ansatz erahnen, was ich damit auslösen würde. Wie sehr der mich verändern würde und wie sehr er auf manchen BVB-Fan ausstrahlen würde. Ich hatte nur eine spontane Idee und affektiv wie ich nun mal bin, setzte ich die um. Und genauso spontan, wie der Blog entstanden ist, habe ich mich auch entschlossen ihn wieder zu beenden. Wobei das nur bedingt stimmt. Die letzte Entscheidung zu sagen „Das war es“ kam gestern spontan, aber über diese Schritt nachgedacht habe ich schon länger intensiv. Denn ich war seit Wochen, wenn nicht gar Monaten nicht mehr glücklich mit dem Blog. Aber dazu später mehr.
„Hamburg schwarz-gelb“ war für mich immer ein Freiraum, den ich mir zwischen Aufstehen und Arbeit gegönnt habe. 30 Minuten für mich. Wenn ich gut aus dem Bett gekommen bin auch mal eine Stunde. Manchmal nur in Hektik 10 Minuten.Aber immer Zeit, die ich nutzen konnte, um über den Ballspielverein, mein Verhältnis zu ihm, über die Szene oder einzelne Spieler zu schreiben. Oder meinen Wut über einzelne Dinge rauszulassen. Oder meine Freude. Die Emotionspalette hoch und runter. Ich saß manchmal vor einem leeren Word-Dokument und wusste nicht was ich schreiben sollte und manchmal konnte ich nicht schnell genug tippen, weil die Worte in meinem Kopf sprudelten. Der Blog war Teil von mir. Ich habe dabei immer versucht auszublenden, dass da viele Leute aus der Firma mitlesen, ob ich damit Leuten auf die Füße trete, was andere Leute dazu sagen und ob ich das irgendwann mal bereuen werde, was ich an diesem Tag geschrieben habe. Es ging darum das alles hinter sich zu lassen und radikal einfach das zu schreiben, was einem im Kopf rumgeisterte. Es war eine Möglichkeit mich zu reflektieren und mich weiterzuentwickeln. Es war in dieser hoch komplexen Welt mit ihren ganzen Beziehungsgeflechten etwas, was nur mir gehört.
Doch aus dem anfänglichen Freiraum wurde mehr und mehr eine Fußfessel. Ich wurde immer mehr „öffentliches Eigentum“ und von Leuten mehr und mehr auf den Blog angesprochen und jedes zweite Gespräch mit BVB-Fans drehte sich um mein virtuelles Alter Ego. Ich war halt nie einfach nur Marc, ich war immer auch MauriciusQ. Das klingt jetzt pathetischer als es soll. Aber irgendwann fing es mir an unfassbar auf den Keks zu gehen, dass ich Leuten etwas erzähle und die „habe ich gelesen“ antworten. Oder das irgendwas passiert und die Leute „Jetzt weiß ich, was Du morgen im Blog schreibst“ sagen. Irgendwann bist Du nicht mehr der Mensch, sondern überwiegend der Blogger. Selbst Musikdiskussionen werden mit Hinweis auf die Bloggerei geführt. Es wurde auch nicht dadurch leichter, dass ich inzwischen auch deutlich mehr in der Szene bekannt bin. Am Anfang war ich halt der unbekannte Typ, den man scheiße oder gut finden konnte. Irgendwann wurde ich für mein Geschriebenes immer mehr auch als Marc haftbar gemacht. Ich bekam mehr und mehr Probleme damit, dass Leute die litererarische Figur MauriciusQ 1:1 mit Marc Quambusch gleichsetzten.
Natürlich steckt in MauriciusQ unfassbar viel von Marc, aber es ist halt eine dramaturgisch verdichtete Ausgabe davon. Wo Marc differenziert, vereinfacht MauriciusQ. Wo Marc auch mal schlichtet, haut MauriciusQ drauf. Hinzu kam, dass ich immer wieder redundant wurde. Man hat irgendwann seine Vergangenheit und seine Einstellung zu gewissen Dingen erzählt und Fußball ist auch oft einfach dasselbe, wenn man es beschreiben will. Es fiel mir deutlich schwerer was Neues zu finden. Irgendwann wird man zu seinem eigenen Abziehbild, zur Karikatur seiner selbst, zu demjenigen, der die Ansprüche der anderen erfüllen soll und das immer schlechter kann. Sei es, dass er ihre Abneigung bestätigt oder sie unterhält. Irgendwann ist man nur noch der Clown für die Leute, dessen Programm man schon kennt. Nun ist mir der Erwartungshaltung von Leuten aber noch einigermaßen egal, aber was viel schlimmer wog, war dass ICH immer weniger zufrieden mit mir war. Es war schon immer so, dass ich selten zur Arbeit ging und das Gefühl hatte „Heute hast Du was schönes geschrieben“. Aber es kam ab und zu vor und das war der Moment für den ich den ganzen Kram gemacht habe. Diese Momente wurden irgendwann seltener und kamen zu Schluss fast nicht mehr vor.
Ich lebe seit jeher mit der Überzeugung, dass alles was wir haben und machen nur temporär ist. Wir können den tollsten Job der Welt haben, eine wunderbare Frau, unendlich viel Reichtum oder die Meisterschaft. Irgendwann müssen wir alles wieder abgeben und deswegen ist es falsch sich an Dinge zu klammern. Man muss loslassen können und nun ist der Moment gekommen diesen Blog loszulassen. Ironischerweise waren es die Bichs, die mir dabei halfen den letzten Schritt zu gehen, wofür ich Ihnen ganz ironiefrei danken möchte. Denn es war ein Bich der am Samstag auf mein Aussage, dass ich einen Film machen will das eine „Habe ich gelesen“ zu viel antwortete und es war ein recht gelungener Post über mich im Bichblog , der mir klar machte, dass in diesem Blog schon lange nichts überraschendes mehr passiert und hier nur noch die gepflegte Langeweile verwaltet wird . Darüber hinaus habe ich mit dem gestrigen Montagmorgen Rant noch mal einen Post rausgehauen, den ich so gut finde, dass ich finde der kann als vorletzter stehen bleiben. Ich wollte mich nicht mit einen Post verabschieden, der mir nicht gefällt. Das hätte Hamburg schwarz-gelb nicht verdient. Dazu war es dann doch zu gut hier. Ich bereue nichts, auch wenn ich den Blog schon Ende 2010 hätte schließen sollen. Es hätte mir nichts gefehlt.
Es fühlt sich komisch an das hier zu schreiben. Es ist ein bisschen als wenn man sich von einer Frau trennt mit der man lange zusammen war. Die heiße Liebe ist weg, aber man hat sich immer noch sehr lieb und der Abschied tut weh. Aber trotzdem muss man sich gehen lassen. Tränenreich und voller Erinnerungen. Dieser Blog war mir über zwei Jahre ein steter Begleiter. Es fällt mir noch schwer vorzustellen, dass ich morgen keinen Blog schreiben werde. Und übermorgen auch nicht. Natürlich wird es Momente geben, wo es mir in den Fingern juckt. Oder wo ich meine Entscheidung bereue. Ich habe diesen Blog gestern Abend zum großen Teil schon geschrieben und bin heute Morgen mit Ideen für den Blog aufgewacht, bis mir eingefallen ist, dass ich keine Ideen mehr brauche.Das fühlte sich in der Tat komisch an. Aber die Entscheidung ist nichtsdestotrotz richtig. Ich freue mich drauf, wenn „Hamburg schwarz-gelb“ irgendwann nur noch eine Erinnerung in weiter Ferne ist.
Nicht wenige von Euch werde ich ja weitere sehen und es wird sich nichts ändern. Diejenigen, die nicht so oft in den Stadien dieser Republik unterwegs sind oder eher Szenefern werden in Zukunft auf mich verzichten müssen. Ich danke Euch dafür, dass ihr mich zwei Jahre in Eurer Leben gelassen habt. Es war schon immer wieder Rückmeldungen zu bekommen, dass ich oft das schreibe, was ihr denkt. Ich danke ebenso den anonymen Pöblern, denn ihr habt mir sehr geholfen mich zu reflektieren. Und ein ganz spezieller Gruß geht natürlich an Arno Nühm. Ich danke Euch allen dafür, dass ihr es so lange mit mir ausgehalten habt. Ich werde das hier alles sehr vermissen und ich hoffe ich konnte bei allem Schwachsnn, den ich hier auch geschrieben habe, den einen oder anderen auch zum Nachdenken anregen. DAS soll jetzt so pathetisch klingen wie es sich liest.
Natürlich bin ich nicht aus der Welt. Der Podcast ist immer noch da, „Kein Zwanni“ wartet mit Aufgaben, der Film wird hoffentlich gemacht und auch ansonsten wird mir nicht langweilig werden. Ich habe noch ein weiteres Projekt, dass im November starten soll und meine To Do-Liste ist voll mit Plänen. Sogar für einenanderen Blog habe ich eine Idee. Aber der wird wenn er denn kommt komplett anders. Nicht persönlich und auch nicht täglich. Der öffentliche Einblick in mein Privatleben ist hier und heute beendet. Wobei man soll niemals nie sagen. Vielleicht vermisse ich das ganze Ding dann irgendwann so sehr, dass ich wieder schreibe. Oder ich habe neue Ideen. Aber Stand jetzt ist dieses Projekt beendet.
Man stelle sich bitte hier schmalzige Geigenmusik vor zu der ich langsam am Horizont verschwinde, während der Abspann läuft. Alternativ nehmen wir den Vorschlaghammer und hauen alles kurz und klein.