Samstag, 30. April 2011

Ich geh die Wände hoch

Mein Hirn beschäftigt sich sehr stark mit dem heutigen Spiel. Ich bin mit einem Traum darüber aufgewacht. Wir führten 1:0 bis Leverkusen 2 Minuten vor Schluss noch den Ausgleich erzielte. Ich hatte so schlechte Laune, die sich wie Verzweiflung anfühlte. Ein bisschen wie beim 1:1 letztes Jahr gegen Hoffenheim. Ich war mir 100 Prozent sicher über seherische Fähigkeiten zu verfügen, weil ich genau sah, wie das Tor auf die Nord hin fiel und überlegte, ob ich das Schicksal vielleicht gnädig stimmen könnte, wenn ich das Spiel zu Hause schaue. Bis mir dann endlich mal auffiel, dass wir heute gegen Nürnberg und gar nicht gegen Leverkusen spielen. Danke Hirn. Wer Dich als Freund hat...

Heute ist das letzte Spiel, dass ich für lange Zeit im Westfalenstadion sehen werde. Das macht mein Gefühl noch schlimmer. Zwar habe ich immer noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass ich am 34. Spieltag doch irgendwie ins Stadion kann, aber das wird dann eben eher eine hektische Nummer. Heute ist das letzte Heimspiel bei dem ich in Ruhe ins Stadion gehen kann. Wobei: Was heißt schon in Ruhe? Ich hatte mir zwar vorgenommen das Spiel heute zu genießen, aber ich bin schon nach dem Aufstehen ein Wrack. Ich kann gar nichts genießen, ich bin ein Nervenbündel und trage die Mutter aller Scheißgefühle mit mir rum. Wobei ich heute kein klassisches Scheißgefühl habe. So kann man es nicht sagen. Es ist eher die blanke Angst. So als würde ich zu meiner eigenen Hinrichtung bestellt. Ja ich weiß, ich bin uncool, aber ich bin schon gestern die Wände hochgegangen. Sollten wir heute nicht Meister werden, wovon ich ausgehe, werde ich die Woche über wohl vollends durchdrehen.

Warum habe ich mir kein anders Hobby gesucht?

Freitag, 29. April 2011

Murmeltier mit fallendem Aktienkurs

Da sitzt man seit 7 Uhr wach zu Hause, weil der Heizungsmonteur da war und hätte alle Zeit der Welt was über Nürnberg zu schrieben, aber was fällt einem ein: Nichts. Nullkommanullgarnichts. Leeres Blatt Papier. Okay, weniger Blatt, aber dafür umso leerer. Ich habe in meiner Verzweifelung sogar zwei Kapitel aus Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben - es ist das Einzige von Ben Redelings gelesen und dabei festgestellt, dass das Buch zwar ein Pflichtkauf für jeden Fan ist, aber dabei fstgestellt, dass es nichts unpassenderes gibt als beim Thema "Meisterschaft" Bücher von VfL Fans zu lesen.

Ich fühle mich in einem Zeit-Raum-Kontinuum gefangen. Jede Woche die selbe Leier. „Wann werden wir Meister?“ „Wo feiern wir“ „Verkacken wir es noch?“, „Meisterflatter“. Ich fühle mich wie Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“. So beschissen ich es finde, dass ich am 34. Spieltag arbeiten muss, so sehr freue ich mich, dass mich mein Job gerade so wahnsinnig in Beschlag nimmt. Denn es kotzt mich enorm an, dass ich emotional einem Ereignis hinterher hecheln muss, das gefühlt eigentlich schon passiert ist. Ich fühle mich zum ersten mal in meinem Leben wie eine Aktiengesellschaft, der alle Analysten gute Zahlen vorraussagen und die Anleger dann enttäuscht sind, wenn diese nicht übererfüllt werden. Aber ich fand Analylsten schon immer scheiße und habe mich gefragt, warum die kein Unternehmen leiten, wenn die angeblich so gut sind. Aber irgendwie verbieten sich AG Vergleiche in Bezug auf den BVB. Außer, dass natürlich der Börsenkurs in den Keller rasen würde, wenn wir nicht Meister werden, was mich aber ungefähr so stark interessiert wie die Hochzeit der Royals.

Nur noch 15 Tage. Ich kann nicht mehr.

Donnerstag, 28. April 2011

Wenn ich die DFL wäre

Die Meisterschaft liegt in den Schlusszügen und wir Fans sind wahlweise optimitisch oder sehen das verpassen der Schale vor Augen. Ich gehöre eher zu Kategorie 2, aber das ist ja bekannt. Das schöne daran: Es ist scheißegal, was wir denken, denn der Ausgang der Meisterschaft ist davon total unabhängig. Dem Schicksal ist es scheißegal, ob wir Optimisten oder Pessimisten sind. Ich denke aber dagegen, dass es der DFL nicht scheißegal ist, wer Meister wird.

Mir wäre das zumindest nicht egal, wenn ich die DFL wäre. Nehmen wir mal die Ausgangslagen: Wir haben hier einen Verein, der vor 30.000 Leuten spielt – aber auch nur unter der Voraussetzung, dass der Gast genug Fans mitbringt – und dort einen Verein, der locker vor 80.000 auftritt. Und wir haben hier einen Verein, dessen Meisterschaftsfeier eine Stunde dauert und so inszeniert werden muss, dass es für eine Schaltung im Sportstudio noch knapp reicht um "Stimmung" zu simulieren, bevor dann alle – wobei „alle“ ca. 10.000 Menschen sind - nach Hause gegen weil es schon spät ist, während beim anderen Vereine eine halbe Millionen Leute aus dem Feiern nicht mehr rauszubekommen ist. Die Party würde bei denen – also uns – auch live im TV als Sondersendung kommen , während man bei Leverkusen darauf verzichtet, weil es niemanden interessiert. Wenn ich die DFL wäre würde ich mir sowas von ins Hemd machen, ob der Gefahr, dass nach 2009 schon wieder ein Club Meister wird für den sich niemand interessiert. Das ist nämlich auch unter Vermarktungsgründe der Alptraum. Ein echtes Wurst-Käs-Szenario. Zum Glück bin ich nicht die DFL.

Aber leider sind meine Sorgen nicht weniger schwer.

Mittwoch, 27. April 2011

Meine armen blauen Freunde

Unsere Freunde aus Gelsenkirchen haben verloren. Das tut mir sehr leid. Ruhrgebietssolidarität. Ich leide förmlich mit den tapferen Eurofightern. Mein Schmerz ist kaum auszuhalten. Wenn ich an die tapferen Recken in Blau und Weiß denke. Und die 5-Jahres-Wertung. Seit gestern Abend sitze ich tränenüberströmt in meiner Wohnung. An Arbeit ist kaum zu denken. Wie soll ich so verheult in der Firma auftauchen. Ach ich gehe einfach nicht hin. Sie werden es verstehen, dass ich meinen Schmerz ertränken muss. Obwohl ich habe soviel zu tun. Ich werde wohl gramgebeugt hingehen müssen. Wie soll ich das nur ertragen?

Okay, genug geheuchelt. Ich habe mir die Scheiße nicht angeschaut, um ehrlich zu sein. Ich wollte mich nicht der Gefahr aussetzen mir das Gefeier des Packs anzuschauen. Wobei es echt schwer war eine Kneipe in Hamburg zu finden, die kein Fußball schaute. Ich saß dann in einer der besten Kneipen Hamburgs draußen und zum Glück war ich da vor Fußball sicher. Ich habe gehört, dass Manuel Neuer, seines Zeiches Ex-Mitglied von Ultras Gelsenkirchen wieder mal bombastisch gehalten haben soll. Und dass das Gesocks unterirdisch gespielt hat. Perfekt. Natürlich ist die Messe noch nicht gelesen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Blauen ins Finale kommen ist deutlich reduziert.

Seit gestern ist die Welt ein Stück gerechter.

Dienstag, 26. April 2011

Schon wieder die 20

Meistens kommt es ja total anders als man denkt. Gestern zum Beispiel. Ich hatte ursprünglich geplant mich Ostermontag auszuschlafen, dann darüber zu bloggen, warum ich Pyro immer noch scheiße finde und anschließend zu Hause rumzugammeln. Zu Hause rumgammeln ist ohne Fußball aber echt scheiße. Gut, ich habe inzwischen Sportdigital TV auf dem man den ganzen Tag – live oder als Konserve – Major Soccer League, italienischen, russischen, niederländischen und türkischen Fußball schauen kann, aber das schien sogar mir zu sinnlos bei dem Wetter, so dass ich das Projekt „Hamburger Amateurfußball“ in Angriff nahm, vor dem ich mich bisher immer gedrückt hatte.

Über einen Facebookpost stellte sich dann raus, dass ein Dortmunder Szenegesicht zu einem entscheidenden Kick um den Aufstieg aus der Kreisklasse antreten musst, so dass sich zur nachtschlafenden Zeit um 10:45 Uhr eine kleine Dudes-Abordnung bestehend aus Chris, Kutten-Elo und mir auf einem Rasenplatz irgendwo in Horn einfand . Auch der anonyme Ehren-Dude gab sich zu Beginn der zweiten Halbzeit noch die Ehre und so nahm ein wirklich sehr lustiger Sonntag seinen Anfang.

Ich war bisher eigentlich der Meinung, dass ich mit Amateurfußball nichts anfangen kann. Die Unterstützung der Amateure des Ballspielvereins hat für mich immer was latent Aufgesetztes. Das fühlt sich für mich künstlich an. Soll machen wer will, aber meine Welt ist das nicht. Und bei unterklassigem echtem Amateursport war ich auf Grund meiner Vergangenheit irgendwie gespalten. Mein Vater war in den 80ern mal Präsident des VfB Annen und was es da an Intrigen und Ekelhaftigkeiten gab, hat nichts, aber auch gar nichts mit „ehrlichem Amateursport“ zu tun. Trotzdem sei an dieser Stelle mal darauf hingewiesen, dass ich in sehr jungen Jahren keine Unterstützung für die E-Jugend von TuS Heven war, bei der ich gerade mit Amüsement fstgestellt habe, dass da mein ehemaliger Englisch-Lehrer zweiter Vorsitzender ist. Schism Klein rules.

Aber ich muss nach gestern alles zurücknehmen, was ich bisher dachte, denn wie bereits gesagt, entwickelte sich Ostermontag zu einem sehr lustigen „Sonntag“. Das Spiel um den Aufstieg entwickelte sich zu einem packenden Match auf Augenhöhe, wobei die deutlich stärkeren Eilbeker wie der BVB spielten. Zwar nicht auf technischem Niveau, aber man versuchte immer den Ball noch mal zu passen, während der HT16 nur zwei Chancen bekam und diese dann eiskalt versenkte. Die 2:1 Niederlage des SC Eilbek war daher so logisch, wie unnötig. Ansonsten wurde jedes Klischee des Amateursports erfüllt. Pöbelnde Trainer - von denen einer aussah wie Wolfgang Rolf - meckernde Zuschauer und ein durchgetretenes Schienenbein, das sich einige Stunden später zum Glück nur als sehr schwer geprellt rausstellte.

Als das Match diverse Biere später zu Ende war zogen Kutten-Elo, der anonyme Eheren-Dude und ich noch weiter, um uns das Bezirksliga Match der ersten Mannschaft des SC Eilbek gegen Poppenbüttel anzuschauen, während Chris der alte Streber lernen ging. Hier gesellten wir uns zur Mannschaft von SC Eilbek 2, die nun auf Höhe des Mittelkreises Bier trinkend und aufgereiht wie die Hühner an Tischen saß und sehr laustark die 1. Mannschaft unterstützte. Es war interessant zu sehen, dass der Sport zwei Klassen höher doch schon deutlich mehr nach Fußball aussieht, auch wenn auch das unterklassige Match vier Stunden früher weit weg von reinem Gebolze war. Zum Opfer des Tages wurde die Nummer 20 von Poppenbüttel. Denn sobald der auch nur in die Nähe des Balles kam oder einen Eilbeker berührte schrie der versammelte Mob „Ey, schon wieder die 20. Gib dem doch eine Karte“, was den Knaben zusehends zermürbte. Wirklich lustig, wenn auch nicht nett. Nach dem 1:0 für Eilbek ging ein wirklich guter Tag zu Ende. Kutten Elo und ich beschlossen reichlich Knülle dem Hamburger Amateurfußball öfter die Ehre zu geben. Es gibt bei schönem Wetter deutlich schlimmer Arten den Tag totzuschlagen.

Ich habe Dir Unrecht getan, Amateurfußball. Du kannst sehr unterhaltsam sein.

Sonntag, 24. April 2011

Hochmut kommt doch vor dem Fall

Knapp vorbei ist auch daneben. Es war alles angerichtet gestern, aber die Feier entfiel. 20.000 Borussen begleiteten den glorreichen Ballspielverein nach Gladbach. Wären wir gestern Meister geworden, wäre das eine Kulisse und ein Spiel gewesen von dem man in 30 Jahren noch reden würde. So wird es leider nur eine Randnotiz bleiben. Dabei war der gelbe Anteil im Stadion wirklich beeindruckend. Und auch der der Support war wirklich groß. Gerade Anfang der zweiten Halbzeit war es brachial laut. Und das völlig ohne Gegenwehr der Gladbacher. Es ist erschreckend wie tot die Nordtribüne ist. Das ist meiner Meinung nach – das nicht ernst zu nehmende „Projekt Hoffenheim“ mal ausgenommen – die schwächte Kurve der Liga. Einmal kurz vor Schluss wurde die richtig laut und das war es dann. Gratulation. Ihr seid die Größten. Neben dem Umstand, dass wir gestern nicht Meister geworden sind, war das schlimmste an gestern, dass die Gladbacher nun wieder Hoffnung haben. Unfassbarer Kackverein.

Für Optik und Support gibt es im Fußball aber leider keine drei Punkte und so fuhren wir mit leeren Händen nach Hause. Ich habe gestern ja schon geschrieben, dass mir die Arroganz und der Hochmut auf die Nerven geht und dass ich immer noch skeptisch bin, was die Meisterschaft betrifft. Und leider hat sich das heute nicht gebessert. Im Gegenteil. Ich bin was den Titel angeht sehr negativ eingestellt. Das Fehlen von Nuri macht sich im Spiel doch extrem bemerkbar. Und vor allem würgen sich die Leverkusener immer noch drei Punkte rein, auch wenn sie schlecht spielen. Mir geht dieses Gelaber, wann man wo die Meisterschaft feiern will auf den Keks. Mir ist das scheißegal. Haupsache wir haben überhaupt was zu feiern.

Ich halte dieses emotionale Auf und Ab bald nicht mehr aus.

Samstag, 23. April 2011

Hochmut ohne Fall?

Mir geht dieser Hochmut langsam auf die Nerven, der sich bei – sogar recht großen – Teilen der Fans breit macht. Ich weiß, dass man Foren nicht ernst nehmen darf, aber die sind immer ein ganz guter Stimmungsindikator. Und der steht gerade auf „Arroganz“. Denn die Meisterschaft ist für die meisten heute schon so gut wie im Sack. Das nervt ein wenig, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Nicht falsch verstehen: Für mich gäbe es auch nichts schöneres als die Meisterschaft im Pony-Plattenbau zu feiern, aber das wird ein schwere Stück Arbeit. Denn die Huflahmen sind zu Hause in letzter Zeit gar nicht so schlecht und die Geschichte „18. schlägt 1.“ ist eigentlich zu schön um die sie nicht zu erzählen. Ich bin also wie immer skeptisch und habe ein schlechtes Gefühl. Das ist ja bis jetzt dann immer gut gegangen. Allerdings bin ich immer noch skeptisch und habe Angst, dass wir die Meisterschaft vergeigen. Ich weiß selbst, dass das affig ist, aber ich traue dem Braten nicht. Diese siegestrunkenen Selbstzufriedenheit geht mir auf den Sack.

Aber vielleicht kommt Hochmut heute mal ohne Fall.