Ich bin richtig angefressen. Nein, das so zu sagen wäre gelogen. Ich bin stinksauer. Und zwar wegen eines Blogeintrags im „Gebrüder Bich“-Blog, der aber – wenn ich das richtig verstanden habe – von einem Gastschreiber stammt. Wer keine Zeit oder Lust hat den ganz zu lesen, für den sei hier mal der für mich entscheidende Part zitiert
„Es geht hier allerdings immer noch um Borussia Dortmund, darum, unsere Liebe zum Sieg zu schreien und nicht um irgendeine Sufftour wo man sich 39 Pils reinschraubt und dann sinn- und bewusstseinsentleert im Bademantel zum Affen macht! Haut doch ab zum Flippers-Konzert!“
Um es gleich mal klar zu stellen: Ich bin nicht sauer, weil es jemand affig findet, dass wir im Bademantel zum Fußball gehen. Im Gegenteil. Das kann ich gut verstehen, weil das affig IST. Ich musste mir sowohl live als auch im SG-Chat oder per Messenger genug deswegen anhören und mir ist schon klar, dass noch mehr über uns den Kopf schütteln, wenn ich nicht dabei bin. So was muss man einfach aushalten, wenn man auf so eine bescheuerte Idee kommt und ich verstehe jeden, der findet, dass das ein optisches Verbrechen ist. Gut, man kann jetzt drüber streiten, ob der Ultra-Einheits-Look nun das optische Highlight ist, aber das ist wie alles im Leben Geschmackssache und ich will nun wirklich nicht den gelben Bademantel zum modischen Nonplusultra der Fußball-Fans erheben. Also, halten wir fest: Es ist nicht die Ansage, dass ich mich affig verhalte, die mich wütend macht.
Deutlich weniger lustig finde ich den Umstand, dass uns den Konsum von 39 Bieren unterstellt wird bzw. der Suff als Selbstzweck. Stimmt, ICH war zum Ende des Spieles betrunken, aber nicht so voll, dass ich nichts mehr mitbekommen habe. Und vor allem: Die meisten der Gruppe waren stocknüchtern. Denn das Ganze war eben KEIN ins Stadion verlegter Junggesellenabschied. Wir waren Samstag mit 30 Leuten vor Ort von denen 12 die Bademantel-Aktion mitgemacht haben. Von mir bzw. meinem Blog eine Ableitung auf den Rest der Gruppe zu treffen finde ich – sagen wir es vorsichtig – gewagt. Vor allem, wenn man direkt von dem von mir zitierten Absatz folgenden Satz in die Tasten haut.
„Hinzu kommt, dass die lange Fahrt, die fehlende Nacht, die Anreisestrapazen und der bei vielen gesteigerte Suff leider nicht viel mehr möglich macht“
Sollte ich den Autor des Textes mal persönlich kennenlernen, würde ich mich freuen, wenn er mir den Unterschied zwischem dem Suff seiner Gruppe und meinem erklärt. Denn anscheinend der Suff seiner Bezugsgruppe besser als meine, auch wenn seine Jungs nach Aussage des Autors deutlich alkoholisierter war als meine. Vielleicht verstehe ich das auch alles falsch und es gibt eben guten und schlechten Suff. Wobei seiner dann der gute ist und meiner der schlechte. Was ja eindeutig nur am Bademantel liegen kann und nicht am Pharisäertum des Schreibers. Was lernen wir daraus: Willst Du saufen zieh den Bademantel aus! Übrigens: Ich lass mich gerne wegen gesteigerten Alkoholkonsums im Stadion kritisieren. Das ist ein sinnvolle Diskussion und ich bin von überalkoholisierten Leuten auch genervt. Ich lass mir das also wirklich gerne sagen. Aber dann bitte von Leuten die nüchtern sind.
Aber auch der Part mit dem Alkohol ist mir letztlich wurscht. Wirklich wütend macht im die Unterstellung, dass es uns nicht um den BVB geht. Mein lieber Schreiber, ich habe keine Ahnung wie alt Du bist, aber ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass ich schon zum Fußball gegangen bist, als Du noch nicht auf der Welt warst. Ich habe Eike Immel noch in der B-Jugend spielen sehen. Wahrscheinlich fällt die Bilanz der letzten 10 Jahre deutlich zu Deinen Gunsten aus, aber ich will mich hier auch gar nicht auf das Spiel „Wer ist der bessere Fan?“ einlassen, weil ich das affiger finde als 10 übereinander angezogene Bademäntel. Aber ich werde wirklich sauer, wenn mir jemand unterstellt, dass es mir nicht um den BVB geht. Ich gehe mit Gedanken an diesen Verein ins Bett und wache mit Gedanken an ihn auf. Ich verbringe fast meine ganze Freizeit mit Arbeit für diesen Club. Anders gesagt: Mein Leben dreht sich um den Ballspielverein. Niemand unterstellt mir bitte, dass es mir nicht um den BVB geht.
Ich würde sehr gerne mal mit dem Autor darüber reden, inwiefern man von affigen Outfits auf innere Einstellungen schließen kann. Wer von meinen szenekundigen Lesern den Autor kennt, der möge mit doch bitte mal einen Kontakt machen. Ich freue mich auf den Austausch!
Ach ja, leider ist es bis zum nächsten Flippers-Konzert noch ein Weilchen hin , so dass ich meinen Schmerz weiter mit dem BVB trösten muss.
So ein Pech aber auch!