Mittwoch, 7. April 2010

Das Tor - eine emotionale Achterbahn

Wenn im Stadion ein Tor fällt, geht in meinem Kopf vorher und danach eine emotionale Achterbahn allererste Güte abab. Ich weiß nicht, ob Sie das auch kennen, oder ob das nur wieder meinem verqueren Kopf geschuldet ist, aber falls Sie gar nicht ins Stadion gehen - weil Sie z.B. auf dem Mars keine Stadien haben - erkläre ich es Ihnen einfach mal, was ich meine.

So ein Tor ist ja – drei Euro ins Phrasenschwein – das Salz in der Suppe eines Fußballspieles. Aber der Weg dahin ist für mich mit einigen Hochs und Tiefs verbunden. Gehen wir einfach mal von einer Kontersituation aus. Der Gegner bedroht das eigene Tor, wir fangen den Ball ab und starten eben diesen Konter. Zunächst geht es emotional in die Höhe, weil man die Hoffung hat, dass man ein Tor erzielt. Es sei denn der ballführende Spieler heißt Nelson Valdez. Dann weiß man eigentlich, dass der ideale Moment gekommen ist aufs Klo zu gehen ohne was zu verpassen. Aber gehen wir einfach mal davon aus, der ballführende Spieler weiß auch, wo das Tor steht. Je näher dieser dem Tor kommt umso mehr weicht die Freude über den Konter der Angst, dass er das Ding versemmeln könnte. Kurz vor dem Abschluss ist die Hoffnung bei mir dann eigentlich immer auf dem Nullpunkt. Landet der Ball dann aber - wider Erwarten -im Tor, schießt mir sofort das Adrenalin in die Birne. Erst für einen Sekundenbruchteil aus Freude, was dann aber ziemlich sofort von einem hektischen Suchen abgelöst wird, ob irgendwas an diesem Tor irregulär sein könnte.

Also Blick zum Linienrichter: Keine Fahne oben. Blick zum Schiedsrichter: Der läuft zum Mittelkreis. Der gibt das Tor wirklich. Das kann doch nicht sein. Wie geil ist das denn bitte. Eine Sekunde Unglaube wird von einem inneren und äußeren Jubel abgelöst. Falls Sie Fußball-Fan sind: Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber diese Sekunden nach dem Tor sind für mich die schönsten Momente der Woche. Keine Besprechungen, keine Kundentermine, keinen Druck. Freude pur. Allerdings wird diese Freunde bei mir relativ schnell von einem Nachdenken darüber abgelöst, ob wir den Vorsprung halten werden können und der Kopf ist wieder voll an und die emotionale Schnappatmung kehrt zurück.

Ich hoffe mal schwer, dass das irgendwem auch so geht. Ich möchte nicht der eizige bescheuerte von 80.000 sein.

Dienstag, 6. April 2010

„Heja BVB“ vs. Disco Boys

Bevor ich zum Thema des heutigen Tages komme übrigens noch mal Respekt an die Bichs für diesen Blogeintrag. Dass ist wirklich ein wunderschöner Diss, der stilistisch sehr gut ist Ehre, wem Ehre gebührt. Ich mag so was.

Kommen wir nun aber zu einem - wie ich finde - unerfreulicheren Thema. Nämlich der Einlaufmusik im Westfalenstadion. Bzw. eher dem Timing der selbigen. Das sieht ja immer so aus, dass das zunächst der Track „I came for you“ von den Disco Boys gespielt wird. Er führt ganz ordentlich zu dem Moment hin in dem die Spieler das Stadion betreten, was für mich eigentlich DER Moment vor dem Spiel ist, um dann von „Heja BVB“ abgelöst zu werden. Letzteres Lied wird vor dem Anpfiff gespielt seitdem ich ins Stadion gehe. Über die Qualität der Disco Boys gibt es hoffentlich keine zwei Meinungen, aber als „Ramp“ funktioniert der Song einwandfrei. Er bereitet die Leute auf das erscheinen der Spieler vor, ohne in die amerikanisch übertriebene Hyperinszenierung, wie z.B. das unsägliche Wolfsgeheul in der VW-Stadt, zu verfallen.

Wir können uns in Dortmund da also nicht beschweren. Es gibt zwar ein paar Traditionalisten, die den Song gerne ganz abschaffen würden und nur „Heja BVB“ würde als Einlaufmusik einfach nicht funktionieren, weil das Lied keine Hinführung hat. Der Moment des Einlaufens muss der Höhepunkt sein und da würde nur „Heja BVB“ nicht funktionieren. Trotzdem läuft sein ein paar Spielen was schief. Bzw. ich dachte erst, dass was schief laufen würde, aber inzwischen glaube ich, dass es Absicht ist. Ich weiß gar nicht, wann es mir das erstemal aufgefallen ist. Es könnte gegen Hannover gewesen sein. Auf jeden Fall verpasste die Regie irgendwann bei Einlauf den Wechsel zu „Heja BVB“. Ich habe berufsbedingt denke ich ein gewisses Gespür für Inszenierungen und so was fällt mir doch meist sofort auf. Allerdings dachte ich , dass man den Einsatz verpasst hat und daher noch mal einen Loop mitnehmen muss. Allerdings wird der Wechsel von den Disco Boys zu „Heja BVB“ seitdem immer weiter rausgeschoben und findet jetzt teilweise erst statt, wenn die Mannschaften kurz vor Anpfiff sind.

Nun heiße ich zum Glück nicht Westfalentobi , sonst würde ich da eine Verschwörung wittern, aber komisch ist das schon. Denn ich frage mich ernsthaft, was das soll? Ist das die Vorbereitung darauf den Song ganz abzuschaffen? Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Das würde unfassbar viel böses Blut schaffen und wäre auch einfach Quatsch. Aber es kann auch nicht nur reine Inkompetenz sein. Allerdings funktioniert dadurch im Moment die ganze Einlaufinszenierung nicht mehr. Eben weil „I came for you“ eben auch nicht mehr als eine Hinführung ist. Den im Moment des Einlaufens weiter zu spielen zerstört die Inszenierung. Und zwar mal auch komplett. Das Betreten des Spielfeldes ist ein heiliger Moment und muss auch inszenatorisch so unterstützt werden. Inzwischen wirkt das so feierlich als würden ein paar nette Jungs den Bolzplatz betreten.

Sollten die Leute in der Regie nicht merken, dass das nicht funktioniert müsste man sie dringend austauschen. Aber für so inkompetent halte ich die – ohne, dass ich sie kenne - nicht. Trotzdem kann ich das Einlaufen nicht mehr genießen, weil ich die ganze Zeit drauf achte, wann der Mensch in der Regie endlich den Musikwechsel vornimmt. Um mich dann zu ärgern. Gut, es ist jetzt nicht so, als würde es mir das Spiel kaputt machen, aber es nervt halt. Und ich frage mich vor allem, was da wen antreibt.

Warum auch immer: Es ist schlecht.

Montag, 5. April 2010

Paulo Guerrero oder: Willkommen beim HSV Handball

Ich blogge ja eigentlich nicht über nicht BVB-Themen, aber die Nummer mit Paolo Guerrero ist dann doch irgendwie nicht zu ignorieren. Wer die Aktion gestern gesehen hat, der muss eines attestieren: Fußballerisch ist Guerrero vielleicht nicht mehr ganz auf der Höhe, aber wenn er den Rest der Saison für Fußball gesperrt wird, dann kann er bei Piet Krebs ja mal anfragen, wie es mit dem HSV-Handball aussieht. Denn eines muss man ihm lassen: Einen guten Wurf hat er. Doch auch wenn nun inzwischen schon die üblichen lustigen Videos zu dem Thema online sind und dem ganzen Vorgang natürlich eine humoristische Komponente nicht abzusprechen ist, bleibt da aber trotzdem ein sehr ernster Hintergrund.

Erst einmal muss man konstatieren, dass Guerrero Glück hatte, dass er einen so guten Wurf hat. Wenn die Plastikflasche nämlich ihr avisiertes Ziel verfehlt trifft sie einen Menschen, der hinter, vor oder neben dem Pöbler steht. Und dann lieber Paulo, ja dann hast Du ein richtiges Problem. Dann rechtfertigt auch niemand mehr Deinen Ausraster mit „Emotionalität“ nach dem Spiel. Womit wir zum eigentlichen Skandal kommen. Und der wird meiner Meinung nach von Matthias Sammer personalisiert. Wobei der nur die Spitze des Eisberges ist.

Mich regen die Reaktionen von Sammer und Co nämlich deutlich mehr auf, als der Flaschenwurf selbst. Um Missverständnisse vorzubeugen: Natürlich heiße ich den Wurf von Guerrero nicht gut. Das kann zu üblen Verletzungen des Getroffenen führen. Man regt sich – und das völlig zurecht – im Fußballstadion über Leute auf, die Hartplastikbecher teilgefüllt in die Menge schmeißen. Das führt immer wieder zu Verletzungen. Jemand aber einen gefüllte Flasche vorsätzlich ins Gesicht zu werfen ist aber noch mal ein völlig anderes Kaliber und erfüllt – meines geringen juristischen Verständnisses nach – den Tatbestand der (versuchten) gefährlichen Körperverletzung. Vor allem nimmt er ja eben billigend in Kauf, dass jemand anderes außer dem Pöbler verletzt wird. Trotzdem ist das ganze meiner Meinung nach kein Grund in empörtes, alarmistisches Geheule auszubrechen. Natürlich kann man argumentieren, dass ein Fußball-Profi sich im Griff haben muss, weil der schließlich viel Geld bekommt und auch eben durch die Zuschauer im Stadion. Aber Millionen hin oder her, ein Fußballer ist auch nur ein Mensch und wenn Du so schlecht spielst und dann noch über mehr als eine Stunde von den eigenen Fans ausgepfiffen wirst, dann liegen die Nerven halt blank. Das rechtfertigt natürlich nicht den Übergriff, aber macht ihn erklärbar und nimmt ihm meiner Meinung nach das Element der Empörung. Menschen machen Fehler und müssen sich für diese verantworten ohne, dass man sie gleich wie eine Sau durchs Dort treibt. Daher würde ich mir wünschen, dass das Kesseltreiben gegen Guererro unterbleibt. Wohl wissend, dass das natürlich nicht so sein wird. Dass der Pöbler Guererro deutlich beleidigt haben soll, erklärt natürlich den Wurf, rechtfertigt ihn aber natürlich nicht.

Was mich wirklich empört ist eben die Reaktion eines Bernd Hoffmann, Frank Rost, Christian Ziege und Matthias Sammer, also die offizielle Seite des Sports. Wobei man bei Hoffmann sagen muss, dass er als Verantwortlicher erst mal versucht nichts zu sagen, um sich für später alle Optionen offen zu halten. Denn ein Angestellter seines Vereins hat einen Fan seines Vereines beworfen. Unschöne Situation. Da würde ich mich erst einmal auch beraten. Wobei Hoffmann meiner Meinung nach besser beraten gewesen wäre genau dieses Dilemma zu thematisieren und zu sagen, dass er erst einmal alle Fakten braucht. Rosts Reaktion - er meine, dass Guerrero gut beim Baseball anfangen könnte - finde ich deutlich dämlicher, würde dem aber zu Gute halten würde, dass der auch nach den Vorfällen in Berlin und anderswo nicht gleich den Untergang des Abendlandes ausgerufen hat und sehr mäßigend war.

Was aber gar nicht ging, war die Reaktion von Sammer und Ziege. Wobei Sammer noch mal ein Extra-Kategorie ist. Er sagte sinngemäß, dass es eine Regel gibt, dass alles was in den ersten 10 Minuten nach dem Spiel gesagt wird, als nicht gesprochen gilt. Lieber Matthias Sammer, man kann das doch nicht ernsthaft auf den Flaschenwurf gegen einen Menschen anwenden wollen, oder? Auch Ziege stieß in ein ähnliches Horn und beide wiesen auf die „emotionale Situation“ hin. Gut, dass könnte man ja alles noch hinnehmen, wenn Sammer nicht einer derjenigen wäre, der bei Fehlverhalten von Fans immer sofort mit großer Empörung dabei ist, Stadionverbot fordert und jeden Beteiligten das Fantum abspricht. Was hat der sich damals bei der Entlassung von Babbel empört. Aber ist ja auch klar, Herr Sammer. Wer einen Bus blockiert ist natürlich deutlich krimineller als ein Falschenwerfer. Man muss sich schon entscheiden: Wenn Emotionalität eine Entschudldigung ist, dann für alle oder für keinen.

Nun konnte man bei der ersten Reaktion ja noch davon sprechen, dass Sammer mit der Situation überfordert war, aber auch als es später noch mal um das Thema ging, war er nicht dazu zu bewegen die Aktion klar zu verurteilen, sondern redete sich über „mangelnde Zuständigkeit“ raus. Auch auf mehrmaliges Nachfragen des Moderators. Jener Matthias Sammer übrigens, der seine „Vermittlung von Werten“ sonst immer mit größter Monstranz vor sich her trägt. Aber die Werte des Matthias Sammer scheinen nicht für alle zu gelten. Ich mochte Sammer schon zu seiner aktiven Spielerzeit, weil er Sachen klar angesprochen hat und das hat sich danach nicht geändert. Ich mag unangepasste Typen. Aber wer so rumeiert wie er es gestern getan hat, der soll bitte einfach die Klappe halten. Aber beim nächsten „Krawall“ wird er wieder in vorderster Front die Bestrafung der „Kriminellen“ fordern.

Aber wir sind halt alle nur Pharisäer, nicht wahr?

Sonntag, 4. April 2010

Wie geil kann ein einzelner Spieltag sein?

Man geht ja nach einem Sieg ja immer euphorisiert aus dem Stadion, aber was man gestern nach dem Spiel gesehen hat war schon der Hammer. Wie geil kann ein einzelner Spieltag bitte sein? Wildfremde Menschen, die sich glücklich anlächelten und jeden, den man auch nur einigermaßen kennt, musste man zwanghaft in den Arm nehmen. Unfassbar geil das alles. Bremen geputzt, das Pack verliert und Eintracht besiegt auch noch die Pillendreher. Natürlich träumen wir alle – ob wir es zugeben oder nicht – von der Championsleague und haben seit gestern wieder begründete Hoffung, dass das Pack nicht Meister wird.

Was gestern im Stadion abging war schon phänomenal, wenn auch in einigen Punkten zu kritisieren. Der Jubel bei den Toren der Bayern war dabei genauso groß wie bei den eigenen Toren. Im Westfalenstadion sind sozusagen gestern vier Tore für uns gefallen. Der Jubel nach den Toren und die anschließenden Sprechchöre waren auch völlig nachvollziehbar und machten große Freude. Wer da nicht mitjubelt hat kein Herz. Was mich allerdings ein wenig gestört hat, war, dass viele Leute sich gar nicht mehr auf das Spiel konzentriert haben, sondern sich im Anti-GE-Wahn ergingen. Ich gebe zu, dass es mir auch schwer gefallen ist mich wieder zu konzentrieren, aber das wirklich wichtige Spiel fand halt unten auf dem Platz statt und nicht in Gelsenkirchen. Zum Glück kam das Stadion dann wieder auf die Spur und feuerte die Jungs an. Richtig unangenehm fand ich das allerdings einmal nach dem Spiel. Die Jungs haben gekämpft, wollen sich völlig zurecht feiern lassen und die Masse der Süd stimmt „Scheeeeißeeee 04“ an. Sorry, aber das ist daneben. In dem Moment hat die Konzentration dem Team zu gelten, dass uns wieder Hoffnung auf die CL gibt. Das ist den Jungs gegenüber scheiße. Zum Glück fand auch das dann ein Ende und es wurde mit dem Team gefeiert.

Aber das klingt jetzt hier auch meckriger als ich es eigentlich meine. Insgesamt war es ein hervorragender Tag. Die Mannschaft hat zwar in der zweiten Halbzeit nicht mehr blendend gespielt, aber leidenschaftlich gekämpft. Und auch der Support war gut. Es kam zwar nicht an das Leverkusen-Spiel ran, aber in den entscheiden Momenten war das Stadion zu Stelle. Und so hatten wir alle kollektiv einen wunderschönen Tag. Diese Euphorie die in den Gesichter der Menschen zu sehen war, müsste man konservieren können. Wobei ich auch heute noch mit dem breitesten Grinsen rumlaufe, dass man sich vorstellen kann.

Natürlich wird erst am 34. Spieltag abgerechnet, aber den Tag gestern kann uns niemand mehr nehmen.

Edit: Wenn das stimmt, was Seb unten schreibt, ist das natürlich anders zu bewerten. Konnte ich aus der Ecke nicht sehen

Samstag, 3. April 2010

Immer locker durch die Hose atmen

Heute geht es gegen die Bremer. Ich finde die Bremer an sich stinklangweilig, weil man die nicht mal richtig scheiße finden kann. Jeder „mag“ die irgendwie, weil man ziemlich sicher sein kann, dass man gute internationale Spiele von denen sieht, aber die sind einfach so kantenlos, dass ich nichts damit anfangen kann. Aber natürlich haben die sportlich gesehen allerhöchsten Respekt verdient. Es ist alles andere als selbstverständlich über Jahre zu Spitze der Liga zu gehören. Deswegen sollten wir heute auch ganz locker durch die Hose atmen und und das Team nicht mit Erwartungen überladen.

Was hört man nicht alles: Spitzenspiel, Finale, Vorentscheidung um die Euroleague, Dranbleiben an den CL Plätzen. Man könnte meinen heute ging es um alles oder nichts. Wir spielen eine Supersaison und heute geht es gegen ein Team, dass auf Sicht noch deutlich stärker ist als wir. Sollten wir heute verlieren sind wir nach wie vor auf Platz 5 und haben alles in der Hand. Wir können das Spiel heute also locker angehen. Es ist ein Geschenk.

Trotzdem dürfen wir heute gerne gewinnen.

Freitag, 2. April 2010

Denk ich an Bremen bin ich in Berlin

Vor jedem Spiel gegen Bremen muss ich unweigerlich ans Pokalfinale 1989 denken. Und das sind immer schöner Erinnerungen. Um ehrlich zu sein glaube ich sogar die schönste Erinnerung meines Lebens in Bezug auf Fußball. Und weil wir morgen wieder gegen Bremen spielen ist es natürlich wieder sehr präsent. Und da wir heute Karfreitag haben, Sie also eh nichts zu tun haben und sich langweilen mache ich heute mal den Rolf und langweile Sie mit Geschichten von früher.

Wahrscheinlich gibt es zwei Zeichen die unzweideutig darauf hindeuten, dass ich alt werde. Erstens: Ich war bei Ereignissen dabei bei denen viele der heutigen BVB-Fans noch gar nicht geboren waren und zweitens: Ich erzähle gerne darüber. Und um ehrlich zu sein könnte ich über das Spiel gegen Bremen immer und immer wieder reden. Das gerade das Spiel für mich – und ich denke auch alle anderen Leute meiner Generation – so prägend war hängt damit zusammen, dass einem in dem Moment klar wurde, dass der BVB ja auch Titel gewinnen kann. Ein Umstand, der einem vorher fremd war.

Ich gehe ins Stadion seitdem ich sechs Jahre alt bin. Oder besser gesagt: Ich wurde ins Stadion mitgenommen. Zwingen musste man mich da aber nie. Schon als Kind war der Besuch im Westfalenstadion das Highlight meiner Woche. Mein Vater hatte eine Dauerkarte im alte Block E auf der Hauptribüne. Das ist ungefähr da gewesen wo heute die Pressetribüne ist. Wie gut die Übersicht über das ganze Stadion war kann man daran erkennen, dass direkt neben uns die TV Kameras standen, die damals noch auf der „Haupttribüne“ standen. Zu der Zeit saß der Reporter bei den Spielen noch neben der Kamera und machte sich Notizen. Alles sehr improvisiert und aus heuten Gesichtspunkten beinahe schon absurd einfach.

Mein erster großer Erfolg war der Wiederaufstieg gegen Nürnberg an den ich mich allerdings nicht mehr erinnern kann. Trotzdem finde ich es irgendwie schön zu wissen, dass ich dabei war. In der Folge war ich Jahr um Jahr beim BVB und der größte Erfolg war nicht abzusteigen. Ich war es gewohnt, dass der BVB Nichts reißt und quasi die fleischgewordene Mittelmäßigkeit ist. Wenn ich mir überlege was für unfassbar schlimme Zeiten ich erlebt habe. Z.B. das 0:2 zu Hause gegen Karlsruhe bei dem die BVB- Fans in der zweiten Halbzeit des KSC anfeuerten und „Trainer, Vorstand , Tippi raus “ skandierten, um anschließend hinter die Trainerbank zu stürmen. Was das Ende für die angesprochenen bedeutete. Als wir unter Branco Zebec die Qualifikation für den UEFA Cup feierten, war das für mich wie der Gewinn der deutschen Meisterschaft.

Und dann kam 1989. Wir standen in einem Finale und konnten etwas gewinnen. Ich konnte es kaum fassen. Da mein Vater sehr gute Kontakte zur Westfalischen Rundschau hatte, kam ich auch recht stressfrei an eine Karte. Allerdings hätte ich das Spiel fast nicht gesehen. Denn ich war mit einer Freundin vorher im Italienurlaub. Der war an sich schon wirklich schlimm und mit der Freundin habe ich danach nie wieder ein Wort gesprochen. Noch viel schlimmer war aber, dass deren VW Käfer auf dem Rückweg den Geist aufgab und wir uns eine andere Rückreisemöglichkeit suchen mussten. Als erstes fiel die Wahl auf den Zug. Allerdings mussten wir am Bahnhof feststellen, dass die Bahner streikten. Es sah so aus, als würde es nichts werden mit dem Pokalfinale. Ich war damals noch ein deutlich cholerischer als ich es heute bin und habe vor Wut und Verzweifelung dann erst irgendein Schild umgetreten und bin dann auf einen Bahnangestellten los. Dass sie mich nicht eingesperrt haben grenzt an ein Wunder. In meiner Frustration haben mir meine Eltern dann von Deutschland aus einen Flug gebucht, so dass ich rechtzeitig wieder in Deutschland war. Ich sollte ihnen dafür die Tage noch mal danken. Ohne sie hätte ich das Pokalfinale nie gesehen.

An meine Mitfahrgelegenheit kam ich dann über drei Ecken. Wie genau weiß ich nicht mehr. Allerdings kannte ich keinen persönlich. Los ging es an der Pilsbörse in Witten-Annen, aber dummerweise hatten sich der Organisator verrechnet und wir waren nicht 9 Reisende sondern 10. Die passten zwar in den Bus, hätten aber vom Fahrer eigentlich einen Busführerschein erfordert, so dass der Fahrer uns eigentlich nicht mitnehmen wollte. Ein guter Freund desjenigen, der sich als letzter angemeldet hatte, droht mir erst mal an, mir was auf Maul zu hauen. So beginnt doch eine gute Reise. 9 Leute, die ich nicht kenne, 2 die mir was auf die Mappe hauen wollen und ich. Der Fahrer erklärte sich dann aber bereit loszufahren,wenn klar wäre, dass einer an der Grenze raus müsse, wenn es Ärger gebe. Die Mitreisenden waren eigentlich ganz nett, aber leider – wie zu der Zeit irgendwie üblich – alle rechts. Jedes Auto mit polnischem Kennzeichen wurde ausführlich bepöbelt. Das war schon eine bunte Mischung. Auf der einen Seite ich, linksextrem, Antifa-Aktivist und langhaarig und 9 Leute, die sich bei jeder Raststätte darüber beschweren, dass „hier jetzt auch Kanacken arbeiten“ oder „Adolf mein Freund, komm zurück“ zum Besten geben. Allerdings war ich es aus Fußball-Zusammenhängen gewohnt mich mit Rechten zu arrangieren. Man hatte auch gar keine Chance anders.

Der Grenzübertritt auf die Transitstrecke war das erste Highlight der Fahrt. Die Grenze war voller Schwarzgelber und die Passübergabe durch die Grenzer war Comedy wie sie Loriot nicht besser machen könnte. Man muss sich das so vorstellen: Am Anfang der Grenze kommt so ein Typ in einer unfassbar hässlichen Uniform in den Bus und nimmt einem die Ausweise ab. Dann steht man eine Stunde oder so im Stau und langweilt sich zu Tode. Am Ende der Abfertigung kommt wieder so ein Typ in den Bus und die Show beginnt. Der Grenzer schaut in den Ausweis, schaut nach oben zu den Reisenden um dann wieder auf das Dokument zu schauen. Das ganze Spiel geht so vier oder fünf mal bis der Grenzer dann „Herr Schmidt?“ sagt. Worauf Herr Schmidt dann „hier“ antwortet und seinen Ausweis bekommt. Unfassbar komisch.

Das nächste an was ich mich dann bewusst erinnere ist Charlottenburg. Ich habe ja aktuell noch eine Wohnung in Berlin und wenn es sich irgendwie vermeiden lässt meide ich Charlottenburg. Aber damals war der Stadtteil quasi das Zentrum von Berlin. Die BVB Fans trafen sich an der Gedächtniskirche und es waren wirklich unfassbar viele. Zeitgleich mit den BVB –Fans zog die Parade des Berliner CSDs vorbei. Das war wirklich ein abstruses Bild. In der Mitte Schwule und Lesben auf den Wagen und aufgedresst im Zug und drum rum Abertausende BVB-Fans, die den Mund nicht mehr zubekamen. Ende der 80er waren Schwule und Lesben in der Gesellschaft so beliebt und integriert wie Marsmenschen. Das war für die Fans ein Schock. „Ich weiß noch genau, wie einer mein Mitfahrer sagte „Ich hab ja schon viel gesehen, aber so was habe ich noch nicht erlebt“. Wie anders die Zeiten damals waren kann man damals erkennen, dass in unserer Vereinszeitung am ersten Spieltag nach dem Pokalfinale sinngemäß stand „Es zeigte sich, dass die Berliner Schwuchteln keine Ahnung von Fußball haben. Sonst hätten sie ihre Parade verlegt“ Da stand wirklich „Schwuchteln“. Das muss man sich heute mal vorstellen. Klar passen Fußball und Homosexualität leider immer noch nicht so richtig zusammen, aber trotzdem würde keiner offiziell „Schwuchteln“ schreiben.

Das Stadion selbst war fest in schwarz-gelber Hand. Also so richtig fest. Zu den Dingen, die ich ebenfalls nie vergessen werde ist der staunenden Blick eines neutralen Zuschauers, der zu seiner Freundin sagte „Das hätte ich nicht gedacht, dass das so viele sind. Das ist ja wie die Holländer bei der EM“. Es war aber wirklich auch beeindruckend, was wir da aufgefahren hatten. Wer damals dabei war, wird es nie wieder vergessen. Der Rest ist Geschichte. Der 0:1 Rückstand und dann das Tor von Norbert Dickel das dem legendären Jubelbild vorausging Dieser Tag war die Geburtsstunde des „neuen“ BVB, der plötzlich Erfolge feierte und 8 Jahre später in München die Championsleague gewann.

Es wird wieder Zeit nach Europa zu kommen und wieder würde uns ein Sieg gegen Bremen eine Menge bringen. Wobei es auch gut ist zu wissen, dass man nach einer Niederlage nach wie vor im Rennen ist. Trotzdem bin ich heiß wie sau auf das Spiel und hoffe, dass wir sie morgen weg schießen. Wobei ich schon auch ein deutliches Grummeln im Bauch habe. Gegen Bremen halte ich alles für möglich: Einen hohen Sieg, aber auch eine hohe Niederlage. Gebt einfach mal alles Jungs.

Lasst mich nochmal ein wenig wie 1989 fühlen.

Donnerstag, 1. April 2010

Komm mich holen, Morpheus!





Es ist Nachts. Oder Morgens. Oder irgendwas dazwischen. Wir schreiben auf jeden Fall 3:18 Uhr. Ich habe knapp 19 Stunden Arbeit auf der Uhr und bin echt im Arsch. Da ich morgen wieder im 10:00 Uhr in der Firma sein muss, weiß ich genau, dass ich nicht zum bloggen komme. Ich werde mich echt aus dem Bett quälen müssen. Ich bin zwar stücknüchtern, aber fühle mich als hätte ich 10 Bier getrunken. Das schreiben geht auch nicht so schnell. Aber wenn ich heute nichts schreiben, dass eben erst Karfreitag. Und das finde ich doof. Ich hasse es, wenn hier einen Tag nichts steht. Das macht mich unglücklich. Egal wie viel ich gearbeitet habe. Ich fühle mich dann als wäre ich gescheitert.

Daher schreibe ich Euch hier was in die Tasten und würde mich freuen, wenn ihr Euch mit mir freut. Denn – Tada und Tusch – „Hamburg schwarz-gelb“ hat ein neues Monatshoch aufgestellt. Über 6.000 Leser im Monat hatte ich noch nie und im März wurde diese Marke mit über 6500 deutlich geknackt. Und ich gebe zu, dass mich das sehr glücklich macht. Und zwar zur Abwechslung nicht wegen meiner Eitelkeit, sondern weil ich es einfach wunderschön finde, dass es scheinbar Leute gibt, denen dieser Blog was bedeutet. Entweder, weil sie sich verstanden fühlen, oder unterhalten, oder dass sie mich so doof finden, dass sie mich nicht ignorieren können. Egal, was Euch auf diese Seite treibt, ich freu mich wirklich darüber. Über jeden einzelnen. Das gibt mir in Momenten wie diesen den Antrieb noch was in die Tasten zu hacken, bevor ich in Morpheus Arme sinke. Aber ich hoffe, dass er mich jetzt holt.

Danke, dass ihr mich ertragt.